Futterreserven schaffen und Grünland stärken
Zuerst rechnen: Wie weit reicht das Futter?
Der erste Schritt sollte eine möglichst realistische Futterbilanz für die kommenden Monate sein. Sie zeigt, wie groß die tatsächliche Lücke ist und ob mit angepassten Rationen, zusätzlichen Futterflächen oder Zukauf gegengesteuert werden muss. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen einer möglichen Reduktion des Tierbestandes sollten bei größeren Fehlmengen frühzeitig durchgerechnet werden. Entscheidend ist, zu handeln, solange noch mehrere Möglichkeiten offenstehen.
Das qualitativ beste Grundfutter sollte dabei gezielt eingesetzt werden. Hochwertiges Heu und gute Silagen gehören vorrangig zu frischmelkenden und leistungsstarken Kühen sowie zu Kälbern und Jungvieh bis zu einem Jahr. Altmelkende und trockenstehende Kühe sowie älteres Jungvieh haben geringere Ansprüche. Bei diesen Tiergruppen können nach entsprechender Rationsberechnung auch nährstoffärmere Komponenten wie zum Beispiel Futterstroh eingesetzt werden.
Geschädigtes Grünland rasch wieder schließen
Längere Trockenperioden zeigen deutlich, welche Pflanzenbestände stabil sind. Flachwurzelnde und wenig wertvolle Arten wie die Gemeine Rispe fallen häufig besonders rasch aus. Die dadurch entstehenden Lücken bieten allerdings auch die Möglichkeit, die Bestände gezielt zu verbessern.
Verdorrtes Material sollte mit dem Striegel herausgearbeitet und bei größeren Mengen abtransportiert werden. Sobald ausreichend Niederschlag und Bodenfeuchtigkeit vorhanden sind, können die entstandenen Lücken nachgesät werden. Auf trockenheitsgefährdeten Standorten ist eine seichte Ablage des Saatgutes bis etwa 0,5 cm günstig. Sie verbessert den Kontakt zur Bodenfeuchtigkeit und bringt das Saatgut in einen etwas kühleren Bereich. Ein anschließendes Anwalzen sorgt für einen besseren Bodenschluss und hilft dabei, dass Wasser aus tieferen Bodenschichten zum Saatgut gelangt. Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt. Eine Nachsaat in völlig ausgetrockneten Boden birgt ein erhebliches Risiko. Saatgut und Technik sollten deshalb vorbereitet sein, um ein günstiges Niederschlagsfenster rasch nutzen zu können.
Vielfalt macht Biogrünland widerstandsfähiger
Für trockenheitsgefährdete Kärntner Standorte gewinnen tiefwurzelnde und trockenheitsverträglichere Arten an Bedeutung. Geeignet sind je nach Standort etwa Knaulgras, Wiesenlieschgras und Glatthafer, bei intensiverer Nutzung auch Rohrschwingel. Besonders für Biobetriebe sind Leguminosen wertvoll. Rotklee besitzt eine kräftige Pfahlwurzel, was ihn trockenheitsresistent macht, und trägt gleichzeitig über die biologische Stickstoffbindung zur N-Versorgung des Bestandes bei. Für Rotklee sollte der Boden einen pH-Wert um 6 aufweisen.
Auch Luzerne kann auf geeigneten Flächen interessant sein, ist aber keine Wunderpflanze gegen Trockenheit. Ihr tiefes Wurzelsystem hilft nur, wenn der Boden ausreichend tiefgründig ist und tatsächlich Wasserreserven im Untergrund vorhanden sind.
Für den Biobetrieb ist daher ein vielfältiger, standortangepasster Bestand meist die bessere Versicherung als die Konzentration auf eine einzelne vermeintlich trockenheitsfeste Art.
Nicht zu tief mähen
Eine wichtige Anpassung beginnt bereits beim Mähen. Auf trockenheitsgefährdeten Flächen sollte eine Schnitthöhe unter acht Zentimetern vermieden werden. Hochschnittkufen können dabei helfen. Mehr Restblattfläche erleichtert den Wiederaustrieb, während die stärkere Bodenbeschattung die direkte Verdunstung reduziert. Bei einer Schnitthöhe von acht bis neun Zentimetern können sich beispielsweise Knaulgrasbestände nach der Nutzung rascher regenerieren. Ein höherer Schnitt verkürzt die Regenerationsphase der Gräser und erhöht damit ihre Widerstandsfähigkeit.
Gerade im Biogrünland gilt: Was durch eine angepasste Nutzung im Bestand gehalten wird, muss später nicht teuer nachgesät werden.
Zusätzliche Futterreserven vom Acker
Betriebe mit Acker- oder Feldfutterflächen sollten prüfen, ob zusätzliche Futterzwischenfrüchte möglich sind. Je nach Saatzeitpunkt kommen für Kärnten unter anderem Kleegrasmischungen, Italienisches Raygras, Landsberger Gemenge, Winterfutterraps und Grünschnittroggen infrage. Später können auch Wintergetreidearten zur Nutzung als Ganzpflanzensilage angebaut werden.
