Nicht zurücklehnen, sondern Weg der Qualität weitergehen
Wie beschwerlich der Alltag der Almhirten, Senner und Käser einst gewesen sein musste, als es noch keine Straßen und Autos gab, konnte man sich beim Aufstieg auf die Reisacher Jochalm am Fuße des Gartnerkofels gut vorstellen, ging es doch fast zwei Stunden zeitweise steil bergauf. Der Großteil der zahlreichen Gäste war allerdings mit Shuttle-Bussen auf die einzige sonnseitig gelegene Alm der zwölf Gailtaler Käsealmen gelangt, wo am 18. Juli beim 88. Landesalmwandertag des Kärntner Almwirtschaftsvereins auf 1550 m Höhe auch das 30-Jahr-Jubiläum des EU-Herkunftsschutzes für den Gailtaler Almkäse g. U. mit dem Siegel „geschützter Ursprung“ gefeiert und der Käseanschnitt zelebriert wurden. 1996 war das Gailtaler „Almprotokoll“ mit allen Produktionsregeln auf der Reisacher Jochalm unterschrieben worden.
Grips und Engagement
Das Zusammenfallen dieser festlichen Ereignisse zog mehr als 1000 Personen an, für welche die Agrargemeinschaft Reisach-Forst, zu der 55 Mitglieder mit 318 Anteilen gehören, Tische, Bänke, Schirme und als Ergänzung zum Angebot der Almhütte kulinarische Infrastruktur bereitgestellt hatte. Das schätzten auch die zahlreichen Ehrengäste sehr. Unter ihnen war der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler, der sich noch an die Vorbereitungen auf den EU-Beitritt Österreichs erinnerte, als es darum ging, sich mit „besonderer Qualität, Grips und Initiative“ zu profilieren. Die Proponenten des EU-Herkunftsschutzes für den Gailtaler Almkäse lobte er „als eine der ersten in Österreich, die das kapiert haben“. Dadurch sei viel Geld – damals 60 Mio. Schilling – auf die Almen geflossen.
„Der Gailtaler Almkäse ist ein Vorzeigeprojekt für den Almwirtschaftsverein“, lobte auch Landes- und Bundesobmann Sepp Obweger. Er drückte die Hoffnung aus, dass die flächendeckende Almwirtschaft auch in Zukunft erhalten bleiben möge. Das sei nur möglich, wenn man der Gefahr durch den Wolf in Kooperation mit den Nachbarländern begegnen könne. Auch im Gailtal habe es zahlreiche Risse gegeben; deshalb werde eine 40 ha große Hochalm der Agrargemeinschaft Reisach-Forst seit drei Jahren nicht mehr bestoßen, erzählte Agrargemeinschaftsobmann Werner Baurecht. Schon 1951 sei eine Hütte für den Senner gebaut worden, damals habe es in der Umgebung 100 Milchkühe gegeben. Heute weiden 31 Kühe, elf Jungrinder und 25 Pferde auf der 550 ha großen und mit 80 ha Futterfläche ausgestatteten Reisacher Jochalm, auf der Almsenner Ewald Pretterhofer den frischen, erst 40 Tage alten Almkäse anschnitt.
Urprodukt anerkannt
Diesmal hatte der in der Steiermark gebürtige und ausgebildete Käser, dessen Verwandtschaft zur Unterstützung angereist war, etwas Milch seiner Alm-Ziegen beigemischt, was auch der Obfrau des Vereins Gailtaler Almkäse g. U., Elisabeth Buchacher, mundete. Der Herkunftsschutz sei ein Qualitätsgütesiegel und habe sich bezahlt gemacht, sagte sie. In einer Zeit der austauschbaren Produkte könne man mit regionalen Spezialitäten punkten und die kleinstrukturierte Landwirtschaft erhalten. „30 Jahre Markenschutz sind kein Grund, sich zurückzulehnen, sondern ein Auftrag, den Weg weiterzugehen“, betonte sie und dankte allen Beteiligten für die Zusammenarbeit. Dem schloss sich Christof Wassertheurer an, der bis vor wenigen Jahren als Geschäftsführer den Erfolg des Projekts „Gailtaler Almkäse g. U.“ mitgeprägt und sich gemeinsam mit Ursprungsobmann Hermann Lackner für die Anerkennung des Gailtaler Almkäses als Urprodukt eingesetzt hatte.
Partnerschaft
Die Partnerschaft mit dem Gailtaler-Almkäse-Verein sei für die Gemeinde wertvoll, hob Bürgermeister Markus Salcher hervor. Mit „Fleiß, Leidenschaft und Verantwortung“ möge man Tradition, Landschaft und Qualität erhalten, lautete sein Appell: „Lasst uns gemeinsam auf unsere Heimat stolz sein.“ In diese Kerbe schlug auch Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber, der im Hinblick auf die Verhandlungen über die neue GAP weiterhin Durchhaltevermögen einforderte. Brüssel müsse einsehen, dass Biodiversitätsflächen auch auf Almen anzurechnen seien, betonte Agrarreferent LHStv. Martin Gruber, der die Unterstützung der Landesregierung zusagte. Er appellierte an das „Miteinander und Füreinander“ in einer Zeit, in der Egoismus um sich greife. Nur durch Einigkeit könne man Verbesserungen zustandebringen. „Man darf nicht aufhören, zu kämpfen. Wenn wir gemeinsam zusammenstehen, können wir viel erreichen.“