Auf Verdaulichkeit hin optimieren
Der Nährwert einer Ration bestimmt sich dadurch, wie viel die Tiere von dem vorgelegten Futter aufnehmen und in welchem Ausmaß sie die einzelnen Futterbestandteile verdauen sowie verstoffwechseln können. Um die Verdaulichkeit einer Ration bzw. die der darin enthaltenen Nährstoffe genau zu bestimmen, müssen die tägliche Futteraufnahme sowie die gesamte Kotmenge jedes einzelnen Tieres bekannt sein. Denn die Differenz zwischen der Nährstoffmenge im aufgenommenen Futter und der Nährstoffmenge im Kot ergibt die verdauliche Menge der betreffenden Nährstoffe. Wird die verdaute Menge zur aufgenommenen Menge ins Verhältnis gesetzt, erhält man die scheinbare Verdaulichkeit. So wichtig es auch ist, unter ökonomisch herausfordernden Produktionsbedingungen eine maximale Nährstoffausnutzung aus den eingesetzten Futtermitteln zu erreichen, praktisch durchführbar ist die Bewertung der Verdaulichkeit auf diesem Weg in keinem landwirtschaftlichen Betrieb.
Moderne Verfahren
In den letzten 20 Jahren wurde daher viel Forschungsarbeit betrieben, um allein aus der chemischen Zusammensetzung des Rinderkots die Verdaulichkeit und somit die Nährstoffausnutzung aus dem Futter abschätzen zu können. Der aktuelle Stand der Technik ist schon wieder einen Schritt weiter, denn mittlerweile wird die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) eingesetzt und auf eine klassische chemische Analyse des Rinderkots zumeist verzichtet. Hierbei wird von Kotproben mit unbekannter chemischer Zusammensetzung auf Basis ihrer NIRS-Spektren und zuvor erstellter Kalibrierungsgleichungen, mithilfe multivariater Regressionsgleichungen, die Verdaulichkeit der Nährstoffe aus dem Futter geschätzt. Im Prinzip dieselbe Methodik wird angewandt, wenn aus dem NIRS-Spektrum eines Futtermittels die Verdaulichkeit der darin enthaltenden Nährstoffe vorhergesagt wird. Über die Genauigkeit dieser Verfahren bzw. die Aussagekräftigkeit der Ergebnisse für die praktische Anwendung in der Fütterung wird in der Fachwelt noch heftig diskutiert. Realität ist jedoch, dass diese Untersuchungen in zunehmendem Maß angeboten und genutzt werden.
Verdaulichkeit berechnen
Im Grunde verbirgt sich dahinter das Versprechen, mit einer auf Verdaulichkeit optimierten Ration höhere Leistungen, bei effizienterem Futtereinsatz, zu erreichen. Ob dieses Versprechen mit der Qualität der aktuellen Schätzmodelle bereits eingelöst werden kann, bleibt abzuwarten. Unzweifelhaft jedoch ist, dass sich mit der Bestimmung der Verdaulichkeit von Stärke, Faser und Eiweiß Erkenntnisse für die Fütterung eröffnen, die eine Optimierung der Rationen in bislang nicht gekanntem Maß ermöglichen. Im Idealfall ist man hierfür nicht auf die Technik, die Kalibrierungsgleichungen oder statistischen Modelle einiger weniger Anbieter beschränkt, sondern kann mit gängigen Untersuchungsmethoden die Verdaulichkeit der Nährstoffe bestimmen. Eine Option hierfür haben Dr. Crystal E. Owens et al. im The Professional Animal Scientist 32 (2016) aufgezeigt, indem sie den Nachweis erbracht haben, dass es eine mathematische Verknüpfung zwischen Verdaulichkeit von Stärke und Faser und deren Konzentrationen im Kot beim Rind gibt. Sie stellten fest, dass, obwohl die Konzentrationen im Kot und die Verdaulichkeit der Futterbestandteile untrennbar miteinander verbunden sind, noch zwei weiterer Faktoren – (a) die tägliche Kotmenge, die mit der Unverdaulichkeit der Trockenmasse variiert, und (b) die Aufnahme der jeweiligen Komponente, die mit ihrer Konzentration im Futter und der Trockenmasseaufnahme variiert, direkten Einfluss auf die Höhe der Verdaulichkeit haben. Sind diese beiden zusätzlichen Faktoren bekannt, lässt sich die scheinbare Verdaulichkeit jedes Futterbestandteils direkt aus seiner Konzentration im Kot berechnen. Für die Berechnung der scheinbaren Verdaulichkeit von Stärke (in %) beispielsweise lautet die Formel: 100 – (Unverdaulichkeit der Trockenmasse des Futters in %/Stärke im Futter in %) x (Stärke im Kot in %) x 100. Wird zudem noch die Höhe der Futteraufnahme in die Berechnung mit einbezogen, so erhält man die aufgenommene Menge an Stärke, die verdaute Menge an Stärke und die ausgeschiedene Menge an Stärke. In Analogie zu diesem Rechengang lässt sich dies für alle Bestandteile im Futter durchführen. Die Ermittlung der Verdaulichkeit der Nährstoffe aus der eigenen Ration erfordert demnach lediglich die Untersuchung der eingesetzten Futtermittel, die Berechnung der Konzentration der Nährstoffe in der Ration und die Analyse einer repräsentativen Kotprobe.