LK Kärnten fordert von EU Dürre-Notfall-Mechanismus
Die historische Trockenheit des Jahres 2026 hat Kärntens Landwirtschaft massiv getroffen. Besonders Grünland- und Viehbetriebe leiden unter erheblichen Ernteausfällen. Auf vielen Höfen fehlen schon jetzt die notwendigen Futterreserven für die kommende Winterfutterperiode. Besonders ärgerlich: Tausende Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche in Kärnten dürfen auf Grund von bürokratischen Vorgaben im Rahmen der EU-Agrarpolitik nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden. Hintergrund ist, dass diese Flächen Biodiversitätszwecken dienen sollen.
Die LK Kärnten hatte bereits im Frühsommer 2026 gefordert, diese Flächen angesichts der dramatischen Trockenheit umfassend für die Futternutzung freizugeben und gleichzeitig Auflagen innerhalb der GAP-Maßnahmen zu lockern. „In einer Dürre- und Notlage muss die Sicherung der Futtergrundlage oberste Priorität haben. Es kann nicht sein, dass geeignete Flächen ungenutzt bleiben, während unsere bäuerlichen Familienbetriebe verzweifelt nach Futter für ihre Tiere suchen“, stellt LK-Präsident Siegfried Huber klar.
Freigaben zu spät
Die Nutzung der Flächen muss durch die EU-Kommission genehmigt werden. Die von den EU-Behörden ermöglichten Freigaben und Lockerungen seien aus Sicht der LK Kärnten jedoch zu spät, zu zögerlich und nicht in ausreichendem Maße gekommen. Viele Betriebe seien nun gezwungen – sofern überhaupt verfügbar – teure Futtermittel zuzukaufen. Gleichzeitig habe der notwendige Notverkauf von Tieren zu zusätzlichem Druck auf die Marktpreise geführt.
„Mit ihrer zögerlichen Vorgangsweise hat die EU-Kommission den wirtschaftlichen Schaden vergrößert. Bauern mussten zusehen, wie Futteraufwüchse auf sogenannten Biodiversitätsflächen zwar gemäht werden konnten, aber liegenbleiben werden mussten. Dieses Futter fehlt jetzt für den Winter“, kritisiert Huber scharf.
Die LK Kärnten verlangt daher einen klar geregelten Dürre-Notfall-Mechanismus innerhalb der GAP. Dieser soll es den nationalen Behörden ermöglichen, bei außergewöhnlichen Umständen wie einer großflächigen Trockenheit oder Dürre rasch notwendige Ausnahmen bei der Flächennutzung und bei Förderauflagen umzusetzen. Entscheidend sei dabei, dass diese Maßnahmen ohne vorherige Genehmigung durch die EU-Kommission und ohne Prämienverlust für die betroffenen Betriebe möglich werden.
„Wir brauchen in Krisensituationen Vertrauen in die Mitgliedstaaten und Entscheidungskompetenz dort, wo die Probleme tatsächlich auftreten. Dass über die Nutzung von Flächen in einer wissenschaftlich belegbaren Notsituation ausschließlich Beamte in Brüssel entscheiden können, die 1000 km weit weg in klimatisierten Büros sitzen, muss ein Ende haben“, fordert der LK-Präsident. Als Beispiel nennt Huber, dass nationale Behörden auch in anderen Bereichen eigenständig und rasch auf außergewöhnliche Situationen reagieren können.
Breite Unterstützung
Die Resolution wird von zahlreichen Kärntner landwirtschaftlichen Verbänden, Organisationen und Genossenschaften unterstützt. Gemeinsam treten sie im Namen von mehr als 18.000 bäuerlichen Familienbetrieben für eine grundlegende Verbesserung der Krisenmechanismen in der europäischen Agrarpolitik ein.
Ende September wird Huber die Forderung persönlich in Brüssel vorbringen und bei Verantwortlichen der EU-Kommission für eine rasche Umsetzung werben. „Wir wollen nicht noch einmal erleben, dass unsere Bauern mitten in einer existenziellen Dürrekrise auf Entscheidungen aus Brüssel warten müssen. Die Erfahrungen dieses Jahres müssen Konsequenzen haben. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, damit wir bei der nächsten Dürre handlungsfähig sind“, so Huber.
Agrarreferent LHStv. Martin Gruber unterstützt den Vorstoß ebenso und wird das Thema in der nächsten Landesagrarreferentenkonferenz einbringen. „Die heurige Dürre hat unseren Bauern schmerzhaft gezeigt, was es bedeutet, in einer Notlage auf Entscheidungen aus Brüssel warten zu müssen. Wenn das Winterfutter fehlt, muss rasch gehandelt werden können. Deshalb brauchen wir einen Dürre-Notfall-Mechanismus in der GAP: Die Mitgliedstaaten müssen Biodiversitäts- und Bracheflächen im Ernstfall sofort zur Futtergewinnung freigeben können – unbürokratisch, ohne Zustimmung aus Brüssel und ohne Prämienverlust. Die Versorgung unserer Tiere hat Vorrang vor starren Auflagen“, erklärt Gruber.
Die LK Kärnten verweist darauf, dass außergewöhnliche Trockenheitsperioden künftig keine Ausnahmeerscheinung bleiben dürften. Bereits nächstes Jahr könnte auf Grund des „El Niňo“-Wetterphänomens in Kärnten die nächste Trockenheit drohen. Wenn es dann nicht gelingt, zusätzliches Futter zu nutzen, droht eine Katastrophe.
„Umso wichtiger ist es, bereits jetzt funktionierende Kriseninstrumente zu schaffen. Unsere Forderung ist klar: mehr Vertrauen in die Mitgliedstaaten, mehr Entscheidungsfreiheit vor Ort und weniger Bürokratie aus Brüssel. Wenn eine nationale Dürre festgestellt und die Futterversorgung der Tiere gefährdet ist, müssen die zuständigen Behörden rasch handeln können – unbürokratisch, ohne langwierige Genehmigungsverfahren und ohne finanzielle Nachteile für die Bauern“, bekräftigt Huber.
Dass in einer Notsituation Beamte in Brüssel entscheiden, die 1000 km weit weg in klimatisierten Büros sitzen, muss ein Ende haben.
„Dass in einer Notsituation Beamte in Brüssel entscheiden, die 1000 km weit weg in klimatisierten Büros sitzen, muss ein Ende haben."
- LK-Präsident Siegfried Huber
- LK-Präsident Siegfried Huber
„EU-Mitglieder müssen Biodiversitäts- und Bracheflächen im Ernstfall sofort freigeben können."
- LHStv. Martin Gruber
- LHStv. Martin Gruber