Grundfuttermangel: So kann die Futterversorgung gesichert werden
Die ausbleibenden Niederschläge und hohen Temperaturen der vergangenen Wochen wirken sich regional bereits negativ auf die Futtersituation aus. Durch die anhaltende Trockenheit können sich zudem Probleme für die Gestaltung der Herbst- und Winterfütterung ergeben.
Um eine Verschärfung der Situation zu vermeiden, müssen rasch Maßnahmen gesetzt werden. Das vorhandene Grundfutter muss gezielt eingesetzt und bei Bedarf durch Zukauffutter ergänzt werden, um unkoordinierte Viehverkäufe zu verhindern. Keinesfalls dürfen Tiere hungern. Ein unsachgemäßer oder einseitiger Einsatz von Futtermitteln mit negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere ist zu vermeiden.
Wichtige Empfehlungen bei Grundfutterknappheit
- Vorhandenes Grundfutter guter Qualität nicht gleichmäßig knapp an alle Tiere verteilen, sondern gezielt nach Leistungsgruppen zuteilen.
- Fehlende Nährstoffe bei allen Tierarten durch zusätzliche Kraftfuttergaben ergänzen und auf wiederkäuergerechte Rationen achten.
- Mineralstoff- und Vitaminversorgung: Durch die einseitige Rationsgestaltung kommt der Versorgung über Mineralstoffmischungen besondere Bedeutung zu. Viehsalz zur Natriumversorgung sollte jederzeit angeboten werden.
- Möglichst rasch Futtermittel zukaufen oder einlagern (z. B. Heu, Stroh, Silagen, Zwischenfrüchte, Getreide oder Trockenschnitzel) beziehungsweise den Viehbestand reduzieren.
- Wenn vorhanden, Zwischenfrüchte in die Fütterung einbauen.
- Einen Winterfutterplan erstellen (Grundfutteranalysen, Rationsberechnungen, Rationsplanung und Futterzuteilung) und langfristige Sparmaßnahmen sofort umsetzen.
Fütterung nach Leistungsgruppen
Rinder mit einem geringeren Nährstoffbedarf, wie altmelkende oder trockenstehende Kühe sowie Jungvieh im zweiten Lebensjahr, können mit Stroh, grobem Heu und gegebenenfalls Silage versorgt werden. Bei schlechter Futterqualität empfiehlt sich eine Ergänzung mit Getreide, Kleien oder Trockenschnitzeln.
Bei Kühen mit hoher Milchleistung sollte am wenigsten am hochwertigen Grundfutter gespart werden. Etwas höhere, leistungsbezogene Kraftfuttermengen im Rahmen einer wiederkäuergerechten Ration sind anzustreben. Die Obergrenze von maximal 50 Prozent Kraftfutteranteil ist einzuhalten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 1 kg Kraftfutter rund 0,3 kg Grundfutter-Trockenmasse verdrängt.
Je weiter die Milchleistung im Verlauf der Laktation absinkt, desto mehr kann bei gutem Grundfutter eingespart und beispielsweise Stroh eingesetzt werden.
Bei trockenstehenden Kühen besteht das größte Einsparungspotenzial. Eine Fütterung zur Pansenfüllung mit Stroh, grobem Heu und etwas Silage ist bis etwa zwei Wochen vor der Abkalbung möglich. Danach sollte zur Vorbereitung auf die Laktation wieder hochwertigeres Grundfutter mit einer Kraftfutterergänzung (Getreide, Kleien) verfüttert werden. Besonders wichtig ist dabei eine bedarfsgerechte und ausgewogene Mineralstoff- und Vitaminversorgung.
In der Rindermast empfiehlt sich eine intensivere Mast mit höheren Kraftfuttergaben bis etwa 4 kg pro Tier und Tag. Dadurch können die Tiere früher vermarktet und Grundfutter eingespart werden.
Ersatzfuttermittel für fehlendes Grundfutter
Da Wiederkäuer von Natur aus auf die Verdauung rohfaserreicher Futtermittel spezialisiert sind, muss auch beim Einsatz von Ersatzfuttermitteln darauf Rücksicht genommen werden.
