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Pflugloser Maisanbau: Von Erosionsschutz bis Bestandsführung

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04.03.2026 | von Dipl.-Ing. Dominik Sima

Der Verzicht auf den Pflug fördert die Stabilität der Bodenaggregate und unterstützt den Aufbau einer tragfähigen Bodenstruktur.

bodenfräse (c) sima.jpg © LK Kärnten/Dominik Sima
Bodenfräsen können winterharte Begrünungen sicher zum Absterben bringen. Mitunter sind aufgrund von Bodenunebenheiten zwei Überfahrten erforderlich, dennoch verbleibt schützendes Mulchmaterial an der Erdoberfläche. © LK Kärnten/Dominik Sima
Traditionell wird in Kärnten vor dem Maisanbau auf den Pflug zur Grundbodenbearbeitung gesetzt. Ein sauberer Tisch bietet deutliche Vorteile in puncto Verunkrautung und erleichtert die Durchführung von nachfolgenden Pflegemaßnahmen im Biolandbau. Nachteilig auf den Boden wirken hingegen die weiten Reihenabstände in Kombination mit der langsamen Jugendentwicklung, da dadurch das Risiko von Bodenerosion, insbesondere bei Starkniederschlägen, erhöht wird.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der pfluglose Maisanbau zunehmend an Bedeutung, da die Bodenoberfläche durch die verbliebene Biomasse der Begrünung bedeckt bleibt, die Aufprallenergie von Regentropfen verringert und der Oberflächenabfluss reduziert werden. Gleichzeitig fördert der Verzicht auf den Pflug die Stabilität der Bodenaggregate und unterstützt den Aufbau einer tragfähigen Bodenstruktur.

Der Erfolg dieses Systems hängt entscheidend davon ab, wie konsequent Begrünungen integriert werden, wie diese im Frühjahr umgebrochen werden und wie die mechanische Beikrautregulierung in Mulchsaat-Beständen technisch umgesetzt wird. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem Begrünungsanbau nach der Vorfrucht zu. Zwischenfrüchte übernehmen im pfluglosen Maisanbau die Aufgabe, den Boden vor Erosion zu schützen, Nährstoffe zu konservieren und durch ihre Durchtätigkeit die Bodenstruktur zu stabilisieren. Dabei ist die Entscheidung zwischen abfrostenden und winterharten Begrünungsmischungen für die weitere Anbaustrategie von grundlegender Bedeutung. Abfrostende Mischungen, die beispielsweise Phacelia, Ölrettich oder Sommerwicke enthalten, sterben bei ausreichendem Frost im Winter ab und hinterlassen im Frühjahr eine abgestorbene, meist flach aufliegende Mulchschicht. Diese abgestorbene Biomasse kann im Frühjahr leicht eingearbeitet werden und erlaubt einen relativ einfachen Anbau der Hauptfrucht und Durchführung der Pflegemaßnahmen. Zudem schützt die Mulchdecke den Boden, ohne mit dem Mais in Konkurrenz zu treten. Generell wird die Biomasse der Begrünung im Verlauf des Frühjahrs relativ rasch abgebaut, da das abgestorbene Pflanzenmaterial mineralisiert wird. Die freiwerdenden Nährstoffe werden vom Mais aufgenommen und wirken sich auf den Ertrag positiv aus.

Winterharte Begrünungsmischungen verhalten sich hingegen deutlich anders. Sie wachsen über den Winter weiter, gewährleisten eine geschlossene Bodenbedeckung und bilden zum Teil erhebliche Mengen an Biomasse. Diese schützt insbesondere erosionsgefährdete Standorte vor starken Niederschlagsereignissen. Die hohe Biomasseproduktion stellt jedoch an das Management erhöhte Anforderungen. Ein zu stark entwickelter Bestand kann die Bodenerwärmung im Frühjahr verzögern und in Abhängigkeit vom C/​N-Verhältnis vorübergehend Stickstoff binden. Das kann die Jugendentwicklung des Maises beeinträchtigen. Daher müssen der Saattermin, die Zusammensetzung der Begrünungskomponenten und die Bestandesführung so aufeinander abgestimmt werden, dass eine leistungsfähige, aber beherrschbare Zwischenfrucht entsteht.

Erhaltung einer Mulchdecke

Maßgeblich für den Erhalt des Erosionsschutzpotenzials ist der Umbruch der Begrünung. Im pfluglosen System darf das Ziel nicht die vollständige Einarbeitung der Biomasse sein, sondern die Erhaltung einer schützenden Mulchdecke bei gleichzeitiger Schaffung günstiger Bedingungen für die Aussaat der Hauptkultur und nachfolgende Maßnahmen zur Unkrautregulierung. Bei moderater Biomasse kann eine sehr flache Bodenbearbeitung mit Grubber oder Scheibenegge ausreichen, sofern die Arbeitstiefe gering bleibt und die Bodenstruktur nicht zerstört wird. Entscheidend ist, dass die Bearbeitung nur die obersten Zentimeter erfasst, um kleine Wurzelballen, die leicht austrocknen, zu bekommen. In großen Wurzelblöcken bleibt viel Feuchtigkeit erhalten, wodurch der Wiederaustrieb möglich ist. Weiters verbleiben durch eine flache Bodenbearbeitung mehr Mulchreste an der Oberfläche, wodurch meist ein ausreichender Erosionsschutz gewährleistet wird.

Bei winterharten Zwischenfrüchten mit hoher Biomasse haben sich zusätzliche Arbeitsgänge mit Walz- oder Messerwalzensystemen als besonders geeignet erwiesen. Durch das Quetschen und Knicken der Pflanzen wird deren Weiterwuchs unterbunden, während sie als geschlossene Mulchschicht auf dem Boden verbleiben. So bleibt die Bodenbedeckung maximal erhalten, und die Bodenstruktur wird nur minimal gestört. Voraussetzung ist ein ausreichend entwickeltes Wachstumsstadium der Zwischenfrucht, damit die mechanische Schädigung zuverlässig zum Absterben führt.

Mit zunehmender Mulchauflage steigen die Anforderungen an die Hacktechnik erheblich. In Mulchsaatbeständen ist eine exakte Reihenführung unverzichtbar, da Mulchreste die optische Orientierung erschweren und der Bearbeitungsspielraum enger wird. Kameragestützte Systeme oder RTK-basierte Lenksysteme ermöglichen eine präzise Führung und erlauben es, nahe an der Kulturreihe zu arbeiten, ohne Pflanzen zu beschädigen. Die Werkzeuge müssen Mulchreste sauber durchtrennen und gleichzeitig flach schneidend arbeiten, um Beikräuter zuverlässig abzuschneiden, ohne tiefer liegende Bodenschichten unnötig zu bearbeiten. Eine präzise Tiefenführung ist dabei von zentraler Bedeutung, denn zu tiefe Eingriffe fördern die Mineralisation organischer Substanz und können die Erosionsanfälligkeit erhöhen, während zu flache Eingriffe die Wirkung gegen Wurzelunkräuter mindern.

Auch die Kombination mit Striegelmaßnahmen kann sinnvoll sein, insbesondere im Vorauflauf oder in den frühen Entwicklungsstadien des Maises. Dabei ist darauf zu achten, dass der Zinkendruck angepasst wird und sich die Mulchdecke nicht ungleichmäßig verlagert. Insgesamt erfordert die mechanische Beikrautregulierung im pfluglosen Maