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Almweide standortangepasst bewirtschaften

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20.05.2026 | von Ing. Hans Egger, BEd.

Eine effizientere Nutzung von Almflächen verbessert die Futterbilanz am Heimbetrieb.

In Österreich werden insgesamt 1.181.535 ha Grünland bewirtschaftet, davon werden 324.000 ha als Almfutterfläche bewirtschaftet. Kärnten hat ein Grünlandausmaß von 144.638 ha, davon wiederum 51.371 ha Almfutterfläche. In Kärnten überwiegen die Mittelalmen (über 1300 m) mit einem Anteil von 59 %, mehr als ein Drittel (35 %) sind Hochalmen (über 1700 m), Niederalmen (unter 1300 m) haben einen geringen Anteil von 6 %. In Spittal a. d. Drau liegen die meisten Hochalmen (>75 %). Hingegen in Wolfsberg liegen die Almen vorwiegend unter 1300 m. Der GVE-Anteil der Rinder beträgt über 90 % des gesamten Almviehbestandes. In Kärnten verbringt jedes vierte Rind bzw. Schaf den Sommer auf der Alm.
Die Almwirtschaft nutzt das natürliche und standortbedingte Futterangebot bestmöglich aus. Die Almbäuerin/​der Almbauer lenkt mit dem Almauftriebszeitpunkt, mit dem Viehbesatz, somit durch das gesamte Almweidemanagement, die ­Vegetationsentwicklung und den Ertrag wesentlich.
Weiße Germer.jpg © Egger
Der Weiße Germer ist ein Zeichen für zu selten und zu spät genutzte Almweiden. Die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme ist daher ein gutes Weidemanagement. © Egger

Zeigerpflanzen

Gräser, Klee und Kräuter sind wertvolle Pflanzen und liefern schmackhaftes Futter für das Almvieh. Das Engl. Raygras und der Glatthafer kommen beispielsweise bis max. auf 1500 m vor. Das Lebendgebärende Alpenrispengras ist ein wertvolles Futtergras auf Fettalmen und kommt in weiterer Folge auch auf Hochalmen vor. Nährstoffzeiger sind beispielsweise Frauenmantel und Gold-Pippau. Die Übernutzungs- und Bodenverdichtungszeiger sind das Läger-Rispengras und der Breitwegerich. Wenn der Boden sauer und ausgemagert ist, sinkt die Artenvielfalt, Bürstling und Arnika werden dominant. Weitere Säurezeiger sind Heidelbeere, Schwarzbeere, Drahtschmiele oder der Almrausch. Ein typischer Kalkzeiger ist die Alpen-Aster. In Kalkgebieten kommen mehr Pflanzen vor. Auch die länger zurückliegenden Kalkversuche auf Almen zeigen, dass durch eine Kalkung eine bessere Futterqualität erreicht wird. Langfristig wäre es günstig, wenn auf Almböden der pH-Wert über 5,0 liegt, sinkt er darunter ab, sollte gekalkt werden. Mit einer Bodenuntersuchung kann der pH-Wert gut festgestellt werden. Erst wenn der pH-Wert über 5,0 liegt, können andere Wirkung entfalten. Die standortgerechte Bewirtschaftung hängt vom Boden ab, somit vom Ausgangsgestein.

Almweidemanagement

Der Nährstoffgehalt von alpinem Grünlandfutter liegt bei 4 bis 5,5 MJ NEL/​kg TM. Bei einem frühzeitigen Almweidebeginn und bei günstigen Standorten sind Energiegehalte über 5,5 MJ NEL/​kg TM möglich. Der Futterertrag und der tägliche Futterzuwachs sind deutlich begrenzt. Vor allem ab Ende Juli geht der Futterzuwachs auf den Almweiden deutlich zurück. Das Weidemanagement muss daher so gestaltet werden, dass der Tierbesatz an den Futterbedarf der Tiere bzw. das Flächenausmaß auf den Tierbesatz abgestimmt ist. Die besten Flächen sollten den Milchkühen vorbehalten werden. Jung- und Galtvieh weiden vorzugsweise nach den Milchkühen bzw. auf den Magerweiden. Die entlegensten Flächen und steile Hänge werden mit Schafen bestoßen. Die Tiere sollten zu guten Futterverwertern erzogen werden. Durch angepasste und nicht zu große Koppeln wird das Weidevieh gezwungen, auch weniger schmackhafte Futterstellen zu nutzen. Das Pferd ist ein dankbarer Nachweider. Es frisst nach den Rindern auch weniger schmackhafte Pflanzen, wie den Bürstling oder die Rasenschmiele, und putzt so die Weideflächen. Auf Almen findet man vorwiegend Koppel- und extensive Standweidesysteme vor. Vor allem die Koppelalmweiden liefern ein gutes Futter über die gesamte Alpungsperiode. Die Weiden werden gleichmäßig abgefressen, und viele Probleme, wie Verheidung durch Verunkrautung, werden hintangehalten. Durch die Koppelwirtschaft kann der Nutzungszeitpunkt optimal auf den Qualitätsertrag der Fläche abgestimmt werden. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Almweidesysteme können aus den Tabellen entnommen werden.
Farn@Egger.jpg © Egger
Durch langjährige Unternutzung der Almen wird das Wachstum des Farns gefördert. Intensive frühe Beweidung drängt ihn zurück. © Egger

Klimawandel

Im Alpenraum verändert sich das Klima besonders schnell: +2 °C Klimaerwärmung auf Österreichs Almen in nur 25 Jahren ist die Bilanz einer neuen Langzeituntersuchung der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Es wird künftig heißer, trockener und der Frühling kommt früher. Mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung und passenden Gegenmaßnahmen können (und sollen) die Almen mit ihren vielfältigen Leistungen auch in Zukunft erhalten bleiben.

