Herbstunkraut im Wintergetreide bekämpfen
Die Aussaat des Wintergetreides ist mehr als nur das Ausbringen von Saatgut - sie ist der erste und wichtigste Schritt im Pflanzenschutzjahr. Wer die Weichen im Herbst richtig stellt, arbeitet dem Frühjahr vor: Das bedeutet weniger Unkrautdruck, gesündere Jungpflanzen und einen deutlich besseren Start in die Vegetationsperiode. Gerade weil sich im Bereich Herbizidwirkstoffe einiges bewegt, lohnt sich heuer ein genauer Blick auf die Herbststrategie.
Wirksamer Zeitpunkt
Erfolgt keine Herbstunkrautbekämpfung und herrschen im Herbst gute Wachstumsbedingungen, die auf einen milden Winter treffen, können sich herbstkeimende Unkräuter und Ungräser erfolgreich entwickeln. Diese sind im darauffolgenden Frühjahr kaum mehr zu bekämpfen. Frühjahrsaufwüchse von Ehrenpreisarten, Kamille, Klettenlabkraut, Taubnessel sowie viele Problemgräser wie Rispengräser, Windhalm und zunehmend auch Ackerfuchsschwanz konkurrieren im Wintergetreide intensiv um Wasser und Nährstoffe.
Voraussetzungen, die über den Erfolg der Herbstbehandlung entscheiden:
Voraussetzungen, die über den Erfolg der Herbstbehandlung entscheiden:
- Rechtzeitiger Anbau: In Wintergerste, Winterroggen, Wintertriticale und früh gesätem Winterweizen ist die Herbstbehandlung inzwischen Standard. Für eine gute Wirkung braucht es nach der Spritzung ein bis zwei Wochen aktives Wachstum von Kulturpflanzen und Unkrautflora. In dieser Phase sollten keine Fröste von etwa -3 bis -4°C auftreten, da vor allem empfindliche Kulturen wie Gerste darunter leiden können. Nach einer Frostperiode ist ein Herbizideinsatz wieder möglich.
- Gut gekrümeltes Saatbett: Eine gleichmäßige Saatgutablage von mindestens 2 cm Tiefe und ein gut abgesetztes Saatbett erhöhen die Wirksamkeit von Bodenherbiziden deutlich. Bleiben Kluten zurück, hilft ein Anwalzen, sofern es die Witterung zulässt.
- Ausreichende Bodenfeuchte: Bodenherbizide benötigen Feuchtigkeit, um in Lösung zu gehen und im Oberboden wirksam zu sein. Bei sehr trockenen Bedingungen bleibt die Wirkung lückenhaft, und eine Korrektur im Frühjahr wird notwendig.
- Richtiger Einsatzzeitpunkt: Am besten wirken die Mittel, wenn das Getreide beginnt, Reihen zu ziehen und die Unkräuter bzw. Ungräser noch nicht höher als etwa 3 cm sind.
Flufenacet aufbrauchen
Flufenacet, ein bodenwirksames Gräsermittel, darf heuer nur mehr bis zum 5. bzw. 10. Dezember 2026 (produktabhängig) ausgebracht werden, da die Zulassung nicht verlängert wurde. Dies betrifft Produkte wie Arnold, Aspect Pro, Battle Delta, Cadou SC, Carpatus SC, Fence, Iconic, Nucleus, Pontos und Sunfire. Für eine zuverlässige Wirkung gegen Ackerfuchsschwanz und Raygräser sind rund 240 g/ha Flufenacet notwendig. Das entspricht etwa 0,6 l/ha Arnold oder 1 l/ha Pontos. Die Anwendung sollte vorzugsweise im Vorauflauf bis spätestens fünf Tage nach der Saat erfolgen. Die volle Aufwandmenge ist auf die aufgelaufenen Ungräser im Einblattstadium bis maximal etwa 3 cm Wuchshöhe auszubringen.
Alternativen zu Flufenacet
Anstelle flufenacethaltiger Produkte können Prosulfocarb-haltige Mittel (z. B. Boxer, Cofeno, Fantasia, Jura und Roxy XL) eingesetzt werden. Sie wirken gut gegen Windhalm und Einjährige Rispe sowie gegen Taubnessel und Vogelmiere. In Mischung mit 25 g/ha Express SX wird zusätzlich eine breite Abdeckung gegen Ackerstiefmütterchen, Ausfallraps, Storchschnabel und Gänsefuß erreicht.
Das Mateno Pack, aus Mateno Duo und Cadou SC (Wirkstoff Flufenacet) bestehend, darf nur mehr bis 30. November 2026 aufgebraucht werden. Anstelle dieses Packs kann zum ähnlich klingenden Mateno Trio-Set gegriffen werden. Dieses enthält Mateno Duo und Cofeno, welches ebenfalls den Wirkstoff Prosulfocarb beinhaltet. Bei höherer Dosierung wird eine Behandlung im Vorauflauf empfohlen, um die bodenbürtige Wirkung optimal zu nutzen.