Für Biobetriebe sind Kleegras und andere leguminosenreiche Mischungen besonders interessant, weil sie Futterproduktion und Stickstoffbindung verbinden.
Nach einem trockenen Sommer sollte jedoch nicht alles auf eine Kultur gesetzt werden. Mischungen können das Risiko verteilen, weil die einzelnen Arten unterschiedliche Ansprüche an Keimwasser und Witterung besitzen. Fällt eine Art aus, können andere Mischungspartner einen Teil des Ertrags übernehmen. Dieses Prinzip wird beispielsweise bei Mischungen aus Raygras, Inkarnatklee und Wicke mit rasch auflaufenden Kreuzblütlern genutzt.
Unter trockenen Bedingungen sollte die Bodenbearbeitung möglichst flach erfolgen und auf wenige Arbeitsgänge beschränkt werden. Die Saat mit einem Sägerät und eine gute Rückverfestigung verbessern den Bodenschluss und damit die Wasserversorgung des Saatgutes.
Grünschnittroggen als Reserve für das Frühjahr
Ist eine ausreichende Herbstnutzung nicht mehr zu erwarten, lohnt sich der Blick auf das Frühjahr. Grünschnittroggen ist eine vergleichsweise ertragssichere Winterzwischenfrucht und ermöglicht eine frühe zusätzliche Futterernte bereits im Frühjahr.
Auch Winterroggen, Wintergerste oder Triticale können als Ganzpflanzensilage genutzt werden. Dabei muss zwischen Qualität und Masse abgewogen werden: Eine frühere Ernte liefert einen höheren Nährstoffgehalt, mit zunehmender Reife steigt der Masseertrag, während der Stängelanteil und damit die Rohfaser zunehmen.
Bei einer anschließenden Hauptkultur wie Silomais muss allerdings die Wasserkonkurrenz berücksichtigt werden. Eine überwinternde Futterkultur verbraucht im Frühjahr Wasser und verschiebt den Saattermin der Folgefrucht. Deshalb muss die Entscheidung immer zum Standort und zur betrieblichen Fruchtfolge passen.
Knappes Grundfutter gezielt strecken
Wenn die betriebseigenen Vorräte nicht reichen, kommen alternative Futtermittel infrage. Möglichkeiten sind unter anderem Stroh, Luzernepellets oder Getreide-Ganzpflanzensilage.
Nährstoffarme Futtermittel dürfen hochwertiges Grundfutter aber nicht unkontrolliert ersetzen. Tiere müssen ausreichend Futter aufnehmen können, gleichzeitig müssen Energie, Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine zur Leistung passen. Eine Rationsberechnung ist gerade bei Futterknappheit besonders wertvoll. Die LK Kärnten unterstützt Betriebe dabei mit einer individuellen Fütterungsberatung und Rationsberechnung.
Auch ein höherer Kraftfuttereinsatz kann fehlende Grundfutterenergie teilweise ausgleichen, hat jedoch physiologische und gerade im Biobetrieb auch wirtschaftliche Grenzen. Bei höheren Kraftfuttermengen sind mehrere kleine Gaben wichtig. Für Großrinder werden pro Gabe maximal 1 bis 1,5 kg empfohlen. Gleichzeitig muss ausreichend Struktur für eine funktionierende Pansenphysiologie vorhanden sein.
Aus der Futternot für die Zukunft lernen
Zukünftige Trockenperioden werden sich nicht verhindern lassen. Ihre Auswirkungen auf den Betrieb können aber verringert werden. Dazu braucht es Maßnahmen auf mehreren Ebenen: kurzfristig eine genaue Futterplanung und gezielte Verteilung der Vorräte, für Herbst und Frühjahr die Regeneration geschädigter Grünlandbestände und Anbau zusätzlicher Futterkulturen sowie langfristig widerstandsfähigerer Pflanzenbestände.
Gerade für Kärntens Biobetriebe liegt ein wichtiger Schlüssel in vielfältigen, standortangepassten Grünlandbeständen mit tiefwurzelnden Gräsern und einem passenden Leguminosenanteil. Dazu kommen ausreichende Schnitthöhen, eine angepasste Nutzung und der effiziente Einsatz der betriebseigenen Wirtschaftsdünger.
Die wichtigste Strategie lautet daher: nicht auf eine einzelne Maßnahme oder den nächsten Regen setzen, sondern das Risiko verteilen. Wer rechtzeitig rechnet, Bestände verbessert, zusätzliche Futterreserven schafft und hochwertiges Grundfutter gezielt einsetzt, kann nicht nur eine akute Futterknappheit besser bewältigen, sondern macht den Biobetrieb gleichzeitig widerstandsfähiger für kommende Trockenjahre.
Broschüre: Futterknappheit meistern
Information zu gezielten Fütterungsstrategien und der Vermeidung von Leistungseinbußen sowie die Broschüre „Futterknappheit meistern“ am Ende dieses Artikels.