Unkontrollierte Ausbreitung: Wolfsgipfel fordert grenzüberschreitendes Wolfsmanagement
Die Beibehaltung der Alm- und Weidewirtschaft und die damit einhergehende Pflege der Kulturlandschaft ist ein zentrales Bestreben des Landes Kärnten und der Landwirtschaftskammer Kärnten. Mit dem Alm- und Weideschutzgesetz und der heuer verlängerten Risikowolf-Verordnung nutzt Kärnten den Handlungsspielraum des EU-Rechtsrahmens für das Wolfsmanagement so umfassend wie keine andere Region Europas.
Aus diesem Grund haben Agrarreferent LHStv. Martin Gruber und LK-Präsident Siegfried Huber zum ersten Alpenländischen Wolfsgipfel ins Schloss Mageregg bei Klagenfurt geladen. Der Einladung folgten Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Landwirtschaft, Almwirtschaft und Jagd aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Slowenien, Südtirol, Trentino, Friaul-Julisch-Venetien und dem Veneto. Ziel des Gipfels war es, die bereits vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten für ein effektives Wolfsmanagement aufzuzeigen und dadurch eine verbesserte grenzüberschreitende Vorgangsweise auszuloten.
„Ich bin überzeugt davon, dass der Weg, den wir in Kärnten eingeschlagen haben, richtig war und ist. Aber der Wolf kennt keine Staatsgrenzen, und deshalb kann auch die Antwort auf die Wolfsfrage langfristig keine rein kärntnerische, keine rein österreichische sein“, appelliert LHStv. Martin Gruber. Mit der Absenkung des Schutzstatus habe die EU selbst anerkannt, dass sich die Situation verändert hat. „Aber ein neuer Rechtsrahmen allein verändert noch nichts in der Praxis. Ein wirksames, überregionales Wolfsmanagement bedeutet mehr als Monitoring und Fotofallen. Deshalb braucht es jetzt eine ehrliche Debatte und konkrete gemeinsame Schritte mit unseren Nachbarn. Es kann nicht sein, dass sich der Schutzstatus ändert, in den Mitgliedsstaaten aber alles beim Alten bleibt“, so Gruber.
„Die unkontrollierte Ausbreitung von Wölfen ist zur zentralen Frage für die Aufrechterhaltung der bäuerlichen Bewirtschaftung im Alpenraum geworden“, begründet LK-Präsident Siegfried Huber die Intention zur Ausrichtung des alpenländischen Wolfsgipfels. Obwohl es gelungen ist, den Schutzstatus von Wölfen europaweit einheitlich zu senken, ist das Wolfsmanagement in den einzelnen Ländern des Alpenraums unterschiedlich ausgeprägt. „Zum Schutz der bäuerlichen Almbewirtschaftung ist eine grenzüberschreitend abgestimmte Vorgangsweise zum Wolfsmanagement jedoch unbedingt erforderlich. Darauf haben wir immer hingewiesen. Auch unsere südlichen Nachbarn Italien und Slowenien müssen den vorhandenen Rechtsrahmen voll ausschöpfen und ein wirksames Wolfsmanagement einführen. Nur so können wir die extrem starke Vermehrung und Ausbreitung des Wolfs tatsächlich und nachhaltig in den Griff bekommen“, verdeutlicht Huber.
Den Auftakt für den Gipfel bestritt der renommierte Rechtsexperte Prof. Dr. Roland Norer, Ordinarius für Öffentliches Recht und Recht des ländlichen Raums an der Universität Luzern, mit den Erkenntnissen aus seinem aktuellen Buch „Leben mit dem Wolf – Anleitung für ein Wolfsmanagement in Europa“. Die Absenkung des Schutzstatus des Wolfs im Jahr 2025 durch die Europäische Union eröffne neue Möglichkeiten für ein koordiniertes, grenzüberschreitendes Wolfsmanagement. „Ein effizientes und artengerechtes Wolfsmanagement gerade in der alpinen Kulturlandschaft ist keine Frage des „Ob“, sondern lediglich des „Wie“. Es gilt, die rechtlichen Spielräume zu nutzen und dabei – wie auch die Wölfe – Verwaltungsgrenzen zu überwinden“, zeigte Prof. Norer den Teilnehmenden am Gipfel auf.
16 % der Landesfläche Kärntens sind bewirtschaftete Almen. Die dadurch geschaffene offene Kulturlandschaft weist nicht nur eine besonders hohe Biodiversität auf, sie ermöglicht in den Sommermonaten 42.000 Rindern, 14.000 Schafen und Ziegen und 2.000 Pferden auf insgesamt 1.800 Almen besonders hohes Tierwohl. Gleichzeitig sind diese Almen auch Basis für Freizeitnutzung und den zunehmenden Wandertourismus in unserem Bundesland. „Diese jahrhundertealte Form der Bewirtschaftung lässt sich jedoch mit einer weiteren Ausbreitung von Wölfen nicht vereinbaren. Da Wölfe in Kärnten größtenteils aus unseren südlichen Nachbarländern zuwandern, ist die mit dem Wolfsgipfel initiierte verstärkte überregionale Zusammenarbeit aus almwirtschaftlicher Sicht ein wichtiger Schritt“, ergänzt Josef Obweger, Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins.
Aktionsplan als Arbeitsauftrag für alle Teilnehmenden
Zum Abschluss des informativen und erfolgreichen Gipfels unterzeichneten die Teilnehmenden einen gemeinsamen Aktionsplan für ein grenzüberschreitendes und koordiniertes Wolfsmanagement im Alpe-Adria Raum und hielten darin folgende Ziele fest:
- Ambitioniertes abgestimmtes Wolfsmanagement.
- Bewertung des Erhaltungszustands im gesamten Alpenraum statt im Einzelstaat.
- Einheitliches Monitoring der Wolfspopulation durch die zuständigen Behörden.
- Koordinierte Positionierung gegenüber den Institutionen der Europäischen Union.
- Regelmäßiger Informations- und Erfahrungsaustausch.