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Wieso wochst’n des Zaussat do?

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21.04.2026 | von DI Claudia Winkovitsch

Ein paar Zeilen zum besseren "Unkraut“-Verständnis.

Wildpflanzen sind nicht gut oder böse! Sie wachsen dort, wo die Bedingungen für sie passend sind. Sie besiedelten unseren Lebensraum schon lange bevor wir Menschen da waren. Die heimische Flora hat sich seit Jahrtausenden in standortangepassten Lebensgemeinschaften mit anderen Pflanzen und Tieren entwickelt. Diese Ko-Evolution und die Fähigkeit zur "Kommunikation" sorgt für ein Gleichgewicht zwischen den Arten.
Tagpfauenauge auf Distel_Winkovitsch.jpg © DI Claudia Winkovitsch
Tagpfauenauge auf Distel © DI Claudia Winkovitsch

Diverse Pflanzenarten - diverses Tierspektrum

Jede Pflanzenart steht im Schnitt mit 15 (bis zu 100) Tierarten in Verbindung, sei es als Lebensraum, Nahrungspflanze, Kinderstube für die Nachkommenschaft, etc. Dabei denkt man oft nur an Insekten. Auch Spinnen, Amphibien, Vögel, Säugetiere und viele mehr profitieren von einer hohen Pflanzenartenvielfalt.

Die pflanzliche Vielfalt abseits des Ackers ist auch für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Die Bestäubung vieler Kulturpflanzen erfolgt durch Insekten wie z.B. Wildbienen, Schmetterlinge, Fliegen und Käfer. Da unsere Kulturpflanzen nicht das ganze Jahr über ein Nahrungs- bzw. Blütenangebot bieten, sind Wildpflanzen für das Überleben unzähliger Tierarten essenziell.

Dass viele Vogelarten aus unserer Landschaft nahezu verschwunden sind, hängt direkt mit der Knappheit an Lebensraum und Nahrung zusammen (BirdLife). Nicht nur Insekten stellen ein wichtiges Nahrungsangebot für Vögel dar, auch die Samen von (Wild) Pflanzen liefern wertvolle Energie.

Ein großer Genpool schafft zusätzlich Potenzial für Anpassung, v.a. an klimatische Veränderungen. Schließlich sind unsere Kulturpflanzen durch Züchtung aus Wildpflanzen hervorgegangen und stammen zum Teil von anderen Kontinenten. Von den bisher bekannten Pflanzenarten hat der Mensch nur etwa 150 in größerem Maßstab für die Nahrungsversorgung kultiviert. Inzwischen basieren 90% der menschlichen Nahrung weltweit auf ungefähr 15 Pflanzenarten und 8 Tierarten.

Wieso is des Heindln a Sisyphusarbeit? ODER Warum bleibt gehackter Boden nicht „sauber (unkrautfrei)“?

Weil es in der Natur keinen unbewachsenen Boden gibt, ausgenommen Extremstandorte, wie z.B. WÜSTEN! Und das aus gutem Grund.

Der Pflanzenbewuchs schützt den Boden vor Regen und Wind, also vor Strukturverlust, Austrocknung und Abtrag (Erosion).

Boden ist eine knappe, nicht erneuerbare natürliche Ressource. Er erfüllt viele - für uns Menschen essenzielle - Funktionen. 
  • Boden ist Lebensraum für Fauna und Flora sowie für unzählige Bodenorganismen. Diese sind für den Auf- und Abbau organischer Substanzen essenziell.
  • Boden ist Puffer, Speicher und Filter für Wasser, Kohlenstoff, Nährstoffe und vieles mehr. "Sauberes" Trinkwasser haben wir dem Boden zu verdanken. Darüber hinaus erfüllt er die Funktion der Bindung und des Abbaus schädlicher Substanzen, z.B. Schwermetalle, Krankheitserreger.
  • Boden dient als Substrat für das Pflanzenwachstum und liefert die wichtigste Grundlage für unsere Ernährung sowie für die Futtermittel-, Rohstoff- und Energieproduktion.
  • Boden speichert Wasser bei Niederschlägen.
  • Boden ist ein beachtliches Kohlenstofflager und kann atmosphärisches CO2 speichern. In unseren Böden ist achtmal so viel Kohlenstoff vorhanden als in der Atmosphäre.
  • Jeder Boden ist ein Archiv der Naturgeschichte, denn er zeigt durch seine Ausprägung, wie die Umweltbedingungen während seiner Ausbildung waren. Böden können auch Archive der Kulturgeschichte sein, denn menschliche Siedlungs- und Kulturaktivitäten haben vielfältige Spuren in den Böden hinterlassen.
Die Böden in den Niederungen Österreichs sind ca. 9000 Jahre alt und haben ihre Fruchtbarkeit durch das Zusammenwirken von Witterung, Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen erlangt.

Wo wir Menschen nichts anbauen, wächst eben das, was gerade passt. Im und auf dem Boden befindet sich ein reicher Samenschatz unterschiedlichster Pflanzenarten.

Was rechtfertigt den Begriff "Unkraut"?

Als Unkraut werden Pflanzen bezeichnet, die vom Menschen nicht gewollt auf einer Kulturpflanzenfläche wachsen. Wir leben in einer ausgeprägten Kulturlandschaft. Deswegen neigen wir Menschen dazu, alles, was wir nicht angepflanzt haben als "Unkraut" zu bezeichnen.

Unerwünschte Pflanzen können ein Problem darstellen, wenn sie in Konkurrenz um Ressourcen mit unseren Kulturpflanzen treten, die Kulturpflanzenernte erschweren oder durch giftige Inhaltsstoffe das Erntegut für den Verzehr unbrauchbar machen.

Der Begriff "Unkraut" wird vor allem dann verwendet, wenn eine unerwünschte Pflanzenart massiv gefördert wird. Dies geschieht in Agrar-Systemen oft durch die Fruchtfolgegestaltung, pflanzenbauliche Maßnahmen, Bodenverdichtungen, u.s.w. Wir Menschen sind also meist selbst für das vermehrte Auftreten von "Unkraut" verantwortlich.

Achtung Baustelle! Erdbewegungen sind häufige Eintragspfade für Neophyten wie z.B. Ambrosia, Staudenknöterich und Stechapfel. Je ungünstiger die Wachstumsbedingungen der Kulturpflanzen sind, umso stärker setzen sich "Unkräuter" durch.

Neuerdings umfasst der Begriff "Unkraut" auch invasive Pflanzenarten, die vom Menschen eingeschleppt wurden, sogenannte Neophyten.

Oft verdrängen diese die heimische Flora sowie Kulturpflanzen durch ihre Konkurrenzkraft oder mittels chemischer Einflüsse (Allelopathie). Die Auswirkungen sind gravierend, da sich der Pflanzenbestand strukturell verändert und die Interaktion mit anderen Arten (Bestäubung, Samenausbreitung, Nahrungsangebot oder Entzug, offensichtliche Konkurrenz, …) unterbleibt. Neophyten können (noch nicht) mit den ansässigen Arten "kommunizieren", da die gemeinsame Entwicklungszeit fehlt.

Hat eine Wildpflanzenart keine oder kaum negative Auswirkungen auf die betreffende Kulturpflanze ist der Begriff Beikraut oder Ackerwildkraut passend. Wildpflanzen erfüllen unzählige nützliche Funktionen (Bodenschutz, Nährstoffaufschluss, Nahrungsquelle). Wildpflanzen werden in allen Kulturen sein Bestehen der Menschheit als Nutz- und Heilpflanzen verwendet.

Oft sind sie wertvolle Zeigerpflanzen, die uns Auskunft über die Bedingungen an einem Standort geben. Diese können von Natur aus gegeben oder vom Menschen beeinflusst sein (Bodenart, Kalkgehalt, Bodenfeuchte, Bodendurchlüftung, Nährstoffversorgung, etc.). Außerdem gedeihen Wildpflanzen ohne Pflege, wie Bewässerung oder Düngung. Sie sind an die klimatischen Bedingungen angepasst und reagieren mit ihrem Wuchsverhalten auf die momentane Situation.

Wildpflanzen bilden standorttypische Pflanzengemeinschaften, die sich gegenseitig positiv beeinflussen. Diese Tatsache nutzt man im Gemengeanbau sowie im Streifenanbau von sich gegenseitig fördernden Pflanzenarten.

Wir schaffen die Bedingungen

Das Management (Zeitpunkt, Technik, Intensität und Häufigkeit von Maßnahmen) beeinflusst entscheidend den Pflanzenbestand und dessen Entwicklung, sowie die Lebensgemeinschaften mit der Fauna, die zur Stabilisierung des Bestandes beitragen.

Im Fall von invasiven Neophyten kann Extensivierung und falsches Management - durch falsch verstandenen Naturschutz - zu einem erheblichen Biodiversitätsverlust führen. Das oberste Ziel eines effektiven Managements ist, die Vermehrungs- und Verbreitungs-Organe problematischer Arten so weit zu schwächen bzw. abzutöten, damit die Pflanze ihr Wachstum nach dem Bekämpfungseingriff nicht mehr fortsetzen kann.

Auf Äckern und Wiesen, in Parks und Grünanlagen sowie in Hausgärten gestalten wir Lebensräume. Je vielfältiger diese Orte sind, desto stabiler sind die Lebensgemeinschaften dort.
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