Fruchtbarkeit und Kälbergesundheit im Fokus
Die Steigerung war vorwiegend durch die Marktlage am Rindermarkt begründet. Die guten Verkaufspreise erhöhten die Leistung der Nachkommen, welche den größten Faktor bei den Direktleistungen darstellen. Neben den Preisen hat die Anzahl der verkauften bzw. abgesetzten Kälber je Mutterkuh einen großen Einfluss auf die Höhe der Direktleistungen. Durch ein gutes Management in der Mutterkuhhaltung kann die Leistung je Mutterkuh erhöht werden.
Direktleistung steigern
Aus wirtschaftlicher Sicht muss in der Mutterkuhhaltung das Ziel erreicht werden, ein Kalb pro Kuh und Jahr abzusetzen bzw. zu verkaufen. Fruchtbare und gesunde Mutterkühe sind Voraussetzung dafür. Die Zwischenkalbezeit (Zeitdauer zwischen zwei Abkalbungen) sollte unter 365 Tagen liegen. Beim Blick auf die Ergebnisse im Arbeitskreis zeigt sich, dass die durchschnittliche Zwischenkalbezeit der Mutterkuhbetriebe 397 Tage beträgt, also gut ein Monat über dem Zielwert. Nur 20 % der ausgewerteten Betriebe schafften eine Zwischenkalbezeit unter 365 Tagen. Neben der Anzahl der geborenen Kälber am Betrieb ist auch die Aufzuchtquote entscheidend. Im Idealfall können alle geborenen Kälber vermarktet bzw. in einen anderen Betriebszweig (Jungviehaufzucht, Rindermast) abgesetzt werden, dies entspricht einer Aufzuchtquote von 100 %. Wenn bei zehn geborenen Kälbern eines verendet, liegt die Aufzuchtquote bei 90 %. Bei den Auswertungen im Arbeitskreis beträgt der Durchschnittswert über alle Betriebe 90,4 %. Nur elf Betriebe (4,5 %) im Arbeitskreis schafften im Auswertungsjahr 2025 eine durchschnittliche Zwischenkalbezeit unter 365 Tagen und gleichzeitig eine Aufzuchtquote von 100 %. Daraus kann abgeleitet werden, dass bei vielen Betrieben bei diesen Kennzahlen Optimierungspotenzial besteht. Neben der Anzahl der Kälber ist deren Qualität entscheidend, um gute Direktleistungen zu erzielen. Gesunde Kälber können ihre Leistung abrufen und erreichen entsprechende Absetz- bzw. Verkaufsgewichte. Beim Vergleich der besseren und schwächeren Betriebe bei der direktkostenfreien Leistung zeigte sich, dass erstere mehr Kälber mit durchschnittlich höheren Tageszunahmen vermarkten können.
Direktkosten senken
Eine gute Kälbergesundheit wirkt sich auch auf die Direktkosten aus, da Tiergesundheitskosten (Tierarzt, Behandlungen, etc.) verringert werden. Auch gesunde und fruchtbare Mutterkühe tragen dazu bei. Mit einer langen, produktiven Nutzungsdauer senken sie auch die Bestandsergänzungskosten. Diese sind im Durchschnitt der zweitgrößte Kostenfaktor, nur die Futterkosten haben einen höheren Anteil bei den Direktkosten. Unfruchtbarkeit bei den Kühen ist neben dem hohen Alter ein häufiger Abgangsgrund von Mutterkühen. Fruchtbare Mutterkühe zahlen sich in mehrfacher Hinsicht aus. Sie schaffen durch den Verkaufserlös ihrer Kälber jährlich eine Einnahmequelle und müssen auch nicht vorzeitig ausgetauscht werden. Des Weiteren haben sie im Vergleich zu Kühen mit hohen Zwischenkalbezeiten eine kürzere Trockenstehzeit und reduzieren dadurch die Futter- und Haltungskosten.
Management der Herde
Um ein Unternehmen oder einen Betriebszweig managen zu können, sind Aufzeichnungen notwendig. Von Tierlisten, die der eAMA-Datenbank entnommen werden können, über Aufzeichnungen der Belegungen oder Besamungen der Kühe bis hin zu detaillierten Notizen (z. B. Brunstgeschehen, Klauengesundheit, Tageszunahmen, etc.), Daten helfen bei Planung und Entscheidungsfindung. Problemkühe können leichter bestimmt und auch ausselektiert werden, z. B. wenn es wie heuer bei Futterknappheit notwendig ist. Gerade bei der Fruchtbarkeit der Kühe, die von mehreren Faktoren beeinflusst wird, sind Informationen wichtig, um mögliche Ursachen bei Problemen bestimmen zu können. Der Markt bestimmt die Preissituation. Der Einfluss des Betriebes auf die Preishöhe ist gering und kann bei Belieferung des Marktes nur durch eine Qualitätssteigerung erreicht werden. Bei der Auswertung im Arbeitskreis zeigte sich, dass sich die besseren und schwächeren Betriebe nach der direktkostenfreien Leistung je Mutterkuh deutlich unterscheiden. Optimale Zwischenkalbezeiten und hohe Aufzuchtquoten sind wesentliche Merkmale, welche die besseren Betriebe auszeichnen. Daher ist es in der Mutterkuhhaltung wichtig, die eigenen Möglichkeiten zu nutzen, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern.
Info: Beim Webinar „Tag der Mutterkuh“ am 6. November stehen die Themen „Fruchtbarkeit der Mutterkuh“ und „Kälbergesundheit“ am Programm.