Das Stallklima beeinflusst massiv die Tiergesundheit und damit auch die Wirtschaftlichkeit in der Rinderhaltung. Wie Sie deshalb den Blick für das Wesentliche schärfen können – vor allem aus Sicht der Tiere – erfahren Sie im Beitrag.
Erhöhte Schadgas- und insbesondere unnötig hohe Ammoniakgehalte beeinträchtigen den Respirationstrakt der Rinder massiv und schädigen die Lunge nachhaltig. Bilden sich in der Folge Schleimhäute und Flimmerhärchen und damit die Schutzfunktionen zurück, treten vermehrt Sekundärinfektionen auf. In einigen Fällen, wenn man diese Mängel nicht behebt, können Tiere auch ausfallen.
Mängel auch in neuen Ställen
Es braucht frische Luft, die in den Tierbereich eingebracht wird. Im Rahmen von Betriebsbesuchen zeigt sich, dass diese Mängel mit Falschluft aus dem Güllelager auf rund 50 Prozent der besuchten Betriebe auftreten. Dabei handelt es sich zu 80 Prozent um neue Stallungen. Steigende Temperaturen und länger andauernde Hitzeperioden sind zusätzliche Herausforderungen für die Nutztierhalter:innen. Besonders Rinderbetriebe sind von den Auswirkungen des sich verändernden Klimas betroffen, da bereits sogar mäßige Temperaturen zu beginnendem Hitzestress führen können. Dieser wirkt sich negativ auf das Tierwohl, die Gesundheit und die Leistung der Tiere aus. In diesem Zusammenhang ist es entscheidend, die Stallstrukturen und -techniken zu optimieren, um den Tieren auch bei extremen Temperaturen ein angenehmes und gesundes Umfeld zu bieten. Rinder reagieren empfindlich auf Hitze, da ihre Möglichkeiten, die Körpertemperatur zu regulieren, begrenzt sind. Temperaturen außerhalb des Wohlfühlbereiches von 4 bis 16 °C können zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen. Darunter fallen eine verringerte Futteraufnahme, Leistungseinbußen, Fruchtbarkeitsprobleme und erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten wie Mastitis und Klauenrehe. Um diesen Problemen entgegenzuwirken, muss man Rinderställe so gestalten, dass sie die Haltungsumgebung angemessen durchlüften, beschatten und kühlen.
Die Stallplanung entscheidet maßgeblich über den künftigen Betriebserfolg. Fehler und Mängel sind im Nachhinein, wenn überhaupt, schwer korrigierbar. Die ÖKL-Baumerkblätter, zu finden unter oekl.at, bieten wesentliche Inhalte und Details für eine perfekte Stallplanung. Andere Betriebe zu besichtigen, mit Kollegen in Arbeitskreisen zu diskutieren bedeutet bares Geld – denselben Fehler muss man nicht zweimal machen.
Bis die Lunge eines Rindes voll ausgeprägt ist, vergeht ein ganzes Jahr. Wird das Organ in diesem Zeitraum mit zu hohen Ammoniakgehalten negativ beeinträchtigt, dann darf man von diesem Tier keine Spitzenleistung im erwachsenen Alter erwarten. Die Verbindung vom Güllelager über die Abschiebeöffnung in den Tierbereich sollte man so gut wie möglich unterbrechen. Die Unterbrechung muss nicht gasdicht sein, weil das technisch kaum umsetzbar ist. Eine Gummischürze oder eine schwenkbare Platte reichen aus. Diese Maßnahme verbessert die Tiergesundheit und damit die Wirtschaftlichkeit.
Optimierungspotentiale für den Sommer
Rinderhalter:innen unterschätzen die negativen Konsequenzen von Hitzestress häufig. Neben dem negativen Einfluss auf die Milchhygiene und die Milchqualität geht aufgrund verminderter Futteraufnahme die Leistung um bis zu 25 Prozent zurück. Wir beobachten eine sinkende Fruchtbarkeit, kleinere Kälber und sogar erhöhte Abortraten und embryonale Sterblichkeit. Dazu kommen Stoffwechselerkrankungen wie Mastitis oder zunehmende Probleme mit der Klauenrehe.
Völlig neu und negativ überraschend sind Erkenntnisse darüber, dass Kälber von Muttertieren, die unter Hitzestress trächtig waren, eine verringerte Leistungsfähigkeit über mehrere Generationen zeigen. Das Optimieren bestehender Stallstrukturen erfordert eine gründliche Analyse der aktuellen Bedingungen sowie die Identifizierung von Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten.
Die Planung neuer Stallgebäude erfordert ebenfalls eine sorgfältige Analyse der örtlichen Gegebenheiten sowie eine Berücksichtigung der klimatischen Bedingungen und der Bedürfnisse der Tiere.
Bei ungedämmten Dachflächen wurden in Messserien Temperaturen bis zu 85 °C unter Dach erhoben. In unbeschatteten Ausläufen betrugen die Bodentemperaturen bis zu 60 °C. Bei einer Dachfläche von 500 Quadratmetern ergibt sich unter Zugrundelegung einer Strahlungswärme von 100 Watt je Quadratmeter so ein zusätzlicher Wärmeeintrag von 50 Kilowatt. Je nach baulichen und thermischen Bedingungen kann die zusätzliche Strahlungsbelastung beträchtlich sein.
