Futterknappheit 2026 - mögliche Strategien für betroffene Regionen und Betriebe
Maßnahmen bei akutem Futtermangel
Um die Futterlücke zu schließen, sollten Betriebe mehrere Strategien gleichzeitig verfolgen:
- Sanieren des geschädigten Grünlandes: Hitzegeschädigte Wiesen brauchen dringend Hilfe durch eine gezielte Nachsaat (am besten im August). Lückige, ausgebrannte Stellen müssen mit standortangepassten Grünlandmischungen (geprüftes ÖAG-Saatgut) geschlossen werden, bevor Ampfer oder Löwenzahn die Flächen besiedeln. Die flach wurzelnde gemeine Rispe ist vielerorts bereits abgestorben und kann mit dem Nachsaatgerät jetzt vergleichsweise leicht herausgestriegelt werden.
- Anbau von Zwischenfrüchten (ein- oder überjährig): Auf Feldfutterstandorten können eine Vielzahl an rasch wachsenden Zwischenfrucht-Mischungen (z.B. Kleegras, Hafer-Erbsen-Wicken-Gemenge, Landsberger Gemenge oder Grünschnittroggen) angebaut werden, die bei ausreichender Feuchtigkeit zumindest einen wertvollen Herbstschnitt bzw. bei überwinternden Mischungen auch eine Nutzung im Frühjahr 2027 vor Silomais noch ermöglichen.
- Strategischer Futterzukauf: Reichen die eigenen Vorräte nicht aus, ist der Zukauf von Grund- und Ersatzfuttermitteln (Heu, Silagen, Stroh, Cobs oder Nebenprodukte) unumgänglich. Um Angebot und Nachfrage überregional im Land schnell und unbürokratisch zusammenzuführen, gibt es mehrere Online-Plattformen, wo vorwiegend Grundfutter und Stroh angeboten werden. Im Jahr 2020 wurde dazu ebenfalls auf der Homepage der LK OÖ eine LK-Futtermittelplattform eingerichtet. Abrufbar unter: Futtermittelplattform Angebote | LK Österreich
Beim Zukauf über Plattformen oder den freien Markt sollten Betriebe drei Kernpunkte beachten:
1. Qualität vor Quantität
Trotz akuter Futterknappheit dürfen keine Kompromisse bei der Futterhygiene gemacht werden. Schimmeliges Heu, verpilzte Silagen oder minderwertiges Stroh führen zu schweren Stoffwechselerkrankungen und Fruchtbarkeitsproblemen im Stall.
Trotz akuter Futterknappheit dürfen keine Kompromisse bei der Futterhygiene gemacht werden. Schimmeliges Heu, verpilzte Silagen oder minderwertiges Stroh führen zu schweren Stoffwechselerkrankungen und Fruchtbarkeitsproblemen im Stall.
- Kontrolle vor Ort: Persönliche Anwesenheit bei der Anlieferung (insbesondere bei Importware). Qualitätsmängel müssen sofort reklamiert werden, bevor die Ware eingelagert wird.
- Absicherung: Bei Verkauf von Landwirt zu Landwirt sollten unbedingt auch Lieferscheine angefertigt werden, Empfehlung: AMA-Futtermittellieferschein auf www.pastus.at unter: Richtlinien und Teilnahme / Futtermittel / pastus+ Zertifizierung / Downloads.
- Analysen nutzen: Das Futter nicht "blind" kaufen. Der Preis muss zum Nährstoffgehalt passen. Eine Futtermittelanalyse im Vorfeld gibt Aufschluss über den tatsächlichen Wert (Energie- und Proteingehalt) der Ware.
- Wirtschaftlichkeit prüfen: Teure Zukäufe von minderwertigem Grundfutter rechnen sich nicht. In solchen Fällen kann eine gezielte Anpassung der Rationen wie in letztem Punkt beschrieben wirtschaftlich oft sinnvoller sein.
2. Transport und Logistik optimieren
Da ganze Regionen (z.B. Mühlviertel) flächendeckend unter Futternot leiden, muss das Ersatzfutter oft über weite Strecken aus besser versorgten Regionen herbeigeschafft werden.
Da ganze Regionen (z.B. Mühlviertel) flächendeckend unter Futternot leiden, muss das Ersatzfutter oft über weite Strecken aus besser versorgten Regionen herbeigeschafft werden.
