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Zukunftsfähige Grünlandsorten und -mischungen im Alpenraum

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24.06.2026 | von Ing. Hans Egger, BEd

Im Oktober 2025 fand an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein das Alpenländische Expertenforum zum Thema „Grünland­sorten und -mischungen für die Zukunft“ statt.

Seedmixversuch.jpg © Egger
Die Versuchsparzellen an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. © Egger
Anforderungen an Sorten und Prüfwesen (Süddeutschland) 
Durch den Klimawandel gewinnt die Sorte mehr an Bedeutung. Diese soll einen optimalen Trockenmasseertrag und eine hohe Futterqualität gewährleisten. Pflanzensorten, die kurze Trockenperioden gut aushalten, haben bessere Chancen, gute Erträge zu liefern als empfindlichere Sorten. Die Anteile an Schädlingen und Pilzkrankheiten nehmen in Verbindung mit den geänderten klimatischen Bedingungen zu, beispielsweise Kronen- und Braunrost an Raygräsern und Wiesenschwingel. Vor 15 Jahren gab es in Süddeutschland keine Auffälligkeiten gegenüber Rostkrankheiten. In Verbindung mit den geänderten klimatischen Bedingungen gewinnt die Sortenfrage an Bedeutung. Bis eine bestimmte Sorte am Markt erhältlich ist, dauert es ca. zehn Jahre (eine Dekade). Ein weiterer Punkt für die Etablierung der Sorte am Markt ist der Samenertrag. Der Aufwand (Kosten) für die Sortenprüfung ist deutlich höher bei einjährigen bzw. überjährigen als bei einerntigen Ackerkulturen (Mais, Wintergetreide usw.). 
Neben der Registerprüfung und Wertprüfung sind auch die Landessortenversuche von regionaler Bedeutung für die Sortenempfehlung. Die Züchtung und die Sortenprüfung sind bedeutender denn je, weil sich die klimatischen Bedingungen ändern, um dadurch Resilienz (Widerstandsfähigkeit) gegenüber Krankheiten, Trockenheit und Ertrag zu sichern. 

Zuchtziele der Futterpflanzen (Schweiz)
Das Zuchtziel der Agroscope (Schweizer Bundeskompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung) ist es, ertragreiche, konkurrenzstarke und ausdauernde Futterpflanzen zu züchten. In einem Projekt zwischen Agroscope und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein konnte beim Rotklee die Resistenz gegenüber Anthracnose (pilzbedingte Pflanzenkrankheit) beim Rotklee (Gumpensteiner, 3,2 auf 43,5 %, und Steirer Rotklee, 4,8 % auf 51,7 %) verbessert werden. Beim Zuchtfortschritt im tetraploiden Bastardraygras wird der Ertragsfortschritt in Verbindung mit der Verbesserung der Ausdauer erhöht. 

Saatgutmischungen für intensive Grünlandbewirtschaftung
Eine längere Vegetationszeit, häufigere Trockenperioden und Extremwetter­ereignisse erhöhen die Schwankungen in Ertrag und Futterqualität. Zur Erhaltung und Weiterentwicklung eines resilienten Bewirtschaftungssystems müssen daher angepasste Strategien entwickelt werden. Langfristig kann die Futterpflanzenzüchtung einen Beitrag leisten. Auch in Raumberg-Gumpenstein werden derzeit Programme umgesetzt, um trockenheitsresistente Genotypen auszutesten, die Krankheitsresistenz gegen klimawandelbedingt neu auftretende Schadorganismen (z. B. Anthracnose bei Rotklee) verbessern oder auch die Vielschnittverträglichkeit oder Verdaulichkeit von Grünlandarten (z. B. Glatthafer bzw. Rohrschwingel) steigern. Auch die Sortenwertprüfung kann durch Eignungsprüfung neuer Arten (z. B. Festulolium) sowie die Entwicklung nicht-destruktiver Analysemethoden mittels Spektralmessung (Lichtanalyse) mittelfristig einen Beitrag leisten. Dies zeigte sich beim Seedmixversuch, der an sieben Standorten in Österreich (siehe Abbildung) durchgeführt wurde. Die Versuchsfragen wie Standort und Nutzungshäufigkeit, Eignung von Saatgutmischungen für intensive Grünlandnutzung, Vergleich unterschiedlicher Saatgutqualitäten, Substitution von Wiesenschwingel mit trockenheitstoleranten Arten und Nachsaatwirkung auf Ertrag und Qualität standen im Vordergrund.

