Gemüsebäuerin gestaltet Zukunft
Sie bauen auf dem Betrieb Salat an. Wie entstand die Idee? Wo und mit welchen Partnern produzieren und vermarkten Sie?
Bei uns am Acker finden Sie Krauthäuptel, Häuptel und Mixsalate. Im Frühling ernten wir auch Frühkraut. Meine Eltern stellten den Betrieb beim EU-Beitritt Österreichs um. Mein Papa sah in der Viehwirtschaft wenig Zukunft. So setzte er auf Salatanbau und bewies Weitblick. Wir produzieren das Gemüse im Rahmen einer ackerbaulichen Fruchtfolge zur Gänze im Freiland; d. h., auf diesem Acker ernten wir erst in drei bis vier Jahren wieder Salat. Dazwischen bauen wir Getreide, Körnermais und Gründüngungen an. Wir bewirtschaften 20 ha Ackerland. Gut ein Viertel nutzen wir für Salat. Großteils vermarktet Hofer, für uns ein fairer und verlässlicher Handelspartner, das Gemüse. Im Umkreis von Spittal beliefern wir Handel und Gastronomie direkt. Um 6 Uhr ernten wir; um 7.30 Uhr liegt der Salat taufrisch im Regal. Das ist das größte Qualitätsmerkmal.
Wie sieht Ihr Arbeitstag derzeit aus? Wann läutet der Wecker
Mein Wecker klingelt kurz nach 4 Uhr morgens. Eine Stunde später stehen wir mit Helfern am Acker und ernten. Parallel dazu wird der knackfrische Salat zu umliegenden Standorten geliefert. Nach der Ernte starten wir mit der Pflege, Mitarbeiter unterstützen uns tatkräftig. Tätigkeiten wie Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutz vollführen wir allein. Wir verwenden vorrangig Pflanzenstärkungsmittel wie ein Knoblauchpräparat, das wir präventiv gegen Läuse ausbringen. Präparate aus Braunalgen oder Ackerschachtelhalm setzen wir ebenso ein. Gedüngt wird dann, wenn die Qualität der Bodenproben dies anzeigt. Wir ziehen vor jeder Pflanzung, wöchentlich, selbst Bodenproben, um optimal zu düngen. Der Handel fordert gleich große Salatköpfe. Diese wachsen nur dann gleichmäßig, wenn der Boden flächendeckend ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Die Salatzeit beginnt im Februar. Dann werden die Jungpflanzen in der Südsteiermark bestellt. Ab Mitte März pflanzen wir am Feld an. Zum Muttertag ernten wir das erste Mal. Die Salatsaison endet Anfang bis Mitte November.
Braucht der Hof angesichts des Klimawandels einen Plan B?
Der Klimawandel hat unsere Salatsaison verlängert. In den Anfängen war Mitte September mit der Ernte Schluss. Jetzt dürfen wir bis längstens Mitte November am Feld sein. Wegen der Hitze passten wir unsere Arbeitszeiten an und bemühten uns um hitzeresistente Salatsorten. Auch Salat kann einen „Sonnenbrand“ bekommen. Dem Hagel sind wir ausgeliefert; zwar haben wir Netze, diese schützen bei heftigen Wetterkapriolen jedoch kaum. Das Thema Bewässerung fordert uns zunehmend. 15 ha sind bei uns, großteils mit Tiefbrunnen, bewässerbar. Ein Anschluss erfolgt über die Wasserversorgung der Stadt Spittal. Fehlender Niederschlag wird Debatten und das Setzen von Prioritäten nach sich ziehen. Kühlaggregate von Rechenzentren erfordern Wassereinsatz; in privaten Haushalten werden Rasen gepflegt und Pools genutzt. Und Bauern stellen Lebensmittel her und versorgen Tiere. Da kommt etwas auf uns zu!
Gibt es für die Ernte genug Arbeitskräfte?
Die Helfenden kommen aus umliegenden Dörfern; meist packen fitte Pensionisten mit an. Heuer haben wir auch drei Burschen als Ferialpraktikanten. Für gute Stimmung am Feld sorgt eine spannende Mischung von Persönlichkeiten. Nach der Ernte frühstücken Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam am Ackerrand. Ein herzliches Dankeschön – ohne sie gäbe es uns in dieser Form nicht. Unentbehrliche Arbeiten an Haus und Hof, die wir sehr wertschätzen, leisten auch meine Großeltern.
Was möchten Sie jenen mitgeben, die (Ihren) Salat kaufen?
Stelle ich mich als Salatbäuerin vor, kommt immer die gleiche Frage: „Poah, Salatbäuerin, das ist bestimmt anstrengend?!“. Ja, aber für mich ist es der schönste Job der Welt!
Wann denken Sie: „Genau deshalb liebe ich es, Bäuerin zu sein?
Wenn meine Kinder mit mir am Feld sind und unter freiem Himmel arbeiten – ein Geschenk, das auch Herausforderungen birgt. Erleben wir schönste Sonnenaufgänge, und die Salatkisten sind gefüllt, ist das ein erhabenes Gefühl. Es macht mich glücklich und dankbar.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?
Noch mehr regionale Wertschätzung für unsere Arbeit und Produkte. Die Logistik ist für kleine Lebensmittelproduzenten eine große Herausforderung. Viele bringen ihre Produkte direkt in kleine Läden, zu Gasthäusern oder ins Geschäft und haben dieselben Wege. Warum schaffen wir es nicht, zusammen ein Logistiksystem aufzubauen? Fährt jeder selbst, hat er mehr Spritkosten und Zeitaufwand. Diese Denkaufgabe möchte ich allen mit auf den Weg geben. Vielleicht finden wir gemeinsam eine Lösung.
Zur Person
Die Salatbäuerin Magdalena Amlacher ist mit dem LFS-Lehrer Christoph Amlacher verheiratet und Mutter zweier Kinder: Valentin (8) und Helene (6), deren junge Hände schon in der Erde stecken. Sie wünscht sich mehr Wertschätzung für die Arbeit, die hinter jedem Salatkopf steckt.
Wenn der Tag erwacht, ist die Ernte am Mayrhof längst im Gange. Erntefrische beginnt hier noch vor Sonnenaufgang. Kaponig