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Kotanalyse macht Stärkeverluste sichtbar

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19.08.2026 | von Dipl.-Ing. Franz Augustin

Unverdaute Stärke im Rinderkot bedeutet verlorene Energie und vermeidbare Kosten. Mit einer Analyse lässt sich die Stärkeverdaulichkeit einfach kontrollieren.

Silomais_Bestand_Augustin.jpg © LK Kärnten/Franz Augustin
Erntezeitpunkt, Kornaufschluss und Gärqualität bestimmen, wie gut ein Rind Stärke aus der Maissilage verdaut. Unverdaute Stärke wird mit dem Kot ausgeschieden und ist für den Stoffwechsel des Rindes verloren. LK Kärnten/ Franz Augustin © LK Kärnten/Franz Augustin
Maissilage ist in der heimischen  Rindermast das Hauptfuttermittel, da sie einen hohen Nährwert  und eine gute Schmackhaftigkeit f ür die Tiere aufweist. Der  Hauptnährstoff aus der Maissilage  für die Rinder ist die Stärke, die aus dem Korn stammt, da diese besser als die Fasern in  der Restpflanze verdaulich ist.  Wie effizient diese vom Rind  verwertet werden kann, wird  maßgeblich von der Stärkestruktur  beeinflusst. Während  der Reife der Maispflanze reichert  sich Stärke kontinuierlich  an, und ihre Struktur optimiert  sich stetig. Vom Milchreifestadium  bis zum Teigreifestadium  sind Stärkesynthese und -stoffwechsel  in der Pflanze hochaktiv:  Der Anteil an Amylopektin steigt dabei allmählich, und die  Stärkekörner ordnen sich dichter  an. Beides erhöht die Stabilität  der Stärkestruktur. Mit zunehmender  Abreife und verzögerter  Ernte erhöht sich dann noch der Prolamingehalt in den  Maiskörnern. Prolamin bildet  Stärke-Eiweiß-Komplexe – analog  zu einer „Schutzschicht“  um die Stärkekörner.

Späte Ernte reduziert Abbau von Stärke

Dies erschwert den Mikroorganismen  im Pansen den Zugang zur Stärke und deren Abbau,  wodurch die Abbaugeschwindigkeit  reduziert wird. Die Vergärung  des Ernteguts im Silo wirkt diesem Umstand ein  Stück weit entgegen. In einer  anaeroben (ohne Sauerstoff)  Umgebung vermehren sich  Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien  stark, und die  von ihnen sezernierten Enzyme  können die Stärkestruktur  modifizieren (z. B. durch Hydrolyse von glykosidischen Bindungen  und Veränderung des  Amylose-Amylopektin-Verhältnisses), wodurch die Abbaugeschwindigkeit  der Stärke  im Pansen wieder beschleunigt  wird. Die Wahl des Erntezeitpunktes  beim Silomais sowie  die Gewährleistung eines optimalen  Gärverlaufs bestimmen  somit ganz wesentlich, wie gut  die Stärke in der Maissilage für  das Rind verwertbar ist. Neben  dem Erntezeitpunkt haben Rinderhalter  eine zweite, ganz wesentliche  Einflussmöglichkeit  darauf, wie gut die Stärke aus  dem Maiskorn für ihre Tiere verdaulich  ist.

Kornaufschluss garantieren

Entscheidend hierfür ist der  Einsatz einer Erntetechnik, die  es schafft, das Maiskorn gut aufzuschließen,  denn je kleiner die  Maiskornteile, desto schneller  erfolgt der Abbau der Stärke im  Pansen. Bei korrektem Einsatz  eines Corn-Crackers bei der Ernte  von Silomais wird die Schale  des Maiskorns aufgebrochen,  das Maiskorn bzw. die Maiskornbruchstücke  werden zwischen  zwei Walzen zerrieben,  und dadurch wird die Oberflächengröße  des Mehlkörpers  vergrößert. Die Pansenmikroben  können in der Folge besser  auf die darin eingelagerte Stärke  zugreifen. Gelingt dies, so kann  Stärke nahezu vollständig vom  Rind verdaut und die enthaltene  Energie somit für den Stoffwechsel  und das Wachstum der  Tiere genutzt werden. Gelingt  dies nicht, wird unverdaute  Stärke vom Rind über den Kot  ausgeschieden.  Der Stärkegehalt im Kot stellt  somit einen guten Indikator  dafür dar, wie gut die Stärke aus  dem Futter vom Rind verdaut  werden konnte. Als Richtwert  gilt, dass in der Rindermast die Trockenmasse des Kots zu weniger  als 2 % aus Stärke bestehen  sollte. Ein Stier mit 500 kg Lebendgewicht,  der 23 kg Futter  aufnimmt (9,7 kg Trockenmasse), welches 260 g Stärke je kg Trockenmasse enthält, scheidet  bei 2 % Stärke im Kot rund 50 g  Stärke je Tag unverdaut aus.
Stärkegehalt im Rinderkot.png © LK Kärnten/Franz Augustin
Als Zielwert in der Rindermast gilt: Weniger als 2 % Stärke (20 g je kg TM) sollten im Kot enthalten sein; in der Milchviehhaltung unter 1 %. © LK Kärnten/Franz Augustin

5 % Stärke im Kot = 50 kg Sack Mehl in Gülle

Enthält der Kot 5 % Stärke, so  werden rund 120 g Stärke je Tier und Tag unverdaut ausgeschieden.  Da angenommen  werden kann, dass Stärke aus  dem Kraftfutter aufgrund des  feinen Vermahlungsgrades nahezu zu 100 % vom Rind verdaut  wird, wird sich der Unterschied  zwischen 2 und 5 %  Stärke im Kot in den meisten  Fällen mit einem mangelnden  Kornaufschluss bei der Ernte  des Silomaises erklären lassen.  Über eine Mastperiode  von zehn Monaten (von 320  bis 750 kg) gerechnet, gehen  in dem obigen Beispiel bei 2 %  Stärke im Kot rund 18 kg Stärke  je Tier verloren, bei 5 % schon  knapp 45 kg.  Bei 100 gemästeten Stieren  summiert sich dies dann  in einem Fall auf 1800 kg, im  anderen auf 4500 kg Stärke.  Berücksichtigt man, dass ein  Maiskorn zu rund 69 % aus  Stärke besteht, wandern also  bei 100 gemästeten Stieren und  2 % Stärke im Kot rund 2600 kg  Körnermais in die Güllegrube  oder den Mist, bei 5 % sind es  schon rund 6500 kg, also mehr als ein halbes ha Körnermais. Kalkuliert man mit 200 Euro  je t Körnermais, so entspricht  dieser Stärkeverlust einem  Geldwert von rund 1300 Euro,  die verloren sind. Allein aus  diesen ökonomischen Überlegungen  heraus sollte es in jedem  Rindermastbetrieb zur  Standardroutine gehören, den  Kot der Rinder zumindest einmal jährlich untersuchen zu lassen.
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