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LFI-Arbeitskreis Rindermast: Feintuning an den Rationen

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19.08.2026 | von Dipl.-Ing. Franz Augustin

Wie gut Rinder die Nährstoffe aus ihrer Ration verwerten, lässt sich über Kotanalysen beurteilen. Ergebnisse zeigen, wo sich Fütterung und Leistung weiter verbessern lassen.

Kotproben Sammlung Gregoritsch.jpg © LK Kärnten/Gregoritsch
© LK Kärnten/Gregoritsch

Der Nährwert eines Futtermittels für Rinder hängt von seinem Nährstoff- und Energiegehalt, dem Ausmaß der Fermentation und des Abbaus im Pansen sowie der postruminalen Verdaulichkeit ab. Wie effizient die Verdauung bei den eigenen Rindern verläuft, haben die Mitglieder im LFI-Arbeitskreis Rindermast Kärnten im Frühjahr 2026 unter die Lupe genommen. Hierfür wurden die eingesetzten Futtermittel aus der Ernte 2025 im Labor untersucht und hieraus die Nährstoffkonzentration in der gefütterten Ration berechnet. Nachdem die Rinder - bei rund 500 kg Lebendgewicht - diese Ration mindestens drei Wochen lang gefressen hatten, wurden frische Kotproben von diesen Rindern gesammelt und diese ebenfalls im Labor analysiert. Aus dem Verhältnis der Nährstoffkonzentration in der Ration und der Nährstoffkonzentration im Kot wurde dann die Verdaulichkeit für die Nährstoffe Stärke (XS), Faser (NDF) und Eiweiß (XP) berechnet. Einige ausgewählte Ergebnisse hieraus dürfen im Folgenden präsentiert werden.

Rinderkot_Beutel__Gregoritsch.jpg © LK Kärnten/Gregoritsch

Zusammensetzung der Futterrationen in der Rindermast

Die Zusammensetzung der Rationen im LFI-Arbeitskreis Rindermast variiert sehr stark. So bewegt sich beispielsweise der Anteil von Silomais in der Ration zwischen 41 und 67 %. Grassilage wird in manchen Betrieben gar keine verfüttert, in der Spitze hat diese jedoch einen Anteil von 42 %. Kraftfutter macht in der Ration mit der niedrigsten Verwendung 17 %, in der Ration mit dem höchsten Anteil hingegen 35 % aus. Auf die Zugabe von Stroh wird, in den Betrieben, die an der Untersuchung teilgenommen haben, mittlerweile verzichtet, da dies aus Gründen der Strukturwirksamkeit in diesen Rationen nicht notwendig ist. Stroh ist zudem kaum verdaulich und verringert somit die Verdaulichkeit der Gesamtration. Dies ist also das Gegenteil von dem, was man erreichen will.

Zusammensetzung der Futterrationen in der Rindermast

Maissilage Grassilage Heu Kraftfutter
Betrieb 1 63 % 17 % - 20 %
Betrieb 2 65 % 9 % 2 % 24 %
Betrieb 3 62 % - 3 % 35 %
Betrieb 4 52 % 16 % - 32 %
Betrieb 5 36 % 39 % - 25 %
Betrieb 6 68 % - 4 % 28 %
Betrieb 7 41 % 42 % - 17 %
Betrieb 8 56 % 14 % 3 % 27 %
Betrieb 9 67 % 7 % - 26 %
Betrieb 10 56 % 17 % - 27 %
Betrieb 11 61 % 14 % - 25 %

Konzentration der Nährstoffe je kg TM in den Rationen

Aus der recht unterschiedlichen Zusammensetzung der Rationen in den Betrieben im LFI-Arbeitskreis Rindermast Kärnten ergeben sich nicht nur unterschiedliche Nährstoffgehalte, sondern dies hat auch Einfluss darauf, wie viel verdauliche organische Masse im Futter enthalten ist. Je weniger unverdauliche Komponenten im Futter enthalten sind, desto höher wird die Verdaulichkeit der Einzelnährstoffe ausfallen. In der Rindermast sollte das Futter mindestens zu 75 % aus verdaulichen Komponenten bestehen und im Umkehrschluss zu weniger als 25 % aus unverdaulichen. Diesen Zielwert erreichen nahezu alle analysierten Rationen. Da mit steigendem Kraftfutteranteil nicht nur die Nährstoffkonzentration in der Ration steigt, sondern auch deren Verdaulichkeit, zeigen die Ergebnisse aus der Praxis, dass dessen Anteil um die 25 % ausmachen sollte.