Für eine reine Unkraut- und Windhalmbekämpfung ohne Ackerfuchsschwanz oder Weidelgras zeigen Mittel mit dem Wirkstoff Chlortoluron (Carmina 640, Lentipur 500, Stomp Perfekt, Trinity, Viper Compact) eine breite Wirkung. Hier ist es wichtig, die spezifischen Anwendungsauflagen zu beachten. Auf der behandelten Fläche darf keine zusätzliche Behandlung mit weiteren chlortoluronhaltigen Produkten erfolgen.
Das Mateno Pack, aus Mateno Duo und Cadou SC (Wirkstoff Flufenacet) bestehend, darf nur mehr bis 30. November 2026 aufgebraucht werden. Anstelle dieses Packs kann zum ähnlich klingenden Mateno Trio-Set gegriffen werden. Dieses enthält Mateno Duo und Cofeno, welches ebenfalls den Wirkstoff Prosulfocarb beinhaltet. Bei höherer Dosierung wird eine Behandlung im Vorauflauf empfohlen, um die bodenbürtige Wirkung optimal zu nutzen.
Für eine reine Unkraut- und Windhalmbekämpfung ohne Ackerfuchsschwanz oder Weidelgras zeigen Mittel mit dem Wirkstoff Chlortoluron (Carmina 640, Lentipur 500, Stomp Perfekt, Trinity, Viper Compact) eine breite Wirkung. Hier ist es wichtig, die spezifischen Anwendungsauflagen zu beachten. Auf der behandelten Fläche darf keine zusätzliche Behandlung mit weiteren chlortoluronhaltigen Produkten erfolgen.
Frühjahrsbehandlung und Korrekturen
Im Frühjahr ist eine Korrekturbehandlung möglich bzw. auf Standorten mit hohem Unkrautdruck meist notwendig. In den meisten Getreidekulturen stehen mehrere Produkte aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe sowie typische Gräsermittel (ACCase‑Hemmer, HRAC‑Gruppe A) zur Verfügung, etwa Atlantis OD, Axial 50, Husar OD oder Sekator OD. Die Frühjahrsbehandlung sollte relativ zeitig nach Vegetationsbeginn durchgeführt werden, damit die Ungräser noch in einem gut bekämpfbaren Stadium sind.
Wurzelunkräuter wie Ackerwinde, Ampfer oder Distel werden von der Herbstbehandlung nicht erfasst und müssen bei Bedarf im Frühjahr gesondert bekämpft werden.
Wurzelunkräuter wie Ackerwinde, Ampfer oder Distel werden von der Herbstbehandlung nicht erfasst und müssen bei Bedarf im Frühjahr gesondert bekämpft werden.
Ungrasstöcke und Resistenzrisik
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Ungrasstöcke von Raygräsern oder Rispen, die von Raps‑ oder Getreidestoppeln in die neue Saat mitgenommen werden, lassen sich mit Herbstherbiziden nicht zuverlässig erfassen und bergen ein erhebliches Resistenzrisiko. In solchen Fällen hilft nur eine konsequente mechanische Stoppelbearbeitung oder die Anlage eines "falschen Saatbettes" vor der Aussaat. Eine Korrekturspritzung im Frühjahr wirkt hier meist nur teilweise und erhöht die Resistenzgefahr zusätzlich.
Virusvektoren im Auge behalten
Bei einem milden, warmen Herbst (13 bis 15°C Tagestemperatur) können Blattläuse und Zikaden verstärkt aus abgeernteten Maisbeständen einwandern. Da beide Insektengruppen Viren übertragen, ist gerade früh gesätes Wintergetreide gefährdet. Eine Kontrolle der Jungpflanzen am Wurzelhals sowie auf eingerollte Blätter gibt Aufschluss darüber, ob eine Behandlung nötig wird. Als Richtwert für eine wirtschaftliche Schadenschwelle gilt ein 10%iger Befall. Aktuelle Hinweise zur Befallssituation liefert der Warndienst unter warndienst.lko.at.
Fazit
Die Investition in eine solide Herbststrategie zahlt sich doppelt aus: Eine rechtzeitige Herbizidmaßnahme nimmt dem Frühjahr den Druck, wenn ohnehin schon Düngung, Wachstumsregler und Fungizide um die besten Einsatzfenster konkurrieren. Wer im Herbst sauber arbeitet, die Zulassungssituation beachtet und Resistenzrisiken durch passende Fruchtfolgen und konsequente Stoppelbearbeitung vorbeugt, legt den Grundstein für einen integrierten und wirtschaftlicheren Pflanzenschutz im kommenden Jahr.
Pflanzenschutz: Sachkundenachweis verlängern
Ab Herbst werden wieder Fortbildungen zur Verlängerung des Pflanzenschutz-Sachkundenachweises angeboten - sowohl vor Ort als auch online. Überprüfen Sie rechtzeitig die Gültigkeit Ihres Sachkundenachweises, und melden Sie sich frühzeitig zu einem passenden Kurs an.