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Zwischenfrüchte gezielt nutzen

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17.06.2026 | von Dipl.-Ing. Dominik Sima

Entscheidend für den Erfolg am Acker sind eine passende Artenwahl, eine sorgfältige Bestandesführung und die richtige Einbindung in die Fruchtfolge.

Traktor Zwischenfruchtanbau.jpg © Archiv
© Archiv
Zwischenfrüchte sind ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Landwirtschaft. Sie erfüllen zahlreiche pflanzenbauliche und ökologische Funktionen und tragen entscheidend zur Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit bei. Voraussetzung für ihren Erfolg ist eine sinnvolle Integration in die Fruchtfolge. Idealerweise sollte zwischen der Ernte der Hauptfrucht und der Aussaat der Zwischenfrucht keine längere Unterbrechung entstehen - ganz im Sinne des "Systems Immergrün". Das Ziel besteht darin, gesunde und leistungsfähige Bestände zu etablieren. Schlecht aufgelaufene Begrünungen können ihre Funktionen nur eingeschränkt erfüllen und sollten daher gegebenenfalls erneuert werden. 

Nährstoffbindung und -konservierung

Während der Vegetationsperio­de werden durch Mineralisierungsprozesse laufend Nährstoffe freigesetzt. Die Intensität dieser Prozesse hängt von der Bodenbeschaffenheit und der Witterung ab und erreicht meist im Frühsommer sowie im Herbst ihren Höhepunkt. Zwischenfrüchte nehmen jene Nährstoffe auf, die von den Hauptkulturen nicht genutzt werden oder erst nach deren Ernte verfügbar werden. Dadurch werden Nährstoffverluste durch Auswaschung und gasförmige Verluste deutlich reduziert. Gleichzeitig bleiben die gebundenen Nährstoffe dem Betrieb erhalten und stehen späteren Kulturen wieder zur Verfügung. Dies verbessert die Umweltbilanz des Ackerbaus und erhöht dessen Wirtschaftlichkeit. Begrünungen, die lediglich zur Erfüllung von Förderauflagen angelegt werden und nur geringe Biomasse bilden, können diese Funktion dagegen nur eingeschränkt erfüllen.

Stickstofffixierung und Nährstoffbereitstellung

Damit die Nachfrucht optimal mit Nährstoffen versorgt wird, müssen der Nährstoffbedarf der Nachfrucht und die Freisetzung der in der Zwischenfrucht gespeicherten Nährstoffe zeitlich zusammenfallen. Entscheidend sind daher die richtige Auswahl und Bewirtschaftung der Begrünung. Die Geschwindigkeit des Abbaus der organischen Masse wird unter anderem durch das C/​N-Verhältnis, den Nährstoffgehalt der Biomasse, die Intensität der Einarbeitung und die Witterung beeinflusst. Das Ziel besteht darin, eine bedarfsgerechte Nährstofffreisetzung im Frühjahr zu erreichen.

Unterdrückung von Unkraut

Durch schnellwüchsige und konkurrenzstarke Zwischenfruchtbestände kann die Entwicklung von Unkräutern wirksam unterdrückt werden. Dies geschieht durch Beschattung sowie durch Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe. Ein früher Aussaattermin ist dabei besonders wichtig. Zum einen befinden sich viele Unkräuter zu diesem Zeitpunkt in einem empfindlichen Entwicklungsstadium, zum anderen ermöglicht die längere Vegetationszeit eine höhere Biomassebildung. Dadurch werden mehr Nährstoffe gebunden und unerwünschte Beikräuter stärker verdrängt.

Erosions- und Hitzeschutz

Unbegrünte Ackerflächen sind besonders anfällig für Wassererosion. Die Aufprallenergie von Regentropfen zerstört Bodenaggregate, wodurch feine Bodenteilchen abgeschwemmt werden können. Zwischenfrüchte schützen die Bodenoberfläche durch ihre Blattmasse und reduzieren die Aufprallenergie der Niederschläge erheblich. Zusätzlich tragen Ernterückstände auf der Bodenoberfläche zum Erosionsschutz bei. Eine flach mischende Bodenbearbeitung mit dem Grubber kann diesen Effekt unterstützen. Ein weiterer positiver Effekt von Begrünungen ist der Hitzeschutz. Auf unbegrünten Ackerflächen können Temperaturen von 60 °C und mehr gemessen werden. Dadurch trocknen nicht nur die Böden schneller aus, auch das Bodenleben wird bei hohen Temperaturen immens geschädigt. 
Begrünung@Sima.jpg © LK Kärnten/Sima

Biodiversität erhöht Bodenfruchtbarkeit

Grundsätzlich sollten Zwischenfrüchte als Gemenge aus mehreren Arten angebaut werden. Da unterschiedliche Pflanzenarten über unterschiedliche Wurzelsysteme verfügen, ergänzen sie sich in ihrer Wirkung. Flachwurzler beispielsweise stabilisieren den Oberboden und durchziehen ihn mit einem dichten Feinwurzelnetz. Tiefwurzler dagegen erschließen tiefere Bodenschichten, können Verdichtungen aufbrechen und Nährstoffe aus dem Unterboden mobilisieren. Davon profitieren auch die nachfolgenden Kulturen, da sie die vorhandenen Wurzelkanäle nutzen können. Darüber hinaus fördern vielfältige Mischungen die biologische Vielfalt im Boden und darüber hinaus.

