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Weidehaltung und Grünland als Erfolgsfaktoren im Klimawandel

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01.07.2026 | von Dipl.-Ing. Tamara Glantschnig

Der Klimawandel fordert die Landwirtschaft zunehmend heraus. Warum Grünland und Weidehaltung dabei Teil der Lösung sein können, zeigen aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis.

Kuh@Bio Austria.jpg © Bio Austria
Bayrische Grünlandbetriebe setzen auf Kurzrasenweiden für mehr Klimaschutz und resiliente Produktionssysteme. © Bio Austria
Der Sommer ist angekommen und mit ihm die Herausforderungen des Klimawandels. In Kärnten sind die Auswirkungen bereits deutlich sichtbar: Anhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen und ausbleibende bzw. wiederrum heftige Niederschläge setzen Grünland- und Ackerflächen massiv unter Druck. Schwache Aufwüchse bei Heu und Silage beim ersten Schnitt sowie sinkende Futterreserven stellen viele landwirtschaftliche Grünlandbetriebe vor große Herausforderungen. Die Frage, wie Landwirtschaft unter diesen Bedingungen gleichzeitig klimaangepasst, nachhaltig und wirtschaftlich bleiben kann, gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Genau diesem Thema widmet sich die Broschüre "Kuh und Klima - Beiträge der graslandbasierten Biolandwirtschaft zu einer nachhaltigeren Milch- und Fleischproduktion" des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und Bio Suisse. Sie zeigt auf, dass gerade die biologische, graslandbasierte Rinderhaltung wichtige Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels liefern kann.

Grünland als Ressource

Mit seinem hohen Grünlandanteil gehört Österreich zu den bedeutendsten Grünlandregionen Europas. Besonders im Alpenraum prägen Wiesen, Weiden und Almen seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft. Viele dieser Flächen eignen sich nicht für den Ackerbau, können aber durch Wiederkäuer nachhaltig genutzt werden. Kühe verwandeln Gras und Kräuter, die für den Menschen nicht verwertbar sind, in hochwertige Lebensmittel wie Milch und Fleisch. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit, insbesondere in Zeiten zunehmender klimatischer Unsicherheit.

Grünland erfüllt dabei weit mehr Funktionen als die reine Futterproduktion. Dauergrünland speichert große Mengen Kohlenstoff im Boden, verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und schützt vor Erosion. Gerade angesichts häufiger auftretender Starkregenereignisse und längerer Trockenperioden gewinnen diese Leistungen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig zählen extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden zu den artenreichsten Lebensräumen Europas und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität.

Langfristig stabile Systeme

Die Rinderhaltung steht häufig im Fokus der Klimadebatte, insbesondere aufgrund der Methanemissionen. Die Broschüre weist jedoch darauf hin, dass biogenes Methan differenziert betrachtet werden muss. Der Kohlenstoff stammt ursprünglich aus Pflanzen, die zuvor Kohlenstoffdioxid (CO₂) aus der Atmosphäre aufgenommen haben. Damit unterscheidet sich dieser Kreislauf grundlegend von fossilen Emissionen aus Erdöl, Kohle oder Erdgas. Dennoch bleibt klar: Auch die Landwirtschaft muss ihren Beitrag zur Emissionsreduktion leisten und gleichzeitig Strategien entwickeln, um sich an veränderte Klimabedingungen anzupassen.

Der Biolandbau setzt dabei auf langfristig stabile Systeme statt auf kurzfristige Leistungssteigerungen. Standortangepasste Tiere, eine effiziente Nutzung des Grundfutters und geschlossene Nährstoffkreisläufe bilden die Grundlage. Gerade unter den Bedingungen zunehmender Wetterextreme zeigt sich, dass solche resilienten Systeme häufig widerstandsfähiger sind als hochspezialisierte Produktionsformen.

