Kotanalyse macht Stärkeverluste sichtbar
Maissilage ist in der heimischen
Rindermast
das Hauptfuttermittel,
da sie einen hohen Nährwert
und eine gute Schmackhaftigkeit
f ür die Tiere aufweist. Der
Hauptnährstoff aus der Maissilage
für die Rinder ist die Stärke,
die aus dem Korn stammt,
da diese besser als die Fasern in
der Restpflanze verdaulich ist.
Wie effizient diese vom Rind
verwertet werden kann, wird
maßgeblich von der Stärkestruktur
beeinflusst. Während
der Reife der Maispflanze reichert
sich Stärke kontinuierlich
an, und ihre Struktur optimiert
sich stetig. Vom Milchreifestadium
bis zum Teigreifestadium
sind Stärkesynthese und -stoffwechsel
in der Pflanze hochaktiv:
Der Anteil an Amylopektin
steigt dabei allmählich, und die
Stärkekörner ordnen sich dichter
an. Beides erhöht die Stabilität
der Stärkestruktur. Mit zunehmender
Abreife und verzögerter
Ernte erhöht sich dann
noch der Prolamingehalt in den
Maiskörnern. Prolamin bildet
Stärke-Eiweiß-Komplexe – analog
zu einer „Schutzschicht“
um die Stärkekörner.
Späte Ernte reduziert Abbau von Stärke
Dies erschwert den Mikroorganismen
im Pansen den Zugang zur Stärke und deren Abbau,
wodurch die Abbaugeschwindigkeit
reduziert wird. Die Vergärung
des Ernteguts im Silo
wirkt diesem Umstand ein
Stück weit entgegen. In einer
anaeroben (ohne Sauerstoff)
Umgebung vermehren sich
Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien
stark, und die
von ihnen sezernierten Enzyme
können die Stärkestruktur
modifizieren (z. B. durch Hydrolyse
von glykosidischen Bindungen
und Veränderung des
Amylose-Amylopektin-Verhältnisses),
wodurch die Abbaugeschwindigkeit
der Stärke
im Pansen wieder beschleunigt
wird. Die Wahl des Erntezeitpunktes
beim Silomais sowie
die Gewährleistung eines optimalen
Gärverlaufs bestimmen
somit ganz wesentlich, wie gut
die Stärke in der Maissilage für
das Rind verwertbar ist. Neben
dem Erntezeitpunkt haben Rinderhalter
eine zweite, ganz wesentliche
Einflussmöglichkeit
darauf, wie gut die Stärke aus
dem Maiskorn für ihre Tiere verdaulich
ist.
Kornaufschluss garantieren
Entscheidend hierfür ist der
Einsatz einer Erntetechnik, die
es schafft, das Maiskorn gut aufzuschließen,
denn je kleiner die
Maiskornteile, desto schneller
erfolgt der Abbau der Stärke im
Pansen. Bei korrektem Einsatz
eines Corn-Crackers bei der Ernte
von Silomais wird die Schale
des Maiskorns aufgebrochen,
das Maiskorn bzw. die Maiskornbruchstücke
werden zwischen
zwei Walzen zerrieben,
und dadurch wird die Oberflächengröße
des Mehlkörpers
vergrößert. Die Pansenmikroben
können in der Folge besser
auf die darin eingelagerte Stärke
zugreifen. Gelingt dies, so kann
Stärke nahezu vollständig vom
Rind verdaut und die enthaltene
Energie somit für den Stoffwechsel
und das Wachstum der
Tiere genutzt werden. Gelingt
dies nicht, wird unverdaute
Stärke vom Rind über den Kot
ausgeschieden.
Der Stärkegehalt im Kot stellt
somit einen guten Indikator
dafür dar, wie gut die Stärke aus
dem Futter vom Rind verdaut
werden konnte. Als Richtwert
gilt, dass in der Rindermast die
Trockenmasse des Kots zu weniger
als 2 % aus Stärke bestehen
sollte. Ein Stier mit 500 kg Lebendgewicht,
der 23 kg Futter
aufnimmt (9,7 kg Trockenmasse),
welches 260 g Stärke je kg
Trockenmasse enthält, scheidet
bei 2 % Stärke im Kot rund 50 g
Stärke je Tag unverdaut aus.
5 % Stärke im Kot = 50 kg Sack Mehl in Gülle
Enthält der Kot 5 % Stärke, so
werden rund 120 g Stärke je
Tier und Tag unverdaut ausgeschieden.
Da angenommen
werden kann, dass Stärke aus
dem Kraftfutter aufgrund des
feinen Vermahlungsgrades nahezu
zu 100 % vom Rind verdaut
wird, wird sich der Unterschied
zwischen 2 und 5 %
Stärke im Kot in den meisten
Fällen mit einem mangelnden
Kornaufschluss bei der Ernte
des Silomaises erklären lassen.
Über eine Mastperiode
von zehn Monaten (von 320
bis 750 kg) gerechnet, gehen
in dem obigen Beispiel bei 2 %
Stärke im Kot rund 18 kg Stärke
je Tier verloren, bei 5 % schon
knapp 45 kg.
Bei 100 gemästeten Stieren
summiert sich dies dann
in einem Fall auf 1800 kg, im
anderen auf 4500 kg Stärke.
Berücksichtigt man, dass ein
Maiskorn zu rund 69 % aus
Stärke besteht, wandern also
bei 100 gemästeten Stieren und
2 % Stärke im Kot rund 2600 kg
Körnermais in die Güllegrube
oder den Mist, bei 5 % sind es
schon rund 6500 kg, also mehr
als ein halbes ha Körnermais.
Kalkuliert man mit 200 Euro
je t Körnermais, so entspricht
dieser Stärkeverlust einem
Geldwert von rund 1300 Euro,
die verloren sind. Allein aus
diesen ökonomischen Überlegungen
heraus sollte es in jedem
Rindermastbetrieb zur
Standardroutine gehören, den
Kot der Rinder zumindest einmal
jährlich untersuchen zu lassen.