„Höherer gesellschaftlicher Druck, Frauen als Kandidatinnen vorzuweisen“
Frauen haben das Wahlrecht hart erkämpft. Wie sieht es mit ihrer Wahlbeteiligung auf EU-, Bundes- und Landesebene aus?
Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle: Die Wahlbeteiligung war traditionell hoch. In jüngerer Zeit wurden in Deutschland Zahlen dazu erhoben, ich gehe davon aus, dass diese Studien auf Österreich umlegbar sind. Laut diesen Daten ist die Wahlbeteiligung von Männern und Frauen ident. Geschlecht ist kein Grund, zur Wahl zu gehen oder nicht. Ausschlaggebend sind Bildung, die Einbindung in Netzwerke und wie man sich vertreten fühlt. Man redet immer vom aktiven Wahlrecht, d. h. wählen zu gehen. Aber beim passiven Wahlrecht, also gewählt zu werden, gibt es einen beträchtlichen Gender-Gap (Geschlechterunterschied). Der gesellschaftliche Druck, Frauen als Kandidatinnen vorzuweisen, ist größer geworden. Was die Präsenz der Frauen, etwa als Bürgermeisterinnen, betrifft, geht es zwar aufwärts, aber zäh. Als erstes parlamentarisches Gremium in Österreich hat es der Vorarlberger Landtag geschafft, 50 % Frauen als Mandatarinnen zu haben.
Welchen Handlungsbedarf sehen Sie bei der Listenerstellung und in der Motivation von Frauen, in die Politik zu gehen?
Hier gibt es großen Handlungsbedarf. Das eine ist das Reißverschlussprinzip, das andere, ob Frauen auch zu den Mandaten kommen und wie ernsthaft die Parteien im Vorfeld die Ermutigung von Frauen, in die Politik einzusteigen, aktiv betreiben. Bei einer Untersuchung auf Gemeindeebene habe ich Bürgermeister befragt, warum es so wenige Frauen in Funktionen gibt. Die Männer sagten, Frauen hätten kein Interesse, weil es eine leichte Antwort ist. Aber natürlich hängt es damit zusammen, welche Angebote man Frauen macht, wie offen man für sie ist, was sie abhält, in die Politik zu gehen, wie etwa die Sitzungskultur oder der Umgangston. Bürgermeisterinnen berichteten, Frauen hätten zu wenig Selbstbewusstsein. Das weist schon ein bisschen darauf hin, dass der Umgang in der Politik untereinander Frauen abschreckt. Die Doppelbelastung bzw. nicht familienfreundliche Arbeitszeiten in der Politik sprechen beide Geschlechter an, aber die männlich geprägte Parteistruktur benennen Gemeindepolitikerinnen sehr oft. Andere Argumente, dass Medien Frauen anders als Männer behandeln, stimmen zwar, das stört Frauen aber nicht so. In persönlichen Gesprächen erfahren wir, dass sozialer Druck im Umfeld eine Rolle spielt – wie könne man es seiner Familie antun, Bürgermeisterin zu werden. In Umfragen ist das schwer zu erheben, weil Befragte das dort so nicht zugeben. Parteien wollen Frauen, denn sie müssten sich erklären, wenn dort nur Männer säßen. Aber sie sind noch wenig bereit, die Strukturen zu verändern, damit Frauen sich gut entfalten können.
Welche Schwerpunkte setzen Sie als Rektorin der Hochschule Kärnten?
Ganz oben steht die KI. Wie verändert sie unsere Arbeitswelt, aber auch die Bildung? Wie muss sich eine Universität da umstellen? Das sind wichtige Fragen. Kärnten hat sich außerdem mit der Koralmbahn in ein anderes geografisches Umfeld gesetzt. Es geht darum, wie sich die Hochschule Kärnten gemeinsam mit den anderen Partnern auf dem Hochschulsektor positioniert, wie wir für Studierende, auch für internationale, attraktiv werden. Der dritte Punkt ist, zu erklären, welchen Mehrwert wir Kärnten und darüber hinaus der Region bringen, nicht nur, indem wir junge Menschen anziehen und ausbilden, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich, in Kooperationen mit dem Umfeld. Es gilt zu vermitteln, was für ein Biotop an Innovation und Austausch Universitäten sein und welche Bedeutung unsere Forschungsergebnisse haben können.
Wie stellen sich die Frauenquoten in den einzelnen Studienrichtungen an der Hochschule dar?
Klassischerweise denkt man daran, Frauen dafür zu interessieren, in Technik und Ingenieurswissenschaften einzusteigen. Wir haben das umgekehrte Problem: zu wenig Männer im Gesundheitsbereich und in Sozialwissenschaften. Ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer gibt es in Technik und Ingenieurswissenschaften, bei Wirtschaftswissenschaften sind es zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Bedenklich wird es bei Sozialwissenschaften, wo es nur 18 % Männer gibt – und bei Gesundheit mit nur 15 % männlichen Studierenden. Tatsächlich muss man Männer fördern, damit sie diese zukunftsträchtigen Berufe ergreifen.
Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle: Die Wahlbeteiligung war traditionell hoch. In jüngerer Zeit wurden in Deutschland Zahlen dazu erhoben, ich gehe davon aus, dass diese Studien auf Österreich umlegbar sind. Laut diesen Daten ist die Wahlbeteiligung von Männern und Frauen ident. Geschlecht ist kein Grund, zur Wahl zu gehen oder nicht. Ausschlaggebend sind Bildung, die Einbindung in Netzwerke und wie man sich vertreten fühlt. Man redet immer vom aktiven Wahlrecht, d. h. wählen zu gehen. Aber beim passiven Wahlrecht, also gewählt zu werden, gibt es einen beträchtlichen Gender-Gap (Geschlechterunterschied). Der gesellschaftliche Druck, Frauen als Kandidatinnen vorzuweisen, ist größer geworden. Was die Präsenz der Frauen, etwa als Bürgermeisterinnen, betrifft, geht es zwar aufwärts, aber zäh. Als erstes parlamentarisches Gremium in Österreich hat es der Vorarlberger Landtag geschafft, 50 % Frauen als Mandatarinnen zu haben.
Welchen Handlungsbedarf sehen Sie bei der Listenerstellung und in der Motivation von Frauen, in die Politik zu gehen?
Hier gibt es großen Handlungsbedarf. Das eine ist das Reißverschlussprinzip, das andere, ob Frauen auch zu den Mandaten kommen und wie ernsthaft die Parteien im Vorfeld die Ermutigung von Frauen, in die Politik einzusteigen, aktiv betreiben. Bei einer Untersuchung auf Gemeindeebene habe ich Bürgermeister befragt, warum es so wenige Frauen in Funktionen gibt. Die Männer sagten, Frauen hätten kein Interesse, weil es eine leichte Antwort ist. Aber natürlich hängt es damit zusammen, welche Angebote man Frauen macht, wie offen man für sie ist, was sie abhält, in die Politik zu gehen, wie etwa die Sitzungskultur oder der Umgangston. Bürgermeisterinnen berichteten, Frauen hätten zu wenig Selbstbewusstsein. Das weist schon ein bisschen darauf hin, dass der Umgang in der Politik untereinander Frauen abschreckt. Die Doppelbelastung bzw. nicht familienfreundliche Arbeitszeiten in der Politik sprechen beide Geschlechter an, aber die männlich geprägte Parteistruktur benennen Gemeindepolitikerinnen sehr oft. Andere Argumente, dass Medien Frauen anders als Männer behandeln, stimmen zwar, das stört Frauen aber nicht so. In persönlichen Gesprächen erfahren wir, dass sozialer Druck im Umfeld eine Rolle spielt – wie könne man es seiner Familie antun, Bürgermeisterin zu werden. In Umfragen ist das schwer zu erheben, weil Befragte das dort so nicht zugeben. Parteien wollen Frauen, denn sie müssten sich erklären, wenn dort nur Männer säßen. Aber sie sind noch wenig bereit, die Strukturen zu verändern, damit Frauen sich gut entfalten können.
Welche Schwerpunkte setzen Sie als Rektorin der Hochschule Kärnten?
Ganz oben steht die KI. Wie verändert sie unsere Arbeitswelt, aber auch die Bildung? Wie muss sich eine Universität da umstellen? Das sind wichtige Fragen. Kärnten hat sich außerdem mit der Koralmbahn in ein anderes geografisches Umfeld gesetzt. Es geht darum, wie sich die Hochschule Kärnten gemeinsam mit den anderen Partnern auf dem Hochschulsektor positioniert, wie wir für Studierende, auch für internationale, attraktiv werden. Der dritte Punkt ist, zu erklären, welchen Mehrwert wir Kärnten und darüber hinaus der Region bringen, nicht nur, indem wir junge Menschen anziehen und ausbilden, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich, in Kooperationen mit dem Umfeld. Es gilt zu vermitteln, was für ein Biotop an Innovation und Austausch Universitäten sein und welche Bedeutung unsere Forschungsergebnisse haben können.
Wie stellen sich die Frauenquoten in den einzelnen Studienrichtungen an der Hochschule dar?
Klassischerweise denkt man daran, Frauen dafür zu interessieren, in Technik und Ingenieurswissenschaften einzusteigen. Wir haben das umgekehrte Problem: zu wenig Männer im Gesundheitsbereich und in Sozialwissenschaften. Ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer gibt es in Technik und Ingenieurswissenschaften, bei Wirtschaftswissenschaften sind es zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Bedenklich wird es bei Sozialwissenschaften, wo es nur 18 % Männer gibt – und bei Gesundheit mit nur 15 % männlichen Studierenden. Tatsächlich muss man Männer fördern, damit sie diese zukunftsträchtigen Berufe ergreifen.
Zur Person
FH-Professorin MMag. Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle absolvierte ein Studium der Rechts- und Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck. Sie leitete Public Management-Lehrgänge und fungiert seit Oktober als Rektorin der CU – Carinthia University of Applied Sciences, der Hochschule Kärnten.