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen eine längere Nutzungsdauer der Kühe, wodurch weniger Jungtiere nachgezogen werden müssen sowie der Einsatz robuster Zweinutzungsrassen. Auch kräuterreiche Wiesen gewinnen an Bedeutung. Tiefwurzelnde Kräuter erhöhen die Trockenheitstoleranz der Bestände, verbessern die Futterqualität und fördern die Tiergesundheit.

Praxisbeispiel aus Bayern

Wie diese Ansätze erfolgreich umgesetzt werden können, zeigte ein Vortrag auf der Internationalen Weidetagung 2026 an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Unter dem Titel "Klimaschonende Milcherzeugung als Anpassung an den fortschreitenden Klimawandel am Beispiel eines Praxisbetriebs" wurde ein Milchviehbetrieb aus Bayern vorgestellt, der viele dieser Prinzipien bereits erfolgreich in die Praxis umgesetzt hat.

Herzstück des Betriebskonzeptes ist eine intensive und konsequente Weidenutzung. Die Kühe verbringen während der Vegetationsperiode möglichst viele Tage auf der Weide und werden nach dem Prinzip der Kurzrasenweide geführt. Dadurch wird das vorhandene Futter optimal genutzt, während gleichzeitig der Bedarf an konservierten Futtermitteln sinkt. Weniger Ernte-, Transport- und Lageraufwand reduzieren sowohl die Kosten als auch den Energieeinsatz. Dieses Weidesystem passt unter den Standortbedingungen des vorgestellten Betriebs in Bayern sehr gut. In Kärnten hat die Kurzrasenweide aufgrund zunehmender Trockenperioden jedoch an Bedeutung verloren, da eine dauerhaft ausreichende Futterproduktion auf den Weideflächen immer schwieriger wird. Zusätzlich setzt der Betrieb auf Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie wie Biertreber, Pressschnitzel, Kartoffelpülpe sowie aussortierte Kartoffeln und Karotten. Diese Futtermittel erhöhen die Ressourceneffizienz und vermeiden Konkurrenz zur menschlichen Ernährung.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Tiergesundheit und Langlebigkeit. Durch ein niedriges Erstkalbealter und eine lange Nutzungsdauer der Kühe wird die Anzahl benötigter Nachzuchttiere reduziert. Dadurch sinken sowohl die Aufzuchtkosten als auch die mit der Aufzucht verbundenen Emissionen.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Mit jährlich rund 170 - 190 Weidetagen stammt ein großer Teil der Milchleistung direkt vom Grünland. Gleichzeitig konnte die Lebensleistung der Kühe deutlich gesteigert werden. Besonders bemerkenswert ist die Klimabilanz des Betriebs. Mit einem CO₂-Fußabdruck von etwa 0,9 kg pro kg energiekorrigierter Milch (ECM) liegt dieser deutlich unter vergleichbaren Durchschnittswerten. Ein bayrischer Durchschnittsbetrieb weist einen CO₂-Fußabdruck von ca. 1,4 kg je kg ECM auf. Die aufgezeigten Maßnahmen wirken sich zusätzlich zum Klima auch positiv auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebs aus.

Zukunft: resiliente Systeme

Sowohl die Broschüre als auch das Praxisbeispiel zeigen deutlich: Klimafreundliche Milchproduktion beruht auf dem Zusammenspiel von effizientem Weidemanagement, ressourcenschonender Fütterung, regionalen Futtermitteln sowie gesunden und langlebigen Tieren. Angesichts zunehmender Wetterextreme muss die Landwirtschaft zugleich widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels werden. Die biologische, graslandbasierte Rinderhaltung kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten für Klimaschutz, Biodiversität, Ernährungssicherheit und stabile landwirtschaftliche Betriebe.
Faktenblatt Kuh und Klima
Hier geht’s zu den Beiträgen der graslandbasierten Biolandwirtschaft.

Internationale Weidetagung 2026
Hier geht’s zur Nachlese der Internationalen Weidetagung.

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