Seedmixversuch: Düngung
Die Düngung erfolgte gemäß den Vorgaben der Richtlinien für die sachgerechte Düngung (SGD). Auf konventionell bewirtschafteten Flächen wurden zur Ansaat 40 kg/​ha P₂O₅ mit Superphosphat sowie 100 kg/​ha K₂O mit Kalisalz (40 %) ausgebracht. Auf Bioflächen erfolgte keine Grunddüngung zum Versuchsstart, da ausreichende Werte im Boden gemessen wurden. Ergänzungsdüngungen zur Güllegabe erfolgten mit Patentkali und Rohphosphat.
  • Vier Schnitte = Ertragslage mittel: N 140 kg, P₂O₅ 75 kg, K₂O 200 kg/ha
  • Fünf Schnitte = ­Ertragslage hoch: N 210 kg (170 kg in Bio), P₂O₅ 115 kg, K₂O 330 kg/ha Kleegras (Mischung KM), N 40 kg/​ha im 1. Hauptnutzungsjahr (HNJ) und N-Erhöhung im Fall von Kleeabnahme.
Vergleich von Saatgutqualitäten
Im Versuch wurde die Eignung verschiedener Top-Qualitätsmischungen für die Vielschnittnutzung verglichen (B, VS, WM, IM, KM). Zusätzlich wurde der Mehrwert von ÖAG-Top-Sorten gegenüber Standardsorten anhand von Referenzmischungen (Saatgut Austria) sowie einer Trockenmischung (Dwi-r – Südtiroler Saatgutmischung) geprüft. Alle Varianten wurden mit empfohlener Saatstärke angebaut. ÖAG-Mischungen ermöglichten dabei eine Saatguteinsparung von bis zu 16,7 % und sollen sowohl pflanzenbauliche, als auch wirtschaftliche Vorteile aufzeigen.

Substitution von Wiesenschwingel
In den letzten Jahren führte die AGES verstärkt Sortenwertprüfungen zu alternativen Grünlandarten durch, um deren Eignung für österreichische Saatgutmischungen zu bewerten. Für den Versuch wurden ausgewählte Sorten von Rohrschwingel (Barolex, Barelite) sowie Festulolium (Sorte: Hostyn) eingesetzt. In allen fünf ÖAG-Mischungen wurde dabei Wiesenschwingel durch diese Arten ersetzt. Ziel war eine fundierte Bewertung ihrer Mischungsleistung als Grundlage für Beratungsempfehlungen. Die ursprünglich gewählten Rohrschwingelsorten sind jedoch aktuell nicht mehr in der österreichischen Sortenliste geführt.

Nachsaatwirkung auf Ertrag und Qualität
Immer wieder wird die Wirkung der Nachsaat in der Praxis hinterfragt, ebenso die Häufigkeit dieser Maßnahme zur Bestandsverbesserung. Welchen Mehrwert bringt also ein periodisches Nachsaatregime? Welchen Mehrwert bringt eine permanente Einsaat von Rotklee in Dauergrünlandbeständen? Zur Beantwortung dieser Fragestellungen wurde ein Nachsaatversuch integriert. Je nach maschineller Ausstattung wurden an den Versuchsstandorten die Nachsaatmischung NIK mit Klee (Nachsaatmischung für vier und mehr Nutzungen) mit 15 kg/ha alle zwei Jahre entweder mittels Nachsaatstriegel oder händisch mittels Eisenrechen eingebracht. Als Vergleich wurde jährlich Rotklee (Sorte Semperina, in den letzten zwei Jahren Wechsel auf Sorte Milonia) mit 10 kg/ha nachgesät. Im ersten Hauptnutzungsjahr erfolgte keine Nachsaat.

Bericht

Hier geht’s zum Bericht des Alpenländischen Experten­forums mit Infos über Grünlandsorten und -mischungen für die Zukunft.
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Trockenheit mähen oder abwarten

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Die Versuchsparzellen an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. © Egger