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Biogrünlandtag zeigt Wege für nachhaltige Praxis

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10.06.2026 | von Dipl.-Ing. Tamara Glantschnig

Effiziente Ressourcennutzung, resiliente Tierzucht und Biodiversität standen im Zentrum des Biogrünlandtags mit klaren Impulsen für die Praxis.

Bild 1.jpg © LK Kärnten/Tamara Glantschnig
Erhebung und Bewertung der Litzlhofer Grünlandflächen. © LK Kärnten/Tamara Glantschnig
Beim Biogrünlandtag an der LFS Litzlhof stand die Frage im Mittelpunkt, wie Grünland wirtschaftlich und zugleich ökologisch erfolgreich bewirtschaftet werden kann. Fachvorträge, praxisnahe Demonstrationen und Diskussionen zeigten anschaulich das Zusammenspiel von Landwirtschaft und natürlichen Kreisläufen. Die klare Botschaft: Nachhaltiger Erfolg gelingt nur im Zusammenspiel von Boden, Pflanze, Tier und Management.

Dung als Schlüsselressource

Mag. Elisabeth Glatzhofer vom Wiener Institut für Naturschutzforschung und Ökologie (VINCA) verdeutlichte in ihrem eindrucksvollen Vortrag, dass Dung weit mehr als ein Nebenprodukt der Tierhaltung ist. Gesunder Nutztierdung bildet die Lebensgrundlage für rund 400 Insektenarten in Europa. Die daraus entstehende Insektenbiomasse kann jährlich bis zu ein Fünftel des Körpergewichts einer Kuh erreichen.
Doch damit nicht genug: Dung ist Ausgangspunkt eines komplexen Nahrungsnetzes. Neben Insekten profitieren auch Pilze, Würmer und zahlreiche Wirbeltiere davon – von Vögeln bis hin zu Fledermäusen. Gerade für viele gefährdete Arten im Offenland ist diese Ressource unverzichtbar. Jeder Viehhalter ist somit ein zentraler Förderer der tierischen Artenvielfalt.

Eine Schlüsselrolle übernehmen dabei Dungkäfer. Sie zersetzen und vergraben den Dung, verbessern dadurch die Bodenstruktur, fördern den Nährstoffkreislauf und steigern die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens. Gleichzeitig tragen sie zur Reduktion von Parasiten bei, ein klarer Vorteil für Landwirtschaft und Tiergesundheit.
Umso besorgniserregender ist der Rückgang vieler Dung­insekten. Hauptursachen sind der Verlust von Weideflächen sowie der prophylaktische Einsatz von Entwurmungsmitteln. Um gegenzusteuern, braucht es gezielte Maßnahmen wie eine Forcierung der Weidewirtschaft, einen bewussteren Medikamenteneinsatz und den Erhalt bestehender Weideflächen.
Bild 2.jpg © LK Kärnten/Tamara Glantschnig
Praktische Beurteilung der Körperkondition von Milchkühen. © LK Kärnten/Tamara Glantschnig

Gesundheit und Langlebigkeit

Im Rahmen ihres Vortrags zeigte Dipl.-Ing. Edina Scherzer von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein auf, dass Rinderzucht auf Biobetrieben das Ziel verfolgt, insbesondere Tiergesundheit, Langlebigkeit und Grundfutterleistung nachhaltig zu verbessern. Neben den allgemein gültigen Biozielen werden auch betriebsindividuelle Gegebenheiten berücksichtigt.
Erwünscht sind mittelrahmige Tiere mit genügend Breite und Tiefe, die eine hohe Grundfutteraufnahme und -verwertung erreichen. Ein funktionales Exterieur (vor allem Fundament, Euter) bildet die Grundlage für ein gesundes, problemloses, langes Leben. ­Robustheit, Fitness und Anpassungsfähigkeit, etwa an Weidehaltung, Futterumstellungen oder klimatische Bedingungen, sollen Biotiere mitbringen. ­Diese Eigenschaften gewinnen zunehmend an Bedeutung gegenüber einer reinen Leistungssteigerung.

Als praktische Methode zur Anpaarung wurde das Triple-A-System (Animal Analysis Associates) erwähnt. Es ergänzt die normale Zuchtwertschätzung und liefert zusätzliche Informationen über Gesundheit, Körperbau und Funktionalität der Tiere. So können Schwächen ausgeglichen und die Qualität der Nachkommen verbessert werden.
Am Nachmittag wurde das Thema praxisnah vertieft: Direkt vor Ort wurden Milchkühe hinsichtlich des Exterieurs besprochen. Die Teilnehmer erhielten dabei wertvolle Einblicke in die praktische Tierbeurteilung und ihre Zusammenhänge mit der Tiergesundheit.

Grünland richtig nutzen

Wie Dr. Walter Starz, Wissenschaftler am Bioinstitut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, in seinem Vortrag erläuterte, verfolgt die abgestufte Grünlandnutzung das Ziel, Flächen je nach Ertragsfähigkeit und Standortbedingungen gezielt zu bewirtschaften. Leistungsfähige Flächen werden intensiver genutzt, während schwächere Standorte extensiver geführt werden.
Dieses Vorgehen nutzt die Flächen im Betrieb sinnvoll und bringt Vorteile für Wirtschaft und Umwelt. Gutes Futter wird für leistungsstarke Tiere verwendet, während schwächere Flächen Grundfutter liefern oder Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen bieten. Gleichzeitig werden empfindliche Standorte geschont, die Artenvielfalt gefördert und der Betrieb besser auf klimatische Veränderungen vorbereitet.
Am Nachmittag wurden am Litzlhof Flächen gemeinsam analysiert und hinsichtlich Nutzung und Ertragspotenzial bewertet. Diese praxisnahe Betrachtung zeigte, wie sich das Konzept der abgestuften Grünlandnutzung direkt am Betrieb umsetzen lässt.
Bild 3.jpg © LK Kärnten/Nadja Schuster
Die Nachsaattechnik spielt im Grünland eine zentrale Rolle. © LK Kärnten/Nadja Schuster

Nachsaat gezielt verbessern

Karl Auer von Ertl-Auer Landmaschinen zeigte im Praxisteil, dass sich Grünlandbestände mit einfachen, gezielten Maßnahmen nachhaltig stabilisieren lassen. Entscheidend sind eine regelmäßige Flächenkontrolle, das frühzeitige Erkennen von Lücken sowie eine standortangepasste Düngung.
Eine zentrale Rolle spielt die Nachsaat: Sie ermöglicht die Verbesserung bestehender Bestände ohne Umbruch. Für den Erfolg sind die richtige Saatgutmischung, eine gute Bodenvorbereitung und ausreichender Bodenkontakt ausschlaggebend. Günstige Zeitpunkte sind vor allem Frühjahr und Spätsommer, ergänzt durch eine schonende Nutzung in der Anwuchsphase.

Die praktische Vorführung moderner Technik zeigte anschaulich, wie sich diese Maßnahmen effizient in der betrieblichen Praxis umsetzen lassen.
Der Grünlandtag am Litzl­hof zeigte, dass nachhaltige Landwirtschaft kein einzelner Ansatz, sondern ein Zusammenspiel vieler Faktoren ist. Biodiversität, Tiergesundheit, effizientes Management und betrieblicher Erfolg stehen nicht im Widerspruch zueinander – sie bilden gemeinsam die Grundlage für zukunftsfähige Betriebe.
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