In Multiplikation mit dem jeweiligen Tierbestand und der Tatsache, dass eine Kuh eine Eigenwärmeproduktion von einem Kilowatt aufweist, summieren sich hier horrende Wärmemengen. Die Gesamtbelastung für das Tier ergibt sich damit aus
der Umgebungsluft mit Temperatur und relativer Luftfeuchte,
der Eigenwärme mit einem Kilowatt je GVE,
der Strahlungswärme mit einer Zusatzbelastung von bis zu 300 Watt je Quadratmeter Dachfläche.
Mit technischen Einrichtungen kann man zusätzlich kühlen. Mit Ventilatoren nutzt man den Windchill-Effekt. Die Strömungsgeschwindigkeit muss mindestens einen Meter pro Sekunde betragen, um eine Kühlwirkung am Tier zu erzielen. Eine auf der Haut der Tiere auftreffende Luftgeschwindigkeit erreicht je nach vorherrschender Luftbedingung sowie der eingesetzten Ventilatortechnik eine sehr beachtliche Kühlwirkung. So erzielt man
bei 35 °C Stalltemperatur,
einer vorherrschenden relativen Luftfeuchte von 50 Prozent,
bei einer Luftgeschwindigkeit von 2,5 Metern je Sekunde
nahezu 13 °C an Kühlwirkung für das Tier. Die gefühlte Temperatur sinkt für das Tier damit von 35 auf 22 °C.
Damit ließe sich jedes Tier aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich bringen. Im Hitzestressindex (THI) lässt sich das gut darstellen und überprüfen. Eine Kühlung der Liegeboxen oder des Liegebereiches ist sehr wirksam, um das Ruheverhalten für Verdauungsvorgänge und Milchbildung, aber auch die Klauengesundheit zu fördern. Gekühlt wird in Längsrichtung der Liegeboxen in Reihenanordnung mit mehreren Ventilatoren hintereinander. Es gibt kein Gebäude, das nicht optimiert belüftet und gekühlt werden kann. Wichtig ist bei einer fachgerechten Planung immer eine Abstimmung auf die jeweiligen Gegebenheiten und Anforderungen der Betriebsleitung sowie das ausschließliche Verwenden geprüfter Produkte.
Die Potentiale aus der Tabelle von Heidenreich auf Seite 30 „Kühlwirkung von Luftgeschwindigkeit in Abhängigkeit von Temperatur und Luftfeuchte“ sind mehr als positiv und können für die Tiere nicht nur eine enorme Entlastung bringen. Diese Techniken durchspülen den gesamten Stall und damit den Tierbereich mit Frischluft. Werden die Ventilatoren am Futtertisch montiert, dann wird auch dieser Bereich im Sommer stets gut belüftet und mit bester Luftqualität beaufschlagt.
Völlig neu und negativ überraschend sind Erkenntnisse darüber, dass Kälber von Muttertieren, die unter Hitzestress trächtig waren, über mehrere Generationen eine verringerte Leistungsfähigkeit zeigen.
Tipps für ein besseres Stallklima
Unnötig hohe Feuchtegehalte vermeiden
Besser kalte als warme Bedingungen
Schieberfrequenz erhöhen = Ammoniak mindern
Frischluft ohne Zugluft für Jungtiere
Thermoregulation bei Kälbern nicht überfordern
Licht und Sonne als Gesundheitsfaktor
Kälberaufzucht nicht im Milchviehstall, auch nicht im alten
Kurz gefasst
Die Bedingungen im Stall, im Allgemeinen als Stallklima zusammengefasst, bestimmen ganz wesentlich die Wirtschaftlichkeit auf den heimischen Betrieben. Die Tiergesundheit, Fruchtbarkeit und vor allem die Leistung sind sowohl negativ als auch positiv beeinflussbar.
Wenn von den Tieren eine ihrer Rasse und Genetik entsprechende Leistung erwartet wird, dann braucht es dazu beste Bedingungen im Tierbereich. Wenn wir uns im Rahmen unserer Betriebsbesuche zur Detektion von gesundheitlichen Problemen bei zirka 80 Prozent Neubauten oder neueren Umbauten wiederfinden, dann haben wir Handlungsbedarf. Ein gut belüfteter Rinderstall weist zirka 4 ppm Ammoniak auf. Wir messen vereinzelt mehr als 100 ppm – das ist jedenfalls für die Tiergesundheit als gefährlich einzustufen.
Zur Minderung von Hitzestress gibt es mittlerweile ausreichend geprüfte Techniken. Im Falle eines Neubaus braucht es zumindest ein Kalt- oder Paneeldach. Strahlungswärme von unisolierten Blech- oder Eternitdächern, gewellt oder flach, gilt als völlig unnötige Zusatzbelastung. Bei technischen Nachrüstungen wie Ventilatoren ist das Augenmerk auf geprüfte Techniken zu lenken.
Als Tierhalter:in sollte man nicht den eigenen Stall und damit die eigenen Tiere zum Versuchsobjekt machen.