Anbau der Biosonnenblume: eine Alternative

Der Sonnenblumenanbau ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. So betrug die Bioanbaufläche in Österreich im Jahr 2010 noch weniger als 2.000 ha. Im Jahr 2024 wurde hingegen schon auf knapp 5.500 ha Biosonnenblumen angebaut - der Großteil, rund 90%, steht in Niederösterreich und dem Burgenland. Die wärmeliebende Pflanze passt jedoch auch gut in die Ackerbauregionen Kärntens und stellt eine lukrative Kultur am Ende der Fruchtfolge dar. Darüber hinaus zählen Sonnenblumen gemäß ÖPUL-Programm zu den förderungswürdigen Kulturen. Der Anbau wird über die Maßnahmen UBB und BIO mit einem Zuschlag von 86,4 Euro/ha zusätzlich zur Basisprämie gefördert.
Ansprüche und Fruchtfolge
Sonnenblumen stellen an und für sich keine hohen Anforderungen an den Boden. Allerdings ist ein tiefgründiger unverdichteter Boden von Vorteil, da dadurch eine gute Durchwurzelung ermöglicht und eine ausreichende Wasserversorgung sichergestellt wird. Als Vorfrüchte eignen sich unkrautunterdrückende Kulturen wie Wintergetreide mit anschließender Zwischenfrucht. Ungeeignet sind jedenfalls Futter- und Körnerleguminosen, da die Abreife im Herbst durch eine späte Stickstofffreisetzung verzögert wird. Dies muss vermieden werden, da die Gefahr von Pilzerkrankungen bei späten Ernteterminen zunimmt. Dieses Risiko erhöht sich zudem bei Schlechtwetterphasen und Nebellagen im Herbst bei längerer Vegetationszeit deutlich. Durch den Anbau von frühreifen Sorten kann dem entgegengewirkt, und eine zeitgerechte Abreife sowie problemlose Ernte können gewährleistet werden. Aufgrund der ausgeprägten Pfahlwurzel - diese wächst bis zu 2,5 m in den ersten 30 Tagen - weisen Sonnenblumen ein außerordentliches Nährstoffaneignungsvermögen auf. Dies erklärt zum einen den geringen Düngebedarf von Sonnenblumenbeständen und die geringen Bodenvorräte nach dem Sonnenblumenanbau. Somit stellen Kleegras und andere Ackerfutterbestände optimale Folgefrüchte dar. Sonnenblumen sind nicht selbstverträglich - Stichwort: Sklerotinia. Deshalb sollten nicht nur zwischen Sonnenblumen, sondern auch zu Sojabohnen, Lein und Raps Anbauabstände von bis zu sieben Jahren eingehalten werden.
Anbau und Kulturführung
Die Kulturführung ähnelt jener von Mais - allerdings mit dem großen Vorteil, dass Sonnenblumen eine deutlich schnellere Jugendentwicklung und damit eine bessere Unkrautunterdrückung aufweisen. Eine Unkrautkur vor dem Anbau reduziert den Unkrautdruck zusätzlich. Der Anbau erfolgt ab einer Bodentemperatur von 8 °C (Mitte April) in Einzelkornsaat. Spätfröste bis -5 °C stellen im Jugendstadium kein Problem dar. Die Reihenweite richtet sich nach der zur Verfügung stehenden Maschinenausstattung, so wird meist die am Betrieb übliche Maisreihenweite gewählt. Sonnenblumen weisen im Vergleich zu Mais kleinere Samen auf, weshalb unter Umständen die Säscheibe gewechselt werden muss, um eine gleichmäßige Ablage zu gewährleisten. Die anzustrebende Bestandesdichte liegt bei rund 65.000 Pflanzen/ha - Sortenunterschiede sind zu beachten. Um ein schonendes Blindstriegeln zu gewährleisten, muss eine Saattiefe von 3 - 5 cm eingehalten werden. Als weitere Pflegemaßnahmen werden zwei bis drei Hackdurchgänge durchgeführt. Die ideale Erntereife liegt bei 8% Wassergehalt. Allerdings kann bereits ab 15% geerntet werden.
Letztes Fruchtfolgeglied
Sonnenblumen stellen oft das letzte Glied der Fruchtfolge - mit anschließendem Kleegrasanbau - dar. Dafür spricht in erster Linie die ausgeprägte Keimruhe von Ausfall-Sonnenblumen, weshalb die Kerne erst im folgenden Frühjahr keimen. Werden auflaufende Pflanzen gemeinsam mit dem Kleegras geerntet, wird einer Folgeverunkrautung vorgebeugt. Voraussetzung dafür ist aber eine möglichst flache Bodenbearbeitung nach der Sonnenblumenernte. Ein Unterpflügen des Sonnenblumenstrohs nach der Ernte bewirkt hingegen, dass die Sonnenblumensamen vergraben und konserviert werden. Bei darauffolgenden wendenden Bodenbearbeitungen werden die Samen immer wieder an die Oberfläche geholt, und es kommt zu Durchwuchsproblemen in den Folgefrüchten über mehrere Jahre.
