Historische Trockenheit verschärft Futternot auf Kärntner Betrieben
Die anhaltende Trockenheit stellt Kärntens Bäuerinnen und Bauern vor enorme Herausforderungen. In zahlreichen Regionen des Landes vertrocknen die Wiesen und Weiden. Die Folge der historischen Dürre ist eine extrem angespannte Futtersituation auf den viehhaltenden Betrieben. „Die Lage ist ernst. Zahlreiche Betriebe sind bereits gezwungen, Winterfutter zu verfüttern oder ihre Tiere vorzeitig von den Almen zu holen, weil auf den Weiden kein Futter vorhanden ist“, beschreibt LK-Präsident Siegfried Huber die dramatische Lage.
Bauern helfen Bauern – Zwischenfrüchte für Futternutzung
Wir müssen nun alles daransetzen, zusätzliches Grundfutter zu gewinnen“, betont Huber. Eine Möglichkeit bietet der Anbau von Zwischenfrüchten für die Futternutzung. Die LK unterstützt die Zusammenarbeit zwischen viehlosen Ackerbaubetrieben und viehhaltenden Betrieben nun aktiv. Über die Außenstellen der LK Kärnten werden Angebot und Nachfrage zusammengeführt. „Gerade in einer Ausnahmesituation wie dieser ist Zusammenhalt innerhalb der Berufsgruppe wichtiger denn je. Dort, wo Ackerbaubetriebe Flächen oder Zwischenfrüchte für die Futternutzung zur Verfügung stellen können, sollten sie es tun!“, appelliert Huber. Die LK richtet daher einen ausdrücklichen Aufruf an alle Betriebe: Wer Flächen für die Futternutzung anbieten kann oder dringend Futter benötigt, soll sich an die jeweilige Außenstelle der LK Kärnten wenden. Ziel ist es, mittels Futterzwischenfrucht-Partnerschaften möglichst rasch regionale Lösungen zu schaffen und die Versorgung der Tierbestände sicherzustellen. In der Außenstelle werden förderrechtliche Voraussetzungen abgeklärt. Ein eigens erstellter Kooperationsvertrag bietet Rechtssicherheit.
Rasche Auszahlung der Dürreversicherung
Von zentraler Bedeutung ist in der aktuellen Situation auch die Dürreversicherung. Sie stellt für viele Betriebe eine unverzichtbare Absicherung gegen witterungsbedingte Ertragsausfälle dar und trägt wesentlich dazu bei, die wirtschaftlichen Folgen der Extremereignisse abzufedern. Ende August wird feststehen, in welchem Umfang die Entschädigungsleistungen aus der Dürreversicherung ausbezahlt werden können. Für die Betriebe ist dabei vor allem ein rascher Zahlungsfluss entscheidend. „Viele landwirtschaftliche Familienbetriebe stehen aufgrund der Ertragsausfälle vor erheblichen finanziellen Belastungen. Eine rasche Auszahlung der Versicherungsleistungen ist daher essenziell, um die Zahlungsfähigkeit der Betriebe zu sichern und die laufenden Kosten bewältigen zu können“, erklärt Huber.
Dürreschäden – ein jährlicher Begleiter
„Während die Getreideernte trotz eines sehr trockenen Frühjahrs noch einigermaßen gerettet werden konnte, ist die Situation im Grünland und bei den Herbstkulturen besorgniserregend. Wir müssen uns vor Augen halten: 80 % des Ertrages(!) hängen vom Wetter ab“, sagt Dipl.-Ing. Hubert Gernig, Landesleiter der Österreichischen Hagelversicherung. Durch den menschengemachten Klimawandel verschärfe sich somit die Situation für die Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel und bedrohe zunehmend die Existenz bäuerlicher Betriebe. „Die Erderwärmung schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Agrarsektor, haben doch Häufigkeit und Intensität von Dürreschäden durch den Klimawandel in den letzten Jahren stark zugenommen: Während in den 1980er-Jahren nur etwa alle zehn Jahre eine Dürre auftrat, erleben wir heute fast jedes zweite Jahr große Dürreereignisse“, weiß Gernig. „Der ausbleibende Niederschlag und die Hitze der vergangenen Wochen machen sich insbesondere bei Herbstkulturen wie Mais, Soja, Kartoffeln oder auch dem Grünland bemerkbar.“ Besonders betroffen seien Mittel,- Süd und Unterkärnten, wo sich bereits deutliche Dürreschäden abzeichnen. „Aktuell befinden sich die Sachverständigen der Österreichischen Hagelversicherung mitten in der Schadenserhebung. Eine Schadensbilanz ist derzeit noch nicht möglich. Die Niederschläge und die Temperaturen der kommenden Tage und Wochen sind ausschlaggebend dafür, wie sich die Dürresituation im heurigen Jahr noch entwickelt. Doch auch die Hagelsaison ist noch nicht überstanden, diese dauert noch bis Mitte September“, berichtet der Landesleiter der Österreichischen Hagelversicherung.
LK Kärnten fordert erleichterten Futterzukauf für Biobetriebe
Um die Ertragseinbußen bei Grünland und Feldfutter zu bewältigen und die biologische Tierhaltung sicherzustellen, setzt sich die LK Kärnten für die Möglichkeit eines befristeten Zukaufs von konventionellem Grundfutter ein, welche die Biobestimmungen im Katastrophenfall ermöglichen. Derzeit befindet man sich dazu in intensiven Gesprächen mit den zuständigen Behörden. Auch mit dem Landwirtschaftsministerium ist man bereits in Gesprächen zu weiteren Ausnahmen und Hilfestellungen für die von der Jahrhundert-Trockenheit geforderten Landwirtschaft, hält Huber abschließend fest.