Das "Boden­nah­bringen"

Werden Zwischenfruchtbestände über den Winter stehengelassen, können erhebliche Stickstoffverluste durch Ausgasung entstehen. Dies belegen Untersuchungen der Bioforschung Austria und betrifft insbesondere Senf-Reinsaaten. Deshalb sollten unter Umständen abfrostende Zwischenfrüchte vor Wintereinbruch "bodennah gebracht" - sprich gehäckselt, gemäht oder gewalzt werden. Für das sogenannte "Bodennahbringen" sind trockene und warme Witterungsbedingungen günstig, da die Biomasse so besser anwelken kann. Dagegen sprechen ein reduzierter Erosionsschutz und eine potenziell schnellere, aber ungewollte Nährstofffreisetzung im zeitigen Frühjahr. 

Vor der Einarbeitung von Zwischenfrüchten empfiehlt sich eine entsprechende Bearbeitung. Angewelktes Material wird vom Bodenleben besser angenommen und leichter abgebaut. Die Einarbeitung sollte möglichst flach erfolgen. Bezüglich Bearbeitung und Einarbeitung von Zwischenfrüchten sind die geltenden ÖPUL-Vorgaben zu beachten.
buchweizen@Sima.jpg © LK Kärnten/Sima

Saatgutregelung für Biobetriebe

Biobetriebe müssen Biosaatgut verwenden. Ist dieses für bestimmte Zwischenfruchtarten und -mischungen nicht verfügbar, kann nach Genehmigung durch die zuständige Kontrollstelle konventionell ungebeiztes Saatgut eingesetzt werden. Bei der Verwendung von ausländischen Mischungen, auch von biologischen, sollte jedenfalls ein Antrag bei der Biokontrollstelle gestellt werden.

Zwischenfrüchte übernehmen zahlreiche Funktionen für die Bodenfruchtbarkeit, den Nährstoffhaushalt, den Erosionsschutz und die Unkrautregulierung. Viele ihrer Leistungen lassen sich nur schwer direkt monetär bewerten. Langfristig übersteigen die Vorteile einer gut etablierten Begrünung jedoch die Kosten für Saatgut und Anlage deutlich.

Boden.Wasser.Schutz Beratung

Die Website der Boden.Wasser.Schutz Beratung zum Zwischenfruchtanbau bietet kompakte und praxisnahe Informationen zu Begrünungen, deren Nutzen für Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau, Erosionsschutz und Nährstoffmanagement sowie Empfehlungen für Anbau und Bestandsführung. Ergänzend stehen zahlreiche Fachunterlagen, Broschüren, Artenbeschreibungen, Kostenübersichten und digitale Hilfsmittel zum kostenlosen Download zur Verfügung. Damit ist die Plattform eine wertvolle Informationsquelle für einen erfolgreichen und nachhaltigen Zwischenfruchtanbau.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Begrünungen im Ackerbau

Die Zwischenfrucht- und Begrünungsbroschüre der Bioforschung Austria bietet praxisnahe Empfehlungen für einen erfolgreichen Begrünungsanbau im Ackerbau. Basierend auf mehrjährigen Feldversuchen zeigt sie, wie Zwischenfrüchte zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, zum Schutz vor Erosion, zur Nährstoffspeicherung und zum Humusaufbau beitragen können. Besonderes Augenmerk liegt auf der Auswahl geeigneter Begrünungsmischungen, dem optimalen Anbauzeitpunkt, dem Wintermanagement sowie der Förderung eines aktiven Bodenlebens. Die Broschüre liefert Landwirtinnen und Landwirten wertvolle Entscheidungshilfen, um Stickstoffverluste zu reduzieren, die Bodenstruktur nachhaltig zu verbessern und die Erträge der Folgekulturen zu sichern. 

Die Broschüre ist online verfügbar.

Links zum Thema

  • Zwischenfruchtanbau
  • Broschüre: Begrünung im Ackerbau
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Zwischenfrüchte erfüllen eine Reihe von Aufgaben und sind essentiell für die Bodenfruchtbarkeit. © LK Kärnten/Sima

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Ausreichend Biomasse an der Erdoberfläche verringert das Erosionsrisiko und dient als Nahrung für den Regenwurm. © LK Kärnten/Sima