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Modulare Gruppenpaddockboxen: Flexibles Stallsystem für soziale Pferdehaltung

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15.01.2026 | von DI Stefanie Wagner

Zwei bewährte Haltungskonzepte - Paddockboxen und Gruppenhaltung - werden in einem modernen, modularen Stallkonzept neu gedacht und miteinander verbunden. Gerade für landwirtschaftliche Betriebe mit Einstellpferden oder für Zuchtbetriebe bietet dieses System enorme Vorteile.

Gruppenpaddockboxen1.jpg © LK Niederösterreich
© LK Niederösterreich

Mehr Flexibilität im Pferdestall

Was in den USA bereits weit verbreitet ist, gewinnt auch im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung: Einzelboxen mit angeschlossenem Paddock, die sich je nach Bedarf zu Gruppen zusammenschließen oder wieder trennen lassen. Das Ergebnis ist ein hochflexibles Haltungssystem, das sowohl den Bedürfnissen der Pferde als auch den Anforderungen moderner Betriebe gerecht wird.

Es erlaubt einen schnellen Wechsel zwischen Einzel- und Gruppenhaltung, ohne bauliche Maßnahmen setzen zu müssen. Damit verbindet das Gruppenpaddockboxen-System Struktur, Sicherheit und Tierwohl auf innovative Weise.

Separieren der Pferde dennoch möglich

Das Besondere an diesem System ist seine Wandelbarkeit. Mehrere einzelne Paddockboxen können durch das Öffnen oder Entfernen der Trennwände zu einer gemeinsamen Gruppenbox verbunden werden. So entsteht ein gemeinsamer Bewegungsbereich, in dem die Pferde miteinander kommunizieren, fressen und sich frei bewegen können.

Gleichzeitig bleibt jederzeit die Möglichkeit bestehen, einzelne Pferde zu separieren:

  • bei Krankheit oder Verletzung,
  • während der Eingewöhnung neuer Tiere,
  • bei Rangkonflikten,
  • für Sportpferde vor Turnieren oder bei individueller Fütterung.

Die Gruppenzusammensetzung kann flexibel an die Verträglichkeit der Pferde angepasst werden, ohne Umbauten oder langfristige strukturelle Veränderungen. Das macht das System besonders attraktiv für Betriebe mit wechselndem Pferdebestand.

Vorteile gegenüber der klassischen Offenstallhaltung

Im Vergleich zur herkömmlichen Gruppen-Offenstallhaltung bietet das modulare Gruppenpaddockboxen-System deutlich mehr Kontrolle und Struktur. In klassischen Offenställen teilen sich alle Pferde denselben Liege-, Fress- und Auslaufbereich. Das kann zu Stress, Rangkämpfen und einem erhöhten Verletzungsrisiko führen - vor allem bei sensiblen Tieren oder häufigem Pferdewechsel.

Das modulare System ermöglicht

  • Kleingruppenhaltung nach Verträglichkeit
  • gezielte Integration neuer oder rekonvaleszenter Pferde
  • schnelle Trennung bei Konflikten
  • Zusammenführung ohne bauliche Veränderungen
  • mehr Sicherheit für Mensch und Tier
Gruppenpaddockboxen2.jpg © LK Niederösterreich
Der baulichen Gestaltung kommt bei Gruppenpaddockboxen eine Schlüsselrolle zu. © LK Niederösterreich

Durchdachte Bauweise für Alltagstauglichkeit und Sicherheit

Damit das System in der Praxis funktioniert, kommt der baulichen Gestaltung eine Schlüsselrolle zu. Die Boxentrennwände sollten stabil, aber nicht vollständig geschlossen sein. Bewährt haben sich halbhohe Wände mit Sichtgittern oder Rundrohrsystemen. Sie ermöglichen Luftzirkulation und Sichtkontakt, ohne direkte Konflikte zu provozieren. Die Zugänge müssen großzügig dimensioniert sein. Enge oder verwinkelte Eingänge bergen ein hohes Risiko, da ranghohe Pferde rangniedrige Tiere blockieren oder abdrängen könnten.

Trennwände zwischen den Paddocks sollten:

  • klappbar, verschiebbar oder herausnehmbar sein,
  • sicher verriegelbar,
  • robust und verletzungssicher konstruiert.

Rundrohrsysteme haben sich hier besonders bewährt: Sie sind langlebig, leicht zu reinigen und flexibel einsetzbar. Die gesamte Anlage sollte zudem maschinell gut erreichbar sein, etwa für Hoflader oder Mistroboter, um eine effiziente Stallarbeit zu gewährleisten.

