Grünland im Winter richtig einschätzen
Der Winter gilt im Grünland oft als „ruhige Zeit“. Er bietet aber eine gute Gelegenheit, Bestände zu beurteilen, Schäden zu erkennen und Vorbereitungen für die Vegetationszeit zu treffen. Wer jetzt genau hinschaut, kann Ertrags- und Qualitätsverluste reduzieren.
Winterbonitur ohne Schneedecke
Im Winter sind Wachstumsprozesse weitgehend eingestellt. Dadurch werden Schäden, Lücken und Fehlentwicklungen besonders sichtbar. Gleichzeitig ist der Konkurrenzdruck durch wüchsige Gräser gering, sodass sich die tatsächliche Zusammensetzung der Narbe gut erkennen lässt. Die Winterbeurteilung bildet somit eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Nachsaaten, Pflege- und Düngemaßnahmen im Frühjahr.
Bestände richtig beurteilen
Bei der Einschätzung des Grünlandes sollten mehrere Kriterien berücksichtigt werden:
- Narbendichte: Eine dichte, geschlossene Grasnarbe schützt vor Erosion, Unkrautbesatz und Trittschäden. Als Richtwert gilt: Mindestens 70 % der Fläche sollten von erwünschten Gräsern bedeckt sein.
- Artenzusammensetzung: Leistungsfähige Futtergräser wie Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe oder Knaulgras sind ein Zeichen für gutes Grünland. Dominieren hingegen Gemeine Rispe, Quecke oder breitblättrige Unkräuter, besteht Handlungsbedarf.
- Lücken und Bodenoffenheit: Offene Bodenstellen deuten auf Narbenschäden, Nährstoffmängel oder Nutzungsschäden hin und begünstigen die Verunkrautung. Bodenstruktur: Verdichtungen, Staunässe oder Maulwurfshaufen beeinträchtigen die Bestandsentwicklung und sollten ebenfalls beurteilt werden.
Typische Winterschäden erkennen
Der Winter kann dem Grünland auf unterschiedliche Weise zusetzen:
- Frost- und Auswinterungsschäden: Der Wechsel von Frost und Tauwetter kann Pflanzen aus dem Boden heben. Besonders gefährdet sind flachwurzelnde Gräser.
- Schneeschimmel: Eine längere Schneebedeckung mehr als 100 Tage (zurzeit nicht möglich) auf gefrorenem Boden begünstigt den Pilzbefall, der sich durch grauweiße, verfilzte Stellen äußert, vor allem die Loliumarten (Raygräser) sind gefährdet.
- Staunässe und Trittschäden: Nase Böden verlieren die Tragfähigkeit. Somit führt das Befahren oder Beweiden zu nachhaltigen Narbenschäden.
- Wild- und Mäuseschäden: Fraßgänge und offene Stellen schwächen die Grasnarbe und erhöhen das Risiko für Unkrautbefall.
Überlegungen dazu ableiten
Auf Basis der Winterbonitur bei Beständen ohne Schneedecke lassen sich gezielte Maßnahmen planen:
Nachsaat rechtzeitig vorbereiten: Lückige Bestände sollten frühzeitig für eine Nachsaat im Frühjahr eingeplant werden. Jetzt lassen sich Saatgutmengen und Mischungen gezielt auswählen.
Die Winterzeit ist mehr als nur eine Vegetationspause. Eine sorgfältige Beurteilung des Grünlandes ermöglicht es, Schäden frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen für das kommende Jahr zu treffen. Wer sein Grünland jetzt richtig einschätzt, schafft die Grundlage für stabile Erträge, Futterqualitäten und ein erfolgreiches Grünlandjahr 2026.
Nachsaat rechtzeitig vorbereiten: Lückige Bestände sollten frühzeitig für eine Nachsaat im Frühjahr eingeplant werden. Jetzt lassen sich Saatgutmengen und Mischungen gezielt auswählen.
- Pflegemaßnahmen abstimmen: Striegeln, Walzen oder Schleppen können helfen, Unebenheiten auszugleichen und die Bestockung zu fördern, allerdings nur bei passenden Bodenbedingungen.
- Düngestrategie überdenken: Eine angepasste Frühjahrsdüngung unterstützt den zügigen Wiederaustrieb. Die Nutzung sollte geplant werden, denn eine angepasste erste Nutzung im Frühjahr schont geschwächte Bestände und fördert die Regeneration. Bei Problembeständen kann eine Frühjahrsvorweidung durchgeführt werden. Darunter versteht man die Weidenutzung im Frühjahr, die der gezielten Reduktion von Unkräutern vor der Hauptnutzung als Schnitt und der Festigung der Wiesennarbe dient.
Die Winterzeit ist mehr als nur eine Vegetationspause. Eine sorgfältige Beurteilung des Grünlandes ermöglicht es, Schäden frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen für das kommende Jahr zu treffen. Wer sein Grünland jetzt richtig einschätzt, schafft die Grundlage für stabile Erträge, Futterqualitäten und ein erfolgreiches Grünlandjahr 2026.
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