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Schulmilch als zusätzliches Standbein

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29.05.2026 | von Dipl.-Ing. Lena Goritschnig, BEd

Seit 30 Jahren beliefert Familie Kollmann Schulen und Kindergärten mit Milchprodukten. Heute werden insgesamt 35 Bildungseinrichtungen täglich versorgt.

Foto1_Markus Kollmann. ©Markus Kollmann privat.jpg © Kollmann
In den frühen Morgenstunden beliefern Markus Kollmann und sein Vater 35 Bildungseinrichtungen, darunter auch die Volksschule Wolfsberg. Er ist einer von sieben Betrieben in Kärnten, die Schulmilch produzieren und direktvermarkten. © Kollmann
Es ist kurz vor 4 Uhr am Morgen, wenn Markus Kollmann am Brüchlhof die zwei Lieferwägen mit Milchkisten belädt. Dann geht es los: Markus übernimmt eine Liefertour, sein Vater die zweite. Insgesamt werden 35 Bildungseinrichtungen von Obdach bis nach St. Paul mit Schulmilch versorgt. Bis 8 Uhr hat er Zeit, dann beginnt die eigentliche Stallarbeit auf seinem Hof. Der Brüchlhof der Familie Kollmann liegt in St. Andrä im Lavanttal auf 538 Meter. Bewirtschaftet werden 30 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Das Herzstück des Betriebes sind die rund 65 Rinder, 40 davon Milchkühe, die seit 2019 mit einem automatischen Melksystem gemolken werden. 2008 übernahm Markus den Hof von seinen Eltern. Eigentlich hatte sein Weg zunächst in eine andere Richtung geführt. Nach HTL-Ausbildung und Studium der Rechtswissenschaft kehrte er wieder auf den elterlichen Betrieb zurück. 2018 absolvierte er zusätzlich die Meisterausbildung in der Landwirtschaft. Heute ist er Vollerwerbslandwirt, Organisationstalent, Landschaftspfleger und Lebensmittelunternehmer. So vielfältig wie sein Beruf ist auch die Produktpalette am Brüchlhof.

Täglich frische Produktion

1994 begann die Familie mit der Direktvermarktung über Milchautomaten. Für zehn Schilling konnte man damals einen Liter Milch kaufen - für viele Konsumenten ein völlig neues Konzept. Der Einstieg in die Schulmilch erfolgte nur zwei Jahre später beinahe spontan. Ein Schulwart kontaktierte die Familie, weil die Versorgung über die Molkerei nicht richtig funktionierte. Kurzerhand fuhr man zur Ab-Hof-Messe, kaufte die ersten Maschinen und begann wenige Wochen später mit der Produktion.

Heute werden am Brüchlhof monatlich rund 5000 kg Milch verarbeitet. Produziert werden Trinkmilch und Trinkjoghurts in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Besonders gefragt ist die Kakaomilch. "Sie ist nach wie vor der absolute Klassiker bei den Schülern und macht mittlerweile mehr als ein Drittel unseres Absatzes aus", erzählt Markus Kollmann. Dass die Qualität hoch ist und die Produkte wirklich vom Bauernhof stammen, garantiert das "Gutes vom Bauernhof"-Gütesiegel auf seinen Produkten. Eine Marke, die nur kontrollierte bäuerliche Direktvermarkter in Österreich führen dürfen. Die Produkte werden täglich frisch hergestellt. Damit das funktioniert, ist der Tagesablauf am Brüchlhof effizient durchgeplant und organisiert. Nach der Stallarbeit am Morgen wird für den nächsten Schultag produziert, ausgeliefert wird bereits in den frühen Morgenstunden. Genau diese Frische sieht Markus Kollmann als großen Vorteil der regionalen Schulmilch. Rund 180 Schultage im Jahr läuft dieser Ablauf nahezu ohne Unterbrechung. "Spontane Auszeiten sind schwierig. Urlaub funktioniert nur, wenn alles perfekt organisiert ist und ich mich mit meinen Praktikanten gut stelle", erzählt Markus Kollmann mit einem Schmunzeln.
Foto3_Kinder. ©Cityfoto.jpg © Cityfoto
Schulmilchprodukte stellen eine wertvolle Pausenverpflegung dar und sind oft die erste Mahlzeit für Schüler, die ohne gefrühstückt zu haben, in die Schule kommen. © Cityfoto

Nachhaltigkeit als Grundgedanke

Die Zustellung der Schulmilch erfolgt mittlerweile mit zwei Elektro-Kleintransportern der dafür benötigte Strom stammt zum größten Teil aus der eigenen Photovoltaikanlage. Auch beim Verpackungssystem setzt der Betrieb auf Kreislaufwirtschaft. Die Schulmilch wird heute in 100% recycelbaren Polystyrolbechern abgefüllt, die nach Gebrauch wieder eingesammelt und einem Recyc­lingprozess zugeführt werden. Dadurch entsteht in den Schulen kein Müll. Die Rücknahme und Verwertung erfolgt über ein Unternehmen in Völkermarkt. "Früher wurde die Schulmilch in Gläser abgefüllt. Der Aufwand für die Reinigung war allerdings enorm. Die Kisten hatten außerdem ein ziemliches Gewicht und viele Gläser wurden als Malbecher zweckentfremdet oder beschädigt", fasst Markus Kollmann zusammen.

Digitalisierung spart Zeit

Ein weiterer wichtiger Schritt für den Betrieb war die Digitalisierung des Bestellverfahrens im Jahr 2003. Früher wurde telefonisch oder per Fax bestellt – ein fehleranfälliges System mit hohem Verwaltungsaufwand. Heute können die Schulen online bestellen, die Liefertour wird automatisch vom Programm generiert und sowohl die Abrechnung als auch Förderabwicklung erfolgen mit nur einem Mausklick. Auch eine Schnittstelle zur AMA enthält das Programm, denn Schulmilch wird gefördert. Dadurch konnten der Verwaltungsaufwand und die Bürokratie für die Schulen und den Betrieb gleichermaßen deutlich reduziert werden.
Foto2_Jungvieh. ©Markus Kollmann privat.jpg © Kollmann
Die weibliche Nachzucht verbringt ihren Sommer auf der Saualm. © Kollmann

Gutes Netzwerk wichtig

Trotz moderner Technik und guter Organisation bleibt die Schulmilchvermarktung anspruchsvoll. Sinkende Schülerzahlen, veränderte Ernährungsgewohnheiten und administrative Hürden in den Schulen machen vielen Betrieben zu schaffen. "Wenn das Bewusstsein in der Schule fehlt, funktioniert Schulmilch nicht", sagt Markus Kollmann offen. Der Bauer könne nur bis zur Schultüre liefern - alles Weitere müsse innerhalb der Schule organisiert werden.

Umso wichtiger sei das Netzwerk der Schulmilchbauern. Österreichweit seien die Betriebe gut organisiert und tauschen sich regelmäßig aus. "Gerade wenn es einmal nicht so gut läuft, ist dieses Netzwerk enorm wichtig." Trotz dieser Herausforderungen bleibt Markus optimistisch, denn durch die direkte Vermarktung der Milch ist der Betrieb breit und wirtschaftlich gut aufgestellt. Er ist mit sehr viel Leidenschaft Landwirt und Schulmilchbauer. Oder wie er selbst sagt: "Das Spannende an meinem Beruf ist, dass dieser das ganze Portfolio an Tätigkeiten abdeckt." Als Landwirt ist man ähnlich vielseitig wie das Schweizer Taschenmesser - quasi ein Multifunktionstalent.
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