Anlage Ackerfutterbestand
Für die Anlage von Ackerfutterbeständen nach Sonnenblumen gibt es mehrere Möglichkeiten:
- So ist eine Anlage als Untersaat direkt in die Sonnenblumen möglich. Dadurch wird zum einen das System Immergrün mit allen Vorteilen perfekt umgesetzt, und zum anderen wird dies über die ÖPUL-Maßnahme Erosionsschutz Acker im Ausmaß bis zu 97 Euro/ha gefördert (siehe Artikel Untersaaten bei Mais: ktn.lko.at)
- Alternativ dazu kann das Ackerfutter nach der Ernte der Sonnenblumen als Spätsommer-Blanksaat angelegt werden. Aufgrund des späten Anbautermins ist eine Beimischung von Hafer als Deckfrucht nicht mehr zwingend notwendig. Ein Reinigungsschnitt im Herbst sorgt für einen sauberen Kleegrasbestand im Folgejahr.
- Eine weitere Möglichkeit ist der Anbau von Wintergetreide mit einer Kleegras-Untersaat im Frühjahr. Dadurch kann eine weitere Kultur in die Fruchtfolge aufgenommen werden, auch wenn, aufgrund der geringen Bodenvorräte, keine hohen Erträge zu erwarten sind. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Untersaat - verhältnismäßig spät - mittels Striegels und aufgebauten Feinsämereienstreuers ausgebracht wird, um die auflaufenden Sonnenblumen auszureißen und zu verschütten. Sofern die Unkrautregulierung gut funktioniert, kann das Getreide geerntet werden. Ansonsten erfolgt eine Nutzung als Ganzpflanzensilage, wodurch auch der Sonnenblumen-Durchwuchs entfernt wird.
Sorten
Gestreifte Sonnenblumen dienen meist der menschlichen Ernährung, werden als Backwaren oder als Vogelfutter verwendet. Der Großteil mit der typischen schwarzen Samenschale wird allerdings zur Ölproduktion angebaut. Hierbei unterscheidet man wiederum zwischen "Linoleic" und "High Oleic"-Sorten (HO-Sorten). Linoleic-Sorten weisen einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren mit einem hohen Anteil an Linolsäure auf, weshalb diese hauptsächlich in der kalten Küche als Salatöl Verwendung finden. High Oleic oder HO-Sorten beinhalten hingegen mehr Ölsäure und bieten den Vorteil, dass das Öl hitzebeständig ist und somit als Bratöl verwendet werden kann. HO-Sorten sind in der Regel besser vermarktbar, erreichen allerdings nicht ganz das Ertragsniveau der Linoleic-Sorten. Beim Anbau von HO-Sorten muss zusätzlich beachtet werden, dass zu herkömmlichen Sonnenblumenbeständen ein Abstand von rund 250 m eingehalten wird. Aufgrund der Bestäubungstätigkeit der Bienen besteht die Gefahr des Auskreuzens, wodurch der Ölsäuregehalt im Erntegut sinkt.
Saatguteinsatz
Gemäß EU-Bio-Verordnung muss im Biolandbau Saatgut in biologischer Qualität eingesetzt werden. Laut AGES-Saatgutdatenbank sind derzeit drei Sonnenblumensorten aus biologischer Vermehrung verfügbar - "MAS 81 K", "MAS 830 OL" und "Peredovik". Konventionell unbehandeltes Saatgut darf nur mit entsprechender Genehmigung der Kontrollstelle eingesetzt werden!
Regionales Vermarktungsprojekt
In Kärnten werden Sonnenblumen vielfach im Rahmen der Direktvermarktung produziert. Deren Anbau ist aber nicht nur für Direktvermarkter interessant, da Sonnenblumen grundsätzlich eine lukrative Kultur am Ende der Fruchtfolge darstellen. Diverse Anbau- und Vermarktungsprojekte österreichweit, aber auch regionale, wie z.B. über Unser Lagerhaus in Kärnten, forcieren den Anbau, um die Versorgung mit heimischer Ware zu steigern und die Abhängigkeit vom Auslandsmarkt zu verringern. Für dieses Projekt wird, um eine zeitgerechte Ernte zu gewährleisten, seitens des Aufkäufers der Anbau der frühreifen HO-Sonnenblume LG 50.467 gefördert. Der garantierte Mindestpreis beträgt 700 Euro inkl. MwSt. für trockene Ware (8% Feuchte).
Weitere Details: Manfred Sullbauer: Tel.-Nr.: 0664/18 18 470.
Weitere Details: Manfred Sullbauer: Tel.-Nr.: 0664/18 18 470.