Platzbedarf: Mehr Fläche bedeutet weniger Stress

Ein entscheidender Faktor für das Gelingen der Gruppenhaltung ist das Flächenangebot. In der Gruppenpaddockbox sollte jedem Pferd mindestens die gleiche Liegefläche wie in einer Einzelbox zur Verfügung stehen:

  • mindestens 12 m² pro Pferd bis 175 cm Stockmaß
  • großzügigere Dimensionierung ist ausdrücklich empfohlen

Für den Paddockbereich gilt:

  • mindestens das Doppelte der Liegefläche, also 24 m² pro Pferd
  • idealerweise zusätzliche Ausläufe wie Weideflächen im Sommer

Grundsatz: Je mehr Platz, desto geringer das Stresspotenzial in der Gruppe.

16 POMASSL-01403(c)Georg Pomassl-LK Niederösterreich.jpg © Georg Pomaßl/LK Niederösterreich
© Georg Pomaßl/LK Niederösterreich

Fütterung im Paddock: natürlich, ruhig und effizient

Ein zentraler Bestandteil dieses Haltungssystems ist die Fütterung direkt im Auslaufbereich. Hier können gegebenenfalls auch zeitgesteuerte Heuraufen zum Einsatz kommen. Diese geben das Raufutter in Intervallen frei, sodass die Pferde über den Tag verteilt mehrere kleine Portionen erhalten - ähnlich wie bei natürlicher Futteraufnahme auf der Weide.

Damit die Fütterung stressfrei abläuft, ist es wichtig, dass jedes Pferd einen eigenen Fressplatz hat. So wird Futterneid vermieden und die Tiere können ruhig und entspannt fressen. Die Raufen sind meist so konstruiert, dass sie von außen befüllt werden können, was die Arbeit erleichtert und die Sicherheit erhöht.

Damit die Paddocks ganzjährig nutzbar sind, wird der Boden oft mit Paddockmatten befestigt. Diese Matten sorgen für Trittsicherheit, auch bei Nässe oder Frost, und verhindern die Bildung von Matsch. Sie sind elastisch, schonen die Hufe und lassen Wasser gut abfließen. Von einer gänzlichen Versiegelung der Oberfläche (zum Beispiel Beton) ist jedenfalls abzuraten: Einerseits ist es für Hufe und Gelenke der Pferde zu hart, andererseits ist die bauliche Ausführung weitaus aufwendiger.

Kriterien für die Fütterung im Paddock

  • Jedes Pferd braucht einen eigenen Fressplatz.
  • Für ganzjährige Nutzung den Boden mit Paddockmatten befestigen.
  • Die Raufen sollten von außen befüllbar sein, um Arbeitsaufwand und Unfallrisiken zu minimieren.

Vorteile für Pferde und Betrieb

Für die Pferde bedeutet das System der Gruppenpaddockbox mehr Sozialkontakt als eine Einzelbox. Sie können sich bewegen, miteinander kommunizieren und bei Bedarf kann ein Rückzugsort für einzelne Pferde (auch beispielsweise nur über Nacht) geschaffen werden.

Für den Betrieb bietet das System viele praktische Vorteile: Die Gruppenstruktur kann flexibel angepasst werden, die Fütterung ist effizient und zentral organisiert, und die Reinigung der Liegeflächen und Paddocks kann durch Absperren der einzelnen Bereiche effizient erledigt werden. Zudem lässt sich das System modular erweitern – es wächst mit dem Betrieb und kann an unterschiedliche Anforderungen angepasst werden.

Fazit: Die ideale Verbindung zwischen Struktur und Tierwohl

Das Gruppenpaddockboxen-System positioniert sich genau zwischen klassischer Einzelhaltung und großer Offenstall-Gruppenhaltung. Es bietet zwar nicht die maximale Bewegungsfreiheit eines großen Offenstalls, dafür aber deutlich mehr Struktur, Sicherheit und Managementkontrolle.

Für viele Pferde - besonders solche, die sonst in Einzelboxen stehen würden - ist dieses System eine deutliche Verbesserung. Sie haben Zugang zu einem Auslauf, können mit anderen Pferden interagieren und sich dennoch zurückziehen, wenn sie Ruhe brauchen. Für Einstellbetriebe mit häufigem Pferdewechsel ist das System besonders geeignet, da sich Gruppen schnell und unkompliziert anpassen lassen - ohne Umbauten und mit geringem Aufwand. So entsteht eine Haltung, die tiergerecht, praktikabel und wirtschaftlich zugleich ist.

Links zum Thema

  • Pferde und Recht - Stallbau, Raumordnung
  • Baukastensystem für einen Offen- und Aktivstall für Pferde
  • Hier finden Sie mehr Infos rund um die Pferdehaltung
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Durchdacht geplant, tiergerecht gebaut: So holt man die Weide in den Stall

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