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Beetgeflüster mit Kräuterhexe Karin Schlieber

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10.06.2026 | von Maria-Luise Kaponig

Ob Gartenfee, Kräuterhexe oder Permakultur-Expertin – ganz egal: Karin Schlieber steht für Naturgartenliebe, fundiertes Wissen und einen außergewöhnlich grünen Daumen.

Kräutersalz machen.jpg © Kaponig
Die getrockneten Kräuter werden fein zermahlen und dann mit Bergsalz vermischt. So lässt sich der Geschmack des Sommers das ganze Jahr über genießen! © Kaponig
Karin Schlieber verfügt über einen unglaublichen Erfahrungsschatz im Gartenbau. Sie war Beraterin in der Landwirtschaftskammer Kärnten. Ferner unterrichtete sie unter anderem viele Jahre in der ehemaligen Fachschule Drauhofen. Nebenbei baute sie mit ihrem Mann das Unternehmen Gartenservice Schlieber auf.

Wo liegen sprichwörtlich die Wurzeln Ihrer Leidenschaft fürs Garteln und für die beeindruckende Vielfalt an Pflanzen, Kräutern und Obst in Ihrem Nutzgarten?
Vermutlich liegt diese Leidenschaft in den Genen, denn meine Mama begeisterte mich schon als Mädel für die Gartenarbeit. Die Erde ist mein Element, und wenn meine Hände diese spüren, dann bin ich glücklich. Ich habe seit jeher schon jede Art der Weiterbildung in diesem Bereich genutzt. Bereits meine Maturaarbeit schrieb ich zum Thema Biolandbau. Damals erntete ich allerdings wenig positive Resonanz. Im Nachhinein betrachtet, war ich mit meinen Gedanken und meinem Tun oft zu früh dran. Dann gab es eine persönliche Begegnung mit dem Agrarrebell Sepp Holzer. Er hat mein weiteres Tun bestätigt und bis heute geprägt. Eine jede Pflanze wird von mir gehätschelt und getätschelt und findet Platz in unserem Garten, im Glashaus oder am Acker. Jetzt bin ich in Pension und mach’ nur noch das, was ich eigentlich wirklich will: Garteln, das macht mich glücklich.
Insbesondere in den letzten Jahren haben sich viele den Traum der eigenen grünen Oase verwirklicht. Das liegt absolut im Trend! Worin sehen Sie die drei häufigsten Fehler vieler
Hobbygärtner und Hobbygärtnerinnen?
Der erste Fehler ist, zu meinen, der Garten sei ein Wohnzimmer. Der Garten hat ein Eigenleben, wenn man es zulässt. Und unsere Aufgabe ist es, das zu spüren, zu fördern und zu stärken. Zweitens soll alles organische Material im Garten bleiben und kompostiert werden. Wir haben Starkzehrer wie die Zucchini, den Kürbis oder die Gurken. Genau diese brauchen eine gute, nährstoffreiche Erde. Unterstützend können Hornspäne, Urgesteinsmehl oder gut abgelagerter Mist als biologischer Dünger verwendet werden. Und zum Dritten fehlt vielen beim Garteln einfach die Geduld! Die Pflanzen brauchen Zeit zum Wachsen und zum Erblühen. Die Natur ist unser bester Lehrmeister.
Schwiegertochter Anja.jpg © Kaponig
Ein gutes Team - Karin Schlieber mit Schwiegertochter Anja. © Kaponig
Gibt es eine Pflanze, die in keinem Bauerngarten fehlen sollte?
Gegen alles ist ein Kraut gewachsen und als Kräuterhexe möchte ich sagen, der einjährige Beifuß ist eine kraftvolle Heilpflanze für jeden! Er stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte, wirkt entzündungshemmend, antiviral und antimikrobiell. Seine Bitterstoffe tun dem Magen- und Darmtrakt gut – egal ob man ihn als Tee, Tinktur oder Schnapserl einnimmt.
Mein persönlicher Begleiter aus der Naturheilkunde ist der Weißdorn. Er wirkt herzstärkend und blutdruckausgleichend – vor allem bei meinem Temperament“, so Karin Schlieber augenzwinkernd.
Achten Sie als Gartenexpertin auf Mondphasen und Tierkreiszeichen?
(Lacht.) Nein, ich achte auf das Wetter, beobachte die Natur, und mein Instinkt bestimmt dann, was zu tun ist. Ein guter Viehzüchter beobachtet auch jeden Tag seinen Tierbestand. Im Garten verhält es sich gleich – beobachten und mitwachsen, mit dem, was uns umgibt.