Konzentration der Nährstoffe je kg Trockenmasse in den Rationen

Stärke (XS) Faser (NDF) Eiweiß (XP) verd. TM
Betrieb 1 262 g 358 g 108 g 74 %
Betrieb 2 354 g 327 g 135 g 79 %
Betrieb 3 350 g 331 g 134 g 77 %
Betrieb 4 325 g 290 g 129 g 76 %
Betrieb 5 233 g 326 g 145 g 75 %
Betrieb 6 325 g 289 g 131 g 76 %
Betrieb 7 215 g 371 g 125 g 73 %
Betrieb 8 260 g 350 g 140 g 75 %
Betrieb 9 344 g 288 g 126 g 76 %
Betrieb 10 390 g 282 g 112 g 77 %
Betrieb 11 260 g 367 g 136 g 74 %

Konzentration der Nährstoffe je kg TM im Rinderkot

Der Gehalt an Nährstoffen im Rinderkot allein drückt zwar noch nicht aus, wie hoch die Verdaulichkeit ausgefallen ist, gibt aber dennoch wertvolle Rückschlüsse zur aktuellen Fütterung. Der Trockenmassegehalt des Rinderkots sollte zwischen 130 und 150 g liegen. Liegt dieser darüber, ist der Mist also zu fest, ist möglicherweise die Wasserversorgung unzureichend. Da Wasser- und Futteraufnahme in direktproportionaler Beziehung stehen, also ein Tier, das wenig säuft, auch wenig frisst, sollte ab 17 % Trockensubstanzgehalt im Rinderkot jedenfalls die Wasserversorgung überprüft werden. Ist der Rinderkot zu dünn, also unter 13 % Trockensubstanzgehalt, ist möglicherweise die Passagerate des Futterbreis durch den Verdauungstrakt zu hoch. Das kann zu einer geringeren Nährstoffausnutzung führen. Eiweiß ist zumeist die teuerste Komponente in der Rinderfütterung. Deshalb sollte dieses möglichst effizient verdaut werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass möglichst wenig Stickstoff, also der Grundbaustein von Eiweiß, mit dem Kot ausgeschieden werden sollte. Wie viel vom gefütterten Eiweiß verdaut wird, hängt ganz wesentlich vom Mikrobenwachstum im Pansen ab. Wird viel Stickstoff über den Kot ausgeschieden, weil dieser von den Mikroben im Pansen nicht zu Eiweiß verstoffwechselt werden konnte, liegt möglicherweise ein Ungleichgewicht zwischen Energie- und Eiweißversorgung oder eine Pansenübersäuerung vor. Als Zielwert sollte weniger als 25 g Stickstoff je kg Trockensubstanz im Rinderkot enthalten sein. Stärke ist in den meisten Mastrationen für die Rinder der Hauptenergielieferant. Stärke kann vom Rind sowohl im Pansen als auch im Dünndarm äußerst gut genutzt werden und eine Verdaulichkeit von nahezu 100 % erreichen. Voraussetzung ist, dass diese gut aufgeschlossen ist, beispielsweise, indem ein CornCracker bei der Silomaisernte eingesetzt wird. Im Rinderkot sollten sich daher auch weniger als 20 g je kg Trockenmasse wiederfinden. Einen Zielwert für den Fasergehalt im Rinderkot zu definieren ist am schwierigsten, da dieser sehr wesentlich vom Fasergehalt im Grundfutter und der Menge an Fasern, die aufgenommen wird abhängt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Werte unter 550 g (NDF) zumeist Anzeichen für eine gute Faserverdauung darstellen. Liegen die Werte darüber, so sind eine unzureichende Mikrobenleistung wegen Eiweißmangels oder eine Pansenübersäuerung, die das Wachstum jener Mikroben die die Fasern abbauen hemmt, mögliche Ursachen.

Konzentration der Nährstoffe je kg TM im Rinderkot

Trockenmasse Faser (NDF) Stickstoff Stärke
Betrieb 1 129 g 367g 24 g 18 %
Betrieb 2 157 g 534 g 26 g 17 %
Betrieb 3 152 g 533 g 29 g 14 %
Betrieb 4 114 g 598 g 20 g 8 %
Betrieb 5 143 g 519 g 21 g 11 %
Betrieb 6 131 g 568 g 30 g 30 %
Betrieb 7 145 g 516 g 25 g 40 %
Betrieb 8 173 g 598 g 21 g 12 %
Betrieb 9 137 g 600 g 24 g 25 %
Betrieb 10 181 g 478 g 23 g 110 %
Betrieb 11 127 g 518 g 27 g 28 %

