Trockenheit erfordert Anpassung der ÖPUL-Auflagen
Die außergewöhnliche Trockenheit im Frühjahr 2026 stellt die Landwirtschaft in ganz Kärnten vor eine Situation von bislang kaum gekannter Dramatik. Die aktuellen meteorologischen Entwicklungen führen viele landwirtschaftliche Betriebe unverschuldet an die Grenzen ihrer Bewirtschaftungsmöglichkeiten. Dies nahm LK-Präsident Siegfried Huber zum Anlass für einen Brief an Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, in dem er diesen ersucht, das Agrarumweltprogramm ÖPUL anzupassen.
Finanzielle Nachteile verhindern
Präsident Huber ersucht Minister Totschnig eindringlich, den mit Vereinfachungen der EU-Vorgaben zur Gemeinsamen Agrarpolitik gewonnenen nationalen Handlungsspielraum zu nutzen, um rasch und unbürokratisch folgende Anpassungen im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL vorzunehmen, um finanzielle Nachteile für die bäuerlichen Betriebe abzuwenden:
- Vollständige und sofortige Freigabe von Biodiversitätsflächen, Naturschutzflächen sowie nicht produktiven Ackerflächen zur Mahd- und Weidenutzung
- Flexibilisierung der Neuanlage von Biodiversitätsflächen und nicht produktiven Ackerflächen über den 15. Mai hinaus
- Anpassung der Maßnahme „Tierwohl Weide“ durch Ausweitung des Betrachtungszeitraums, sodass eine notwendige Zufütterung auf der Weide ermöglicht wird
- Anerkennung der aktuellen Situation als höhere Gewalt, verbunden mit einem Verzicht auf Sanktionen bei Nichterfüllung von Fördervorgaben (beispielsweise bei Alpungstagen infolge fehlender Wasserversorgung)
Die Situation ist alarmierend
Der LK-Präsident untermauert die Dringlichkeit seines Anliegens mit Zahlen: Laut hydrographischem Dienst des Landes Kärnten fehlen seit Jahresbeginn im Landesdurchschnitt rund 56 mm Niederschlag, was eine Differenz zur Langzeitperiode von 1991 bis 2020 von minus 37,4 % bedeutet. Besonders der März- und Aprilregen sei ausgeblieben. In beiden Monaten gab es laut Geosphere Austria in ganz Kärnten ein Niederschlagsdefizit im Vergleich zum langjährigen Mittel von 70 % bis 90 %. Gleichzeitig weisen 14 der 16 Grundwassermessstellen in Kärnten einen erschreckend niedrigen Wasserstand auf, drei haben bereits einen historischen Tiefstand erreicht. Eine ausreichende Wasserversorgung der Kulturen ist damit vielerorts nicht mehr gegeben. Präsident Huber weist in seinem Schreiben darauf hin, dass die Folgen bereits deutlich sichtbar seien: „Während das Grünland mit starker Wachstumsverzögerung in die Weideperiode gestartet ist, fehlt aufgrund der geringen Wasserreserven im Oberboden die Bestockung und Wurzelausbildung, bei Winterungen und Sommerungen keimt teilweise gar nicht an bzw. sterben Keimlinge bereits ab. Viehhalter können die Futterversorgung ihrer Tiere aufgrund kaum vorhandenem Weideaufwuchs und gravierender Mindererträge beim für das Winterfutter wichtigen ersten Schnitt bald nicht mehr sicherstellen, Ackerbauern stehen vor einem Totalausfall ihrer Ernte.“ Huber betont, dass Kärntens Bäuerinnen und Bauern mit optimaler Saatgutauswahl, Bodenbearbeitung und Bestandspflege alles versucht hätten, um einen hochwertigen Aufwuchs sicherzustellen. Die mittel- und langfristigen Wetterprognosen der GeoSphere Austria zeigen jedoch auch für den Mai keine nennenswerten Niederschläge, weshalb eine ÖPUL-Anpassung dringend nötig wäre, so Huber in seinem Brief abschließend.