Die anhaltende Wasserknappheit stellt vor allem die Landwirtschaft vor große Herausforderungen. Debatten über sattgrüne Rasen oder häufige Autowäschen wirken in diesem Zusammenhang oft befremdlich. Wie gehen Sie in Ihrem Nutzgarten mit den ausbleibenden Niederschlägen und der Trockenheit um?
Die Wasserknappheit ist besorgniserregend. Bei uns am Betrieb wird alles Regenwasser gesammelt und in Naturteichen aufgefangen. Diese schaffen ein tolles Mikroklima im ganzen Garten. Wir achten in unserer Anlage wirklich drauf, dass jeder Tropfen, der vom Himmel fällt, auch aufgefangen wird. Natürlich sind gesunde Pflanzen auch resistenter gegen Hitzeperioden. Schattenbäume unbedingt stehen lassen. Mit der Veränderung vom Klima werden aber auch neue Pflanzen bei uns Heimat finden. Neben meinen Beeten platzieren sich ganz stolz eine Indianerbanane und ein Kakibaum. Letztendlich zeigt uns die Natur, wie mächtig sie ist. Ich glaube, mehr Demut würde uns Menschen guttun!

 
Bild Früh übt sich.jpg © privat
Früh übt sich bekanntlich, wer einmal Meister werden möchte. Enkelsohn Maxi schon fleißig im Einsatz. © privat
Die Kräuterhexe kocht … was verrät uns die Expertin?
Kräuter sind recht genügsame Pflanzen. Ganz besonders der Thymian, Lavendel, Oregano und Rosmarin kommen mit der gerade herrschenden Trockenheit gut zurecht. Die Diven im Kräuterbeet sind Basilikum und Dill. Der Basilikum mag keine Kälte, keine pralle Mittagssonne, keinen Wind und keine Feuchtigkeit auf den Blättern. Der Dill hingegen bevorzugt einen doch recht sonnigen Platz, verträgt weder Staunässe, noch Trockenheit. Er sollte bestenfalls ausgesät werden. Damit mich die herrlichen Aromen der Kräuter das ganze Jahr über begleiten, mache ich gerne Kräutersalz. Dabei verwende ich die Klassiker aus dem Kräutergarten, aber ich sammle auch Wildkräuter wie Giersch oder Brennnesseln. Getrocknet werden die Kräuter mit einem Dörrautomat, das Gerät braucht jeder Haushalt. Zum Mischen verwende ich österreichisches Bergsalz.

Sie sind auch erfolgreiche Buchautorin. Auf welches Ihrer Bestseller sollten Gartenfreunde keinesfalls verzichten, und welches Buch gehört Ihrer Meinung nach in jedes Bücherregal?
Mein Bestseller war „Gartenglück und Gaumenfreude“ und beinhaltet viele persönliche Erfahrungen für ein naturnahes und nachhaltiges Garteln. Außerdem finden sich dort viele Rezepte zum Haltbarmachen der eigenen Ernte. Mein neuestes – und vermutlich auch letztes – Buch trägt den Titel „Prinzip Permakultur“. Es ist ein praktischer Ratgeber, der zeigt, wie man die Prinzipien der Permakultur im eigenen Garten sinnvoll nutzen kann.
Ein persönlicher Abschluss: Was bedeutet für Sie ein erfülltes Leben?
Wenn die Enkelkinder am Sonntag zu uns ins Bett hüpfen, dann bin ich glückselig. Wir leben mit drei Generationen unter einem Dach, und wir verstehen uns. Dass meine Schwiegertochter Anja in unserem Betrieb die Produktveredelung und Vermarktung übernimmt, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Denn mein ganzes Leben, die viele Arbeit und Leidenschaft steckt hier in meinem Garten, hier in unserem Betrieb. Und mit der nächsten Generation geht unser Schaffen und unser Tun weiter. Anja ist eifrig, interessiert und lernwillig, und sie ist vor allem auch sehr geduldig mit mir (lacht). Ich darf dabei sein, Wissen weitergeben, mithelfen und das tun, was mich glücklich macht: garteln – mit meinem ganzen Erfahrungsschatz. Und wenn es einmal nicht so funktioniert, bin ich auch da, um zu unterstützen – ebenfalls mit meiner ganzen Erfahrung. Mit Niederlagen umzugehen lehrt einen das Leben. Erfahrung ist letztendlich das Geschenk, das uns das Älterwerden macht.

Vier Tipps aus der Praxis

1| Die Pflanzen müssen beim Setzen gut eingegossen werden.

2| Danach sollte man die Pflanzen aber nicht zu sehr verwöhnen mit zu vielem Gießen!

3| Ich empfehle Mulchen, denn das schützt vorm Austrocknen, insbesondere jetzt, wenn jeder Tropfen Wasser so gebraucht wird. Und Mulchen erspart viel Jätarbeit und fördert das Bodenleben. Ein gutes Bodenleben sorgt für kräftige, ertragreiche und widerstandsfähige Pflanzen und sichert eine gute Nährstoffversorgung.

4| Gießen sollte man im Sommer bevorzugt am Abend, nach Untergehen der Sonne. Hingegen im Frühjahr ist es ratsam, in der Früh zu gießen.
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