Verdaulichkeit der Nährstoffe aus der Ration

Die Berechnung der Verdaulichkeit für die Nährstoffe Stärke, Faser (NDF) und Eiweiß aus dem Verhältnis der Konzentrationen im Futter und im Kot ergibt für die Rationen im LFI-Arbeitskreis Rindermast Kärnten markante Unterschiede. Hinsichtlich der Verdaulichkeit von Stärke zeigt sich, dass der Zielwert von größer 98 % in den allermeisten Betrieben übertroffen wird, also eine sehr gute Verwertung der Stärke gegeben ist. Silomais nicht zu trocken zu häckseln (34-38 % TS), sehr guter Kornaufschluss durch den richtigen Einsatz von CornCrackern bei der Ernte von Silomais und die Einhaltung der Mindestsilierdauer (> sechs Wochen) sind die wesentlichen Gründe hierfür. Die Faserverdaulichkeit zeigt hingegen eine größere Variation, die keinen einheitlichen Trend erkennen lässt und aufgrund der vielfältigen Einflussgrößen nur betriebsindividuell beurteilt werden kann. Als Anhaltspunkt kann jedoch ein Prozentsatz von unter 55 als kritischer Schwellenwert angesehen werden, ab dem man den Ursachen jedenfalls nachgehen sollte. Hier liegt der Verdacht nahe, dass eine Pansenübersäuerung vorliegt. Als Zielwert für die Verdaulichkeit von Eiweiß kann 70 % betrachtet werden. Im Sinne einer effizienten Nutzung der relativ teuersten Futterkomponente und als Check für eine ausgewogene Energie- und Eiweißversorgung gelten Werte > 70 %.

Verdaulichkeit der Nährstoffe aus der Ration

Stärke * Faser (NDF) Eiweiß (XP)
Betrieb 1 98,2 % 73,7% 64,3 %
Betrieb 2 99,1 % 66,3 % 75,1 %
Betrieb 3 99,1 % 63,4 % 69,3 %
Betrieb 4 99,6 % 54,4 % 69,7 %
Betrieb 5 98,8 % 59,8 % 72,7 %
Betrieb 6 97,8 % 52,6 % 65,8 %
Betrieb 7 95,0 % 62,6 % 66,2 %
Betrieb 8 98,9 % 57,9 % 77,1 %
Betrieb 9 98,3 % 51,1 % 71,9 %
Betrieb 10 93,5% 61,2 % 70,4 %
Betrieb 11 97,2 % 63,5 % 67,3 %

Verdaulichkeit von Eiweiß je kg Futter (TM)

Ohne Eiweiß kein Muskelwachstum. Mehr Eiweiß – mehr Muskelwachstum. Drei Stellschrauben stehen dem Rindermäster hierfür zur Verfügung: Eiweißgehalt des Futters, Verdaulichkeit des Eiweißes aus dem Futter und die Menge an Eiweiß, die über das Futter aufgenommen wird. Die Ergebnisse aus dem LFI-Arbeitskreis Rindermast Kärnten zeigen deutlich auf: Der Fokus auf Konzentration und Verdaulichkeit von Eiweiß ist äußerst nützlich, um die Ration einem Feintuning für Spitzenleistungen zu unterziehen. Dies allein greift jedoch zu kurz, wenn die Basis für hohe Zunahmen, nämlich eine hohe Futteraufnahme, nicht vorhanden ist. So lässt sich auch erklären, warum 14 % Rohprotein in der Ration in einem Fall zu 1700 g Zunahmen führen, in einem anderen hingegen lediglich zu 1000 g. Dennoch ist das Potenzial einer Verbesserung der Eiweißverdaulichkeit beträchtlich. Eine Steigerung der Eiweißverdaulichkeit um 5 % bringt dem Stoffwechsel des Rindes um 7 % mehr verwertbares Eiweiß, während eine Steigerung der Futteraufnahme um 5 % „lediglich“ einen Zugewinn von unter 5 % bewirkt. Dies erklärt dann auch, warum in den letzten Jahren das Thema Verdaulichkeit so einen Bedeutungszuwachs erfahren hat. Dies trifft insbesondere auf die Faserverdaulichkeit zu, die derzeit wohl in der Rinderfütterung das Thema ist.

Verwertung von Eiweiß je kg Futter (TS)

Leistung
aufgenommen verdaut ausgeschieden verd. Ø Zunahmen
Betrieb 1* 108 g 69 g 39 g 64,3 % 906 g
Betrieb 2* 135 g 101 g 34 g 75,1 % 1589 g
Betrieb 3* 134 g 93 g 41 g 69,3 % 1448 g
Betrieb 4* 129 g 90 g 39 g 69,7 % 1568 g
Betrieb 5** 145 g 105 g 40 g 72,7 % 995 g
Betrieb 6* 131 g 86 g 45 g 65,8 % 1617 g
Betrieb 7** 125 g 83 g 42 g 66,2 % 1064 g
Betrieb 8* 140 g 108 g 32 g 77,1 % 1701 g
Betrieb 9* 126 g 91 g 35 g 71,9 % 1462 g
Betrieb 10** 112 g 79 g 33 g 70,4 % 1228 g
Betrieb 11* 136 g 92 g 44 g 67,3 % 1478 g
*Stiere, **Ochsen
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