- Frachtkosten beachten: Der Transport ist auch für gepresste Ballenware seit dem Iran-Krieg deutlich teurer geworden, bei der Abrechnung Pauschalpreise für den Transport gegenüber Abrechnung auf Regie vorziehen.
- Logistikeffizienz: Das bilden von Transportgemeinschaften mit Nachbarbetrieben, um LKW-Züge bestmöglich auszulasten.
3. Preisfindung zwischen Landwirten
Da der Markt für Grundfutter aufgrund der regionalen Verknappung zum Teil sehr angespannt ist und es hier große Preisunterschiede je nach Region gibt, sind pauschale Preisangaben für Grassilagen, Heu und Stroh landesweit schwierig. Die regionalen LK-Fütterungsberater der Beratungsstelle Rinderhaltung stehen für Fragen gerne zur Verfügung unter 050/6902-1650
Bei Silomais gibt es für heuer bereits neue Anhaltspunkte zur Preisfindung.
Anhaltspunkte zur Preisfindung für Silomais 2026 | Landwirtschaftskammer Oberösterreich
Da der Markt für Grundfutter aufgrund der regionalen Verknappung zum Teil sehr angespannt ist und es hier große Preisunterschiede je nach Region gibt, sind pauschale Preisangaben für Grassilagen, Heu und Stroh landesweit schwierig. Die regionalen LK-Fütterungsberater der Beratungsstelle Rinderhaltung stehen für Fragen gerne zur Verfügung unter 050/6902-1650
Bei Silomais gibt es für heuer bereits neue Anhaltspunkte zur Preisfindung.
Anhaltspunkte zur Preisfindung für Silomais 2026 | Landwirtschaftskammer Oberösterreich
Rationen flexibel anpassen
Die Verknappung von klassischer Grassilage zwingt zum Umdenken beim Fütterungsregime:
- Jungvieh und Trockensteher:
- Hier ist ein stark erhöhter Stroheinsatz (beim älteren Jungvieh über 50 Prozent der Ration) möglich. Stroh muss unbedingt kurz geschnitten werden (< 4 cm), um Selektion zu verhindern. Der Energie- und vor allem Eiweißmangel muss gezielt mit den passenden Kraftfutterkomponenten je nach Tierkategorie ausgeglichen werden.
- Milchkühe (laktierend):
- Erhöhter Einsatz von Silomais: Grassilage kann zu großen Teilen (50 bis 80 %) durch energiereiche Maissilage ersetzt werden. Der Mangel an Rohprotein und Struktur muss über Eiweißkomponenten und Futterstroh ausgeglichen werden. Richtig eingesetzt, kann auch der Einsatz von Futterharnstoff sinnvoll sein, da dieser pansenverfügbaren Stickstoff in die Ration bringt. Um den Grenzwert an Stärkemenge in der Ration nicht zu deutlich zu überschreiten (maximal 250 Gramm pro Kilogramm Trockenmasse), muss der Stärkegehalt in der Kraftfuttermischung meist deutlich reduziert werden. Das Risiko von Pansenacidosen lässt sich dadurch vermeiden. Gerade bei hohen Temperaturen mit geringeren Grundfutteraufnahmen sind die Tiere deutlich stabiler, wenn der Stärkegehalt in Rationen nicht zu hoch ist.
- Einsatz von Cobs: Mais- oder Grascobs (Analysebefund unbedingt notwendig!) sind hervorragende Energielieferanten, besitzen aber keine Strukturwirkung im Pansen. Sie wirken im Verdauungstrakt wie Kraftfutter und sollten eine Menge von 5 kg pro Tier und Tag nicht überschreiten.
- Einsatz von Nebenprodukten: Auch Nebenprodukte wie Biertreber, Kartoffelpresspülpe oder Pressschnitzel können sehr gut in Milchviehrationen eingesetzt werden. Das Um-Und-Auf ist eine saubere Silierung auf befestigtem Boden und ausreichend Vorschub, da diese noch anfälliger für Nacherwärmungen sind. Bei Problemen werden in der Praxis häufig organische Säuren zur Stabilisierung der Anschnittfläche im Sommer verwendet.
Beratung nutzen!
Größere Rationsumstellungen dürfen nicht unvorbereitet erfolgen. Jede Rationsänderung sollte im Vorfeld exakt berechnet werden, um Leistungseinbrüche und Tiergesundheitsrisiken zu vermeiden. Die Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer Oberösterreich stehen bei der Rationsgestaltung gerne helfend zur Seite.