Viele Chancen im Biolandbau
In der vorliegenden Schwerpunktnummer beleuchten Expert:innen der Pflanzenbauabteilung, der Bio-Austria, sowie des MR Oberösterreich in mehreren Fachartikeln neue Entwicklungen und Praxisthemen der biologischen Landwirtschaft.
Bioberater Stefan Rudlstorfer beschreibt, wie sich Weidehaltung und automatische Melksysteme verbinden lassen. Er zeigt, dass hofnahe Weideflächen, gesteuerte Zugänge sowie ein konsequentes Futter und Wassermanagement entscheidend dafür sind, dass Kühe regelmäßig zu den Automatischen Melksystemen (AMS) kommen und gleichzeitig hohe Weideanteile genutzt werden können.
DI Augustin Koch analysiert die aktuelle Lage am Bio-Milchmarkt, der 2025 Rekordanlieferungen von über 634.000 Tonnen verzeichnete. Trotz stabiler Nachfrage üben die steigenden Mengen zunehmend Preisdruck aus, da die Verarbeitungsstrukturen vieler Molkereien an Kapazitätsgrenzen stoßen. Während proteinreiche Produkte wie Topfen, Joghurt oder Skyr weiterhin gefragt sind, dämpft das große Rohstoffangebot die Auszahlungspreise seit Ende 2025. Für 2026 wird entscheidend sein, Angebot und Nachfrage wieder besser auszubalancieren - auch vor dem Hintergrund eines historisch großen Preisabstands zwischen Bio- und konventioneller Milch.
Mag. Michael Fritscher berichtet über ein umfangreiches Forschungsprojekt zur insektenschonenden Mähtechnik. Die Versuche im Wirtschaftsgrünland zeigten deutlich, dass Doppelmesser- und einfache Scheibenmähwerke mit Verlusten unter 10% am schonendsten arbeiten. Aufbereiter erhöhen die Insektenverluste hingegen deutlich, und getestete Scheuchvorrichtungen brachten keine relevanten Verbesserungen. Hohe Insektenvorkommen im Sommer sprechen dafür, in dieser Jahreszeit möglichst ohne Aufbereiter zu mähen.
DI Jakob Gadermaier erläutert Strategien für eine nachhaltige Nährstoffversorgung im Bio-Dauergrünland. Er empfiehlt abgestuften Wiesenbau, gezielte Nutzung von Wirtschaftsdüngern und - bei passenden Standortbedingungen - den Einsatz von Rotklee zur Stickstoffbindung. Realistische Düngeplanung sowie effiziente Ausbringung sollen helfen, knappe Nährstoffressourcen optimal zu nutzen und die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten.
Bioberater Bernhard Ottensamer betont die Bedeutung betriebsindividueller Zuchtziele in der Bio-Milchviehzucht. Weidetauglichkeit, gesunde Klauen und ein großer Pansenraum zur effizienten Grundfutteraufnahme gewinnen gegenüber hohen Kraftfutterleistungen an Bedeutung. Fitnessmerkmale und Langlebigkeit rücken stärker in den Fokus, wozu der ökologische Gesamtzuchtwert (ÖZW) ein passendes Selektionsinstrument bietet.
Im Marktbericht zu Bio-Fleisch und Geflügel zeigt DI Augustin Koch, dass im Jahr 2025 vor allem Bio-Rindfleisch stark nachgefragt wurde, während die Erzeugerpreise deutlich stiegen und den Handel zunehmend unter Druck setzten. Bio-Schweine sind weiterhin knapp, besonders bei Ferkelerzeugern, während der Bio-Masthühnermarkt im deutschsprachigen Raum zweistellige Wachstumsraten verzeichnet und erstmals über 10% Marktanteil erreichte.
Bioberaterin Petra Doblmair stellt eine erfolgreiche Futter Mist Kooperation vor, die zeigt, wie Bio- und konventionelle Betriebe gemeinsam stabile Nährstoffkreisläufe schaffen können. Ein viehloser Bio-Betrieb baut Kleegras an, Partnerbetriebe übernehmen die Ernte und liefern im Gegenzug Mist oder Gülle. So bleiben Nährstoffe in der Region, Humusaufbau und Bodenfruchtbarkeit werden gestärkt, und beide Seiten profitieren wirtschaftlich.
Schließlich analysiert DI Lukas Großbichler den Bio-Getreidemarkt, der sich 2025 stabil entwickelte. Während Hafer aufgrund günstiger Importe unter Druck gerät, zeigen sich Dinkel und Roggen knapp und preisstabil. Besonders gefragt bleiben Sojabohnen, die Spitzenpreise erzielen und im Speise wie Futterbereich begehrt sind. Im Futtergetreidebereich steigen die Preise aufgrund knapper Verfügbarkeit, insbesondere bei Gerste und Triticale.
Abgerundet wird die Ausgabe durch einen Beitrag des Maschinenrings OÖ, der die Vorteile von Maschinenkooperationen unterstreicht. Sie ermöglichen kosteneffiziente Anschaffungen, bessere Maschinenauslastung und stärken gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen Betrieben - ein Modell, das gerade im Bio-Ackerbau zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Wir wünschen allen Lesern ein interessantes Studium der Schwerpunktnummer Biolandbau.