Stroh
- dient ausschließlich als Rohfaser- und Strukturlieferant.
- eignet sich als Ergänzung zu kraftfutterreichen Rationen und strukturarmen Grundfuttermitteln, etwa Zwischenfrüchten.
- ist nährstoff- und mineralstoffarm und daher nur begrenzt einsetzbar.
- Alle Stroharten sind grundsätzlich geeignet, werden jedoch unterschiedlich gerne gefressen. Um die Aufnahme zu verbessern, sollte Stroh mit Heu, Grassilage, Kraftfutter oder Melasse vermischt werden.
Zwischenfrüchte
- weisen einen hohen Wasser- und Eiweißgehalt auf, sind jedoch strukturarm und energiearm.
- Tagesmengen von rund 30 kg je Kuh sollten nicht überschritten werden.
- Eine Ergänzung mit Heu oder Stroh sowie energiereichen Kraftfuttermitteln ist notwendig.
- Sie können frisch verfüttert werden. Eine Silierung ist nur sinnvoll, wenn Verschmutzungen mit Erde vermieden werden.
Biertreber
- können frisch oder siliert verfüttert werden.
- sind eiweißreich und besitzen einen relativ hohen Rohfasergehalt, jedoch ohne Strukturwirkung.
- Einsatzmengen: maximal 6 bis 8 kg je Kuh und Tag, bei Maststieren 1 bis 2 kg je 100 kg Lebendgewicht.
Trockenschnitzel
- sind ein schmackhaftes und energiereiches Futtermittel.
- dienen in Futtermischungen zur Verbesserung der Futteraufnahme.
- Einsatzmenge: bis zu 4 kg je Kuh und Tag.
Melasse
- ist ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung.
- wird aufgrund ihrer Schmackhaftigkeit vor allem zur Verbesserung der Futteraufnahme, etwa bei Strohfütterung, eingesetzt.
Kleien
- enthalten viel Rohfaser, Mineralstoffe und Spurenelemente.
- sollten in grundfutterarmen Rationen nicht fehlen.
- sind bezogen auf den Energiegehalt teurer als Getreide.
Raps- und Sonnenblumenschrote beziehungsweise -kuchen
- sind eiweißreiche Nebenprodukte der Ölgewinnung mit rund 35 Prozent Eiweiß und 14 bis 18 Prozent Rohfaser.
- können bis zu 25 Prozent der Kraftfuttermischung ausmachen.
- Aufgrund des hohen Phosphorgehaltes muss die Mineralstoffergänzung angepasst werden.
Grasgrünpellets
- bestehen aus künstlich getrocknetem Grünfutter.
- enthalten 13 bis 15 Prozent Eiweiß.
- haben durch die Pelletierung ihre volle Strukturwirkung verloren und eignen sich daher nur als Ergänzung zu strukturwirksamen Futtermitteln.
Luzernepellets
- enthalten 18 bis 19 Prozent Eiweiß.
- werden ähnlich wie Grasgrünpellets eingesetzt und eignen sich besonders für die Milchviehfütterung.
Mais-Ganzpflanzen-Pellets
- bestehen aus künstlich getrocknetem Silomais.
- sind energiereich und weisen einen mittleren Rohfasergehalt auf.
Von Futtermittelfirmen werden außerdem spezielle rohfaserreiche Kraftfuttermischungen zur Ergänzung des Grundfutters angeboten.
Beispiele für Ersatzfuttermischungen
1 kg gutes Wiesenheu entspricht ungefähr:
- 0,5 kg Stroh
- 0,2 kg Rapsschrot
- 0,2 kg Gerste
10 kg gute Grassilage entsprechen:
- 5 kg Grassilage
- 2 kg Biertreber
- 1 kg Trockenschnitzel
- 0,5 kg Stroh
10 kg Maissilage können ersetzt werden durch:
- 5 kg Maissilage
- 0,6 kg Trockenschnitzel
- 0,6 kg Gerste
- 0,5 kg Stroh