Früher auf die Alm: Es braucht eine genaue Beobachtung des Vegetationsbeginns und traditionelle Auftriebstermine müssen überdacht werden. Laut Prognosen der ÖKS15-Klimaszenarien bis zur Periode 2071–2100 könnte der Weidebeginn fünf Wochen früher stattfinden.
Ausführliche Infos und Anpassungsstrategien im Podcast der HBLFA Raumberg-Gumpenstein.
Vorsorge auf den Almen: Da der Klimawandel Extremwetterphänomene begünstigt, wird es immer wichtiger, für etwaige Kälteeinbrüche oder Hitzeperioden vorbeugende Maßnahmen zu treffen, wie zum Beispiel Zisternen anzulegen.

Überlegenswerte Almweideregeln

  1. Vorbereitung der Almweidetiere auf das Weiden bereits im Tal.
  2. Günstige Almstandorte zuerst beweiden. Nicht jedes Jahr mit denselben Parzellen starten, eine geregelte Weideführung sicherstellen und vor allem eine Unternutzung vermeiden.
  3. Nach Möglichkeit Koppelung und Umtriebsweidehaltung durchführen.
  4. Bestoßungsdauer der Koppeln an Futterangebot anpassen.
  5. Beweidung von Hochalmen im Juli – Wanderung talwärts im Spätsommer.
  6. Früh mit der Beweidung beginnen.
  7. Rechtzeitiger Herbstabtrieb: Im Herbst sieht man sehr schön, ob das Almvieh im Frühjahr zu spät aufgetrieben wurde, wenn viel überständiges Futter im Herbst übriggeblieben ist.
  8. Vor dem Almabtrieb im Spätsommer bzw. Herbst sollte das Almvieh jene Almflächen beweiden, die im Frühjahr zuerst bestoßen wurden (zweiter Aufwuchs).

    Mehr Infos zur Almwirtschaft gibt es hier.

 

Vor- und Nachteile der Almweidesysteme

Koppel- bzw. Umtriebsweide
Vorteile
  • Ausreichendes Futter bis zum Ende der Alpungsperiode (geringe Weideverluste)
  • Bessere Futterqualität (bessere Verdaulichkeit und höherer Energiegehalt) als auf Standweiden
  • Gleichmäßige, intensive Beweidung aller Flächen
  • Nur geringe Verunkrautung
  • Bessere Übersicht über das Almvieh
  • Leichtes und bequemes Zusammentreiben der Tiere
  • Geringe Trittschäden
Nachteile
  • Hohe Kosten für die Zaunerrichtung und -erhaltung, Alternative wären Elektrozäune – wenn möglich
  • Einrichten von Tränkestellen in allen Koppeln
  • Insgesamt höherer Zeitaufwand, der aber durch bessere Weideerträge mehr als wettgemacht wird

Standweide
Vorteile
  • Zäune werden nur an den Almgrenzen und als Schutzzäune für das Vieh benötigt.
  • Es werden nur wenige Tränkestellen benötigt.
  • Insgesamt ist der Zeitaufwand geringer als bei der Umtriebsweide.
Nachteile
  • Futterüberschuss bei Weidebeginn
  • Selektive Beweidung aller Flächen
  • Schlechte Futterqualität durch überständiges Futter
  • Hohe Energieverluste der Weidetiere bei der Futtersuche
  • Häufig wird ab Juli/​August das Futter knapp.
  • Die Flächen neigen zur Verunkrautung.
  • Die Tiere müssen häufig gesucht werden.
  • Hoher Vertritt durch lange Futterwege des Weideviehs
  • Schwierige Behirtung des Viehs

Lärchweide und Weide in Baumverbund
Vorteile
  • Unter einer lockeren Beschirmung mit Lärchen gedeihen häufig wertvolle Futterpflanzen.
  • Auf trockenen, sonnigen Hängen wirkt sich eine leichte Beschattung des Unterwuchses durch Lärchen positiv auf die Futterpflanzen aus.
  • Die Lärchen entnehmen als Tiefwurzler die Nährstoffe aus tiefen Bodenschichten.
  • Hingegen stehen die Nährstoffe der leicht verrottenden Lärchennadeln den Futterpflanzen zur Verfügung.
  • Dem Vieh steht jederzeit ein Unterstand bei schlechter Witterung oder Hitze zur Verfügung.
Nachteile
  • Die Flächen sind maschinell schwer zu pflegen.
  • Hoher Pflegeaufwand zur Erhaltung (die Fläche muss jährlich von herabfallenden Ästen und keimenden Jungbäumen gesäubert werden)

Waldweide
Vorteile
  • Durch die Beweidung mit ­Rindern werden Wildäsungsflächen geschaffen.
  • Die Verunkrautung von Jungkulturen kann durch eine extensive Beweidung hintangehalten werden.
  • Bei Waldweiden, die rund 15 ha Waldweide/​GVE bieten (Waldweide neu), erhöht sich die Biodiversität um rund 200 Arten.
  • Das Futter wächst im Wald durch die Beschattung langsamer und wird im Vergleich später überständig als auf Reinweiden.
  • An heißen Tagen werden Waldweiden vom Almvieh bevorzugt aufgesucht.
Nachteile
  • Das Vieh muss weite Strecken zurücklegen, um genügend Futter aufzunehmen.
  • Bei zu hoher Bestoßung und zu schweren Tieren treten durch die Beweidung Forstschäden auf.
  • Das Futter im Wald ist meist von geringer Menge und Qualität.




 

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