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Weltfrauentag 2026: Starke Stimmen für die Landwirtschaft

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04.03.2026 | von Kerstin Mittinger

Der Internationale Frauentag steht für mehr als Symbolik. Er markiert politische Errungenschaften, strukturelle Defizite und die Forderung nach konkreten Schritten für echte Gleichstellung.

WFT 2026 AdobeStock_1913710626.jpg © stock.adobe.com
#Weltfrauentag2026 © stock.adobe.com
„Es gibt keine Grenzen für das, was wir als Frauen erreichen können.“ Diesen vielzitierten Satz von Michelle Obama bringt den Kern des Weltfrauentages auf den Punkt. Es verweist auf ein enormes Potenzial und zugleich auf die Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dieses Potenzial realisierbar machen. Denn Talent, Engagement und Kompetenz sind vorhanden. Entscheidend ist, ob Strukturen Chancengleichheit ermöglichen oder begrenzen. Gerade im ländlichen Raum und in der Land- und Forstwirtschaft zeigt sich, wie eng wirtschaftliche Unabhängigkeit, soziale Absicherung und gesellschaftliche Anerkennung miteinander verknüpft sind.

Hintergrund

Der Internationale Frauentag geht auf Beschlüsse der sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen zurück. Am 19. März 1911 fand der erste Frauentag in mehreren europäischen Ländern statt. In Österreich erhielten Frauen 1918 das aktive und passive Wahlrecht, 1919 nahmen sie erstmals an Nationalratswahlen teil. Diese politische Gleichstellung war eine zentrale Voraussetzung für weitere Reformen im Arbeits-, Familien- und Sozialrecht.
Ein grundlegender Wendepunkt war die Familienrechtsreform 1975. Bis dahin war der Ehemann gesetzliches „Oberhaupt“ der Familie und konnte seiner Frau die Erwerbstätigkeit untersagen. Mit der Reform wurde die partnerschaftliche Ehe rechtlich verankert. In den folgenden Jahren wurden der Mutterschutz ausgebaut, das Karenzgeld eingeführt und 1978 das erste Frauenhaus in Wien eröffnet. 1979 trat das Gleichbehandlungsgesetz in Kraft, das Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im Arbeitsleben untersagt – heute gilt dieses Prinzip in allen Lebensbereichen.
Trotz dieser Fortschritte bestehen strukturelle Unterschiede fort. Laut Statistik Austria liegt der Gender Pay Gap, also die durchschnittliche Einkommensdifferenz zwischen Frauen und Männern, weiterhin deutlich über null. Teilzeitquoten sind bei Frauen signifikant höher, insbesondere aufgrund von Betreuungs- und Pflegearbeit. Diese ungleich verteilte Sorgearbeit wirkt sich langfristig auf Pensionen aus und erhöht das Risiko weiblicher Altersarmut. Gleichstellung ist daher nicht allein eine Frage des Einkommens, sondern der gesamten Erwerbsbiografie.

Landwirtschaft

Die 1972 gegründete ARGE Bäuerinnen setzte zentrale Meilensteine für Frauen in der Landwirtschaft durch: Im Jahr 1982 wurde mit dem Betriebshilfegesetz ein gesetzlicher Mutterschutz für Bäuerinnen geschaffen, 1991 folgte das Karenzgeld, 1993 die pensionsbegründende Anrechnung von Kindererziehungszeiten. Die Einführung einer eigenständigen Bäuerinnenpension stärkte die soziale Absicherung maßgeblich. Diese Reformen sind nicht nur agrarpolitische Details, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels, denn Frauen in der Land- und Forstwirtschaft sind Unternehmerinnen, Betriebsleiterinnen und Interessenvertreterinnen.
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Monika Mitter, Bezirksbildungsreferentin aus Steuerberg © kk

Anlaufstellen in Anspruch nehmen

Monika Mitter, Bezirksbildungsreferentin aus Steuerberg

Mir liegen vor allem die Aufklärungsarbeit und Informationsarbeit am Herzen. Es gilt vor allem auf die vielen Angebote aufmerksam zu machen, die Bäuerinnen und ihre Familien in Anspruch nehmen können. Sei es in Sachen Gesundheitsvorsorge von Gesundheitscheck (auch für Kinder von sechs bis 18 Jahren), Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheitswochen und Gesundheitshunderter seitens der SVS bis hin zu Anlaufstellen im psychologischen Bereich.
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Eva-Maria Innerhofer, Villach © Karin Wernig

Equal Care und Mental Load ansprechen

Eva-Maria Innerhofer, Villach

Was das Thema Gleichberechtigung betrifft, könnte noch in allen Bereichen mehr getan werden. Der Mental Load, gerade auf bäuerlichen Betrieben, belastet Bäuerinnen stark. Egal ob ältere Bäuerinnen, die die Gesundheitsversorgung ihres Mannes mitdenken, oder junge Bäuerinnen, die sich um alles rund um die Kinder kümmern. Hier hilft ganz klar das offene und ehrliche Gespräch mit dem Partner, um transparent zu machen, was man leistet. Vielen Männern ist dies nicht bewusst, da über Generationen weitergetragen wurde, dass Frauen immer für Care-Arbeit zuständig sind. Auch auf das Krafttanken sollte nicht vergessen werden.
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Rosemarie Zwischenberger, Bildungsreferentin aus Steuerberg © privat

Wertschätzung und gutes Miteinander

Rosemarie Zwischenberger, Bildungsreferentin aus Steuerberg

Frauen und Bäuerinnen leisten für unsere Gesellschaft extrem viel – 365 Tage im Jahr. Leider wird das oft nicht gesehen. Deshalb plädiere ich für Wertschätzung, Anerkennung und ein gutes Miteinander. Ich, als Frau und Oma, möchte Werte vermitteln, die wichtig sind. Denn wenn man starke Wurzeln hat, kann Wind wehen, und man bleibt trotzdem stabil im Leben. Wenn alles zu viel wird, kann man in unserem Beruf besonders in der Natur Energie tanken – das tut der Seele gut.
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Daniela Wassertheurer, Jenig © privat

Zeig, was du tust!

Daniela Wassertheurer, Jenig

Ich glaube, inzwischen hat sich viel geändert. Bäuerinnen bedienen schwere Geräte, fahren Traktor und fallen auch mal aus den stereotypen Rollen heraus. Früher wurde das auch weniger nach außen getragen. Deshalb dürfen sich Bäuerinnen auch mehr zutrauen und ihre wertvolle Arbeit zeigen, darüber sprechen und dazu stehen. Denn unsere Arbeit ist wichtig und wertvoll!
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Stefanie Preßlauer, Reisach © storymanufaktur

Durch Social Media gezielt netzwerken

Stefanie Preßlauer, Reisach

Wir wissen: Ohne Bäuerinnen am Hof läuft nichts. Ich habe zum Glück eine moderne Schwiegermutter, und auch meine drei Burschen helfen – egal ob im Haushalt oder draußen – brav mit. Ganz besonders wichtig finde ich die Initiativen rund um das Internationale Jahr der Bäuerinnen. Durch Social Media ist es uns auch möglich, besser zu netzwerken und eine große Reichweite zu erlangen.
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Elisabeth Guist, Liesing im Lesachtal © privat

Grenzen setzen und Stärken kennen

Elisabeth Guist, Liesing im Lesachtal

Seit einigen Jahren begehe ich den Internationalen Frauentag ganz bewusst. Ich persönlich befinde mich in einer Umbruchphase und stecke meine Grenzen neu. Bäuerinnen und Frauen sollten meiner Meinung nach ganz klar wissen, was sie ausmacht, was ihr Potenzial ist und welche Stärken sie haben und dann natürlich auch, wenn es die Situation erfordert, den Mut haben, für sich einzustehen.
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LK-Vizepräsidentin KR Astrid Brunner, Kärntner Bauernbund © Paul Gruber

Klarer Auftrag: Frauen sichtbar machen

Astrid Brunner, LK-Vizepräsidentin und Landesbäuerin

Gerade im Internationalen Jahr der Bäuerinnen wollen wir verstärkt sichtbar machen, wie prägend Frauen unsere Höfe und den ländlichen Raum gestalten. Bäuerinnen tragen längst Verantwortung – wirtschaftlich, familiär und gesellschaftlich. Sie sind Unternehmerinnen, Innovationstreiberinnen und Brückenbauerinnen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Sie sichern Einkommen, entwickeln Betriebe weiter und halten Familien zusammen. Doch eines sage ich auch klar: Anerkennung allein reicht nicht. Wer starke Familienbetriebe will, muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Planungssicherheit, faire Preise und Perspektiven für alle am Hof lebenden Menschen sind dafür notwendig. Landwirtschaft ist ohne Frauen nicht denkbar – organisiert wird sie jedoch noch viel zu oft ohne sie. Und wir sprechen hier nicht von einer Randgruppe, sondern von der Hälfte der Menschen auf unseren Höfen. Der Weltfrauentag ist nicht nur ein Tag des Dankes, sondern ein klarer Auftrag: Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen, zu stärken und in Entscheidungen selbstverständlich einzubinden.
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