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Leptospirose bei Rindern: Wie groß ist das Risiko wirklich?

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25.08.2026 | von Eva Fasching, Sabrina Kuchling, Karoline Waldner, AGES

Neue Daten aus Österreich geben Aufschluss.

Rinder Wasser © AdobeStock/Clara
Natürliche Wasserstellen können für Rinder eine mögliche Infektionsquelle für Leptospiren darstellen. © AdobeStock/Clara
Fruchtbarkeitsstörungen, Aborte oder lebensschwache Kälber können viele Ursachen haben - eine davon wird bislang oft übersehen: Leptospirose. Neue Daten aus Österreich geben Aufschluss über die Verbreitung, welche regionalen Unterschiede es gibt und machen sichtbar, welche Haltungsbedingungen das Infektionsrisiko erhöhen.

Häufig unbemerkte Infektionen

Infektionen verlaufen beim Rind häufig ohne auffällige Symptome, können jedoch erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Typische Auswirkungen sind Fruchtbarkeitsstörungen, Aborte, verlängerte Güstzeiten sowie eine erhöhte Zahl schwacher oder totgeborener Kälber. Auch ein Rückgang der Milchleistung kann auftreten.

Bei akuten Verläufen zeigen die Tiere gelegentlich Fieber, Mattigkeit, Gelbsucht oder Blutarmut. Problematisch sind insbesondere chronisch infizierte Tiere: Sie scheiden die Erreger über längere Zeit aus, ohne klinisch krank zu erscheinen, und stellen damit ein erhebliches Risiko für die gesamte Herde dar. 

Da Leptospirose sowohl für Tiere als auch für den Menschen relevant ist, ist Wissen über die regionale Verbreitung des Erregers entscheidend.
Leptospirose © AGES
Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Leptospire. © AGES

Was ist Leptospirose?

Die Erkrankung wird von Leptospiren (schraubenförmigen Bakterien) verursacht. Infizierte Tiere - vor allem Nagetiere wie Mäuse und Ratten - scheiden den Erreger über den Urin aus und kontaminieren damit ihre Umgebung wie z.B. Oberflächengewässer oder Wasserlacken. Einmal in der Umwelt überlebt der Keim besonders gut bei feucht-warmer Witterung. Unter solchen günstigen Umweltbedingungen kann der Erreger über Wochen bis Monate hinweg infektiös bleiben, weshalb längere Regenphasen, Überschwemmungen oder feuchte Standorte das Infektionsrisiko erhöhen.

Rinder können sich über direkten Kontakt mit erregerhaltigem Urin oder z.B. über kontaminierte Wasserstellen oder feuchte Weideflächen infizieren, wobei kleine Verletzungen der Haut oder Kontakt mit den Schleimhäuten den Bakterien als Eintrittspforte ausreichen.
Leptospirose Niederösterreich © Wiener Tierärztliche Monatsschrift, Fasching et al. (2026)
Grafische Darstellung aller Leptospiren-Antikörper positiver Proben -grüne Punkte- (Anzahl=232, aus 173 Betrieben) aus Niederösterreich über der Rinderdichte je km2 auf Gemeindeebene. © Wiener Tierärztliche Monatsschrift, Fasching et al. (2026)

Untersuchung zur Verbreitung in Österreich

Um die Situation besser einschätzen zu können, wurden im Rahmen eines von BIOS Science Austria geförderten Projekts 2.339 Blutproben von Rindern aus Niederösterreich und Vorarlberg (2020 bis 2021) untersucht. Hatte ein Tier bereits Kontakt mit Leptospiren, konnte dies durch Antikörper im Blut festgestellt werden.

Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede: In Niederösterreich wurden in etwa 5% der Proben Antikörper nachgewiesen. Hohe Antikörpertiter, die auf eine frische Infektion hindeuten können, waren selten. Die meisten positiven Proben stammten aus Regionen mit hoher Rinderdichte, etwa dem Most- und Waldviertel.

In Vorarlberg hingegen waren rund 64% der untersuchten Tiere positiv. Zudem wurde hier häufig ein hoher Antikörpertiter festgestellt, was auf ein aktives Infektionsgeschehen schließen lässt.
Leptospirose Vorarlberg © Wiener Tierärztliche Monatsschrift, Fasching et al. (2026)
Grafische Darstellung aller Leptospiren-Antikörper positiver Proben - grüne Punkte - (Anzahl=281, aus 72 Betrieben) aus Vorarlberg über der Rinderdichte je km2 auf Gemeindeebene. © Wiener Tierärztliche Monatsschrift, Fasching et al. (2026)

Einfluss von Haltung und Management

Zur Erklärung der großen Unterschiede wurden verschiedene Einflussfaktoren modelliert. Dabei zeigte sich, dass insbesondere Alpung, Betriebsgröße und Alter der Tiere das Infektionsrisiko beeinflussen.
  • Alpung: Rinder mit Almweidegang haben ein deutlich erhöhtes Risiko, mit Leptospiren in Kontakt zu kommen. Vermutlich liegt dies am intensiveren Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen sowie an der Nutzung natürlicher Wasserstellen.
  • Alter: Ältere Tiere weisen häufiger Antikörper auf, was durch eine längere Expositionszeit erklärt werden kann.
  • Betriebsgröße: In Niederösterreich sind kleinere Betriebe häufiger betroffen, in Vorarlberg größere Betriebe. Das dürfte mit unterschiedlichen Haltungsformen und Biosicherheitsmaßnahmen zusammenhängen. 

Andere Faktoren wie Betriebstyp, genauer Probenahmeort innerhalb einer Region, Jahreszeit oder Untersuchungsjahr zeigten keinen nachweisbaren Einfluss.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Regionen liegt im Weidemanagement: Während in Niederösterreich nur etwa 7% der untersuchten Tiere gealpt wurden, waren es in Vorarlberg rund 80%.

Fazit für die Praxis

Die Ergebnisse zeigen: Leptospirose ist in Österreich präsent - und je nach Region sogar weit verbreitet. Besonders extensiv gehaltene Tiere mit Weide- oder Almzugang sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Für die Praxis ergeben sich daraus folgende Empfehlungen:
  • Leptospirose sollte bei Fruchtbarkeitsproblemen und insbesondere bei Aborten gezielt abgeklärt werden.
  • Schadnagerpopulationen sollten konsequent reduziert werden.
  • Der Zugang zu offenen, möglicherweise durch Nagerurin kontaminierten Wasserquellen sollte eingeschränkt oder kontrolliert werden.
  • Eine regelmäßige serologische Überwachung ist sinnvoll - auch im Sinne des One-Health-Gedankens, da infizierte Tiere eine potenzielle Gefahr für den Menschen darstellen.
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