Das Miteinander macht den Unterschied
Was passiert, wenn 45 Bäuerinnen ihre Stimmen vereinen, eine Kommunikationsexpertin das Publikum zum Lachen und Nachdenken bringt und partnerschaftliches Miteinander nicht nur diskutiert, sondern auch schriftlich bekräftigt wird? Dann ist Kärntner Bildungstag! Vergangenen Dienstag wurde deutlich: Bildung bewegt, Begegnung verbindet, und eine starke Gemeinschaft lebt von Menschen, die gemeinsam etwas bewirken wollen. Gleich zu Beginn wartete ein besonderer Höhepunkt: Der Kärntner Bäuerinnenchor feierte seinen ersten Premierenauftritt und sorgte für einen stimmungsvollen Auftakt.
Jahr voller Frauenpower
Mit Stolz blickte Landesbäuerin Astrid Brunner auf das Internationale Jahr der Bäuerinnen. In Kärnten wurde diese Zeit genutzt, um zahlreiche Bildungsakzente zu setzen, Netzwerke zu stärken und Begegnungen zu ermöglichen. Von Jungbäuerinnen über Hofübernehmerinnen bis hin zu Altbäuerinnen spannt sich der Bogen einer engagierten Frauengemeinschaft. Ein besonderes Anliegen ist Brunner dabei die Unterzeichnung der Chartas. "Einen partnerschaftlichen Auftritt braucht es auf unseren Höfen, aber auch in agrarischen Gremien!“, betonte die Landesbäuerin.
Landwirtschaft erklären heißt Zukunft gestalten. Auch Präsident Siegfried Huber unterstrich die Bedeutung eines aktiven Dialogs zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Seine Botschaft trifft den Kern des Bildungstages: Landwirtschaft braucht nicht nur fachliches Wissen und engagierte Menschen, sondern auch die Fähigkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Mit viel Energie, Humor und zahlreichen Denkanstößen übernahm anschließend Kommunikationsexpertin Christine Hackl die Bühne. Ihr Plädoyer: In einer Welt, in der künstliche Intelligenz und Roboter immer menschlicher werden, kommt es umso mehr auf unsere menschlichen Fähigkeiten an. Begegnung, Vernetzung und Wirken - auf diesen drei Säulen baut für Hackl gelingende Kommunikation auf. Was zunächst einfach klingt, entpuppte sich als ebenso unterhaltsame wie tiefgründige Reise durch das menschliche Miteinander.
Gelungene Begegnung
Hackl stellte ihrem Publikum zwei Typen von Menschen vor: die "Fliegenmenschen" und die "Bienenmenschen". Während die einen selbst im Paradies noch das sprichwörtliche "Scheißhauferl" entdecken, finden die anderen auf jeder Wiese eine Blume. Eine humorvolle Beschreibung mit einer klaren Botschaft: Worauf richten wir unseren Fokus? Zur gelungenen Begegnung gehört dabei auch, sich selbst anzunehmen und Dankbarkeit zu entwickeln. Und wenn uns jemand ein Kompliment macht? Dann sollten wir es nicht aus übertriebener Bescheidenheit gleich wieder kleinreden. Hackls augenzwinkernder Rat: Einfach einmal Danke sagen - oder sogar ein "Sag es nochmal!".
Die zweite Säule ist die Vernetzung. Für Hackl bedeutet gelungene Kommunikation weit mehr als den Austausch von Worten. Entscheidend sind der echte Dialog und der Aufbau einer Beziehung zum Gegenüber. Auch wenn wir unterschiedlich denken, andere Erfahrungen mitbringen oder nicht dieselbe Meinung vertreten, verbindet uns meist mehr, als uns trennt. Passend dazu zitierte Hackl Henry Ford: "Gerade, weil wir alle im gleichen Boot sitzen, müssen wir froh darüber sein, dass nicht alle auf derselben Seite stehen." Ein Satz, der zum Nachdenken anregt - und gerade für Gemeinschaften, Teams und agrarische Gremien von Bedeutung ist.
Die dritte Säule widmete Hackl dem Wirken - oder besser gesagt: dem Be-Wirken. Unsere innere Haltung ist entscheidend, wie uns die Welt begegnet. Wirken heißt deshalb auch, sich der eigenen Haltung bewusst zu werden. Denn am Ende erinnern sich Menschen oft weniger an unsere Worte als an das Gefühl, das wir bei ihnen hinterlassen.
45 Stimmen, ein Klang
Ein weiterer Höhepunkt war die Premiere des Kärntner Bäuerinnenchors. 45 Bäuerinnen aus allen Bezirken vereint die Freude am Singen. Unter der Leitung von Chorleiterin Martina Ragger reichte das Repertoire vom Kärntnerlied bis hin zum Austro-Pop. Der nächste Auftritt ist bei der Agrarmesse 2027 geplant.
Der Kärntner Bildungstag zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig Bildung sein kann, er ist weit mehr als eine Veranstaltung im Kalender.
Sechs neue Chartas für mehr Partnerschaft in Kärnten
2026 wurden in Kärnten sechs weitere Chartas für eine partnerschaftliche agrarische Interessenvertretung unterzeichnet. Seit 2017 sind es damit bereits 28 Vereinbarungen mit agrarischen Verbänden und Organisationen.
Gemeinsam mit Landesbäuerin Astrid Brunner bekräftigen die Obleute das Ziel, Frauen nachhaltig zu stärken und eine Frauenquote von mindestens 30% zu erreichen.
Landesbäuerin Brunner appelliert: "Ihr seid auch aufgefordert, die Chance zu nützen, wenn ihr gefragt werdet, und die anderen Frauen sind aufgefordert, Frauen, die vorne stehen, aktiv zu unterstützen.“ Ziel ist eine ausgewogene Vertretung beider Geschlechter sowie eine faire Verteilung von Ressourcen und Gestaltungsmöglichkeiten.
Starke Stimmen
Fördergemeinschaft Garten mit Obfrau Margarita Messner-Fritzl: "Wir leben Gleichstellung."
Die Kärntner Gärtner mit Obmann Peter Schilcher: "Die Frauen haben unsere Berufsvereinigung stark geprägt."
Geflügelwirtschaft Kärnten mit Obmann Dieter Obereder: "Die Frauen sind die Säulen auf den Betrieben."
Landeskontrollverband Kärnten mit Obmann Hermann Schluder: "Frauen tun den Gremien gut, der Umgangston verändert sich."