Trockenheit seit Jahresbeginn mit anhaltender Hitze im Sommer
In Österreich und speziell in Tirol verlief das Jahr 2026 bisher extrem niederschlagsarm. Laut der offiziellen Halbjahresbilanz der GeoSphere Austria fiel bundesweit von Januar bis Juni 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Klimamittel. Für ganz Österreich ist es das zweittrockenste erste Halbjahr der Messgeschichte, getrieben durch den flächendeckend trockensten Frühling seit Aufzeichnungsbeginn.
Auswirkungen auf Ackerkulturen, Getreide, Mais, Erdäpfel
Die Getreideernte ist mittlerweile abgeschlossen. Die Haupternte begann heuer rund zwei Wochen früher als üblich. Aufgrund der ausgesprochen trockenen Witterung konnte das Getreide meist unter optimalen Druschbedingungen und ohne zusätzlichen Trocknungsaufwand geerntet werden. Zum Vergleich: Im Juli 2025 wurden noch an 25 Tagen Niederschläge verzeichnet. Heuer präsentiert sich die Situation nahezu gegenteilig.
Die Erträge der Wintergetreidearten sowie der Sommergerste, die teilweise bereits im Herbst ausgesät wurde, lagen leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Auffällig ist heuer vor allem der erhöhte Anteil an Kleinkorn, was insbesondere bei Braugerste und Brauweizen zu höheren Absortierungen führte. Viele Bestände gingen aufgrund des Wassermangels vorzeitig in die Notreife, wodurch die Kornfüllungsphase deutlich beeinträchtigt wurde.
Das klassischerweise im März oder April angebaute Sommergetreide litt wesentlich stärker unter der Trockenheit. Regional lagen die Erträge bis zu 40 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Interessanterweise war das üblicherweise trockenere Oberland heuer teilweise weniger stark betroffen als der Raum Innsbruck oder der Bezirk Lienz.
Silomais
Als C4-Pflanze kommt Mais mit trockenen und heißen Bedingungen deutlich besser zurecht als klassisches Grünland. Dennoch zeigen sich auch in Tirol heuer massive Auswirkungen der Trockenheit. Bodenunterschiede werden in den Maisbeständen besonders sichtbar, und bei vielen Schlägen ist mit einer eingeschränkten Befruchtung zu rechnen.
Die anhaltende Hitze und der ausbleibende Niederschlag während der Blüte führen dazu, dass die Narbenfäden an den Kolben vertrocknen. Die Folge ist eine gestörte Befruchtung, was sich negativ auf die Kornbildung und damit auch auf den Energiegehalt der Silagen auswirken dürfte.
Hält die Trockenheit in den kommenden Wochen an, ist mit einer verfrühten Ernte zu rechnen. Zudem werden die Silagen ohne den Einsatz geeigneter Siliermittel voraussichtlich eine geringere aerobe Stabilität aufweisen. Um Ertrags- und Qualitätsverluste möglichst gering zu halten, muss heuer besonders auf den optimalen Erntezeitpunkt geachtet werden.
Erdäpfel
Bei den Erdäpfeln zeigen sich heuer deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten und Reifegruppen. Die trockenen Bedingungen während und nach dem Legen förderten eine stärkere Durchwurzelung des Bodens als in niederschlagsreichen Jahren. Dadurch können die Pflanzen Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen, was die Auswirkungen der Trockenheit teilweise abmildert.
Dennoch stellt die Witterung des heurigen Sommers einen erheblichen Stressfaktor dar. Bereits bei Temperaturen über 25 Grad Celsius reagieren Erdäpfel mit Hitzestress, was sich negativ auf Knollenansatz, Wachstum und Ertrag auswirken kann. Besonders betroffen sind Sorten mit schwachem Krautwachstum sowie Bestände, die ausschließlich organisch gedüngt wurden. Robuste Sorten mit ausgeprägter Krautentwicklung und einer ausreichenden Stickstoffversorgung zeigen hingegen häufig eine bessere Toleranz gegenüber den extremen Bedingungen.
Die Möglichkeit zur Bewässerung ist bei Erdäpfeln in Tirol nur auf einem begrenzten Teil der Anbauflächen gegeben. Mit zunehmenden Trockenphasen wird dieses Thema jedoch für viele Betriebe in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.
Sollten in den nächsten Tagen oder Wochen größere Niederschlagsmengen fallen, ist bei den durch Trockenheit gestressten Beständen mit Qualitätsproblemen wie Kindelbildung, Zwiewuchs oder Wiederaustrieb zu rechnen. In solchen Fällen sollte eine rechtzeitige Krautregulierung geprüft werden, um die Knollenqualität zu sichern.
Trotz der Hitze und des damit verbundenen geringeren Infektionsdrucks durch Kraut- und Knollenfäule darf diese Krankheit nicht unterschätzt werden. In vielen Beständen sind bereits deutliche Befallssymptome sichtbar. Betroffene Flächen sollten rasch mit geeigneten sporenabtötenden Fungiziden behandelt werden, um eine Infektion der Knollen zu verhindern und die Lagerfähigkeit zu erhalten.
Auch bei der Ernte ist heuer besondere Aufmerksamkeit erforderlich. Trockene Böden neigen zur Bildung grober Schollen, wodurch das Risiko von Knollenbeschädigungen steigt. Durch eine gezielte Bewässerung vor der Ernte oder das Abwarten eines ausreichenden Niederschlags kann die Bodenstruktur verbessert und der Anteil mechanisch beschädigter Knollen deutlich reduziert werden.
Ausblick
Nach den aktuellen Prognosen ist zunächst weiterhin mit überdurchschnittlich warmem und eher trockenem Wetter zu rechnen. In der zweiten Augusthälfte könnte der Hochdruckeinfluss jedoch nachlassen und die Niederschlagswahrscheinlichkeit zunehmen. Die europäischen Wettermodelle deuten derzeit auch über den August hinaus bis in den Herbst auf überwiegend warme und tendenziell trockene Witterungsbedingungen hin. Aussagen zur Niederschlagsentwicklung bleiben allerdings mit größeren Unsicherheiten behaftet. Eine grundlegende Entspannung der Trockenheit ist nach derzeitigem Stand kurzfristig nicht zu erwarten.
Umso mehr freuen wir uns derzeit über jeden Liter Regen, der vom Himmel fällt.
Regionale Auswirkungen in Tirol
- Tiroler Unterland: Hier registrierten die Messstationen im Frühjahr (besonders im April) drastische Defizite von 50 bis 70 Prozent unter dem normalen Soll.
- Osttirol: Gemeinsam mit Oberkärnten war Osttirol massiv von der extremen Frühjahrstrockenheit betroffen.
Extreme Hitze verschärft die Situation
- Hitzerekorde im Mai
- Zweigeteilter Juni
- Juli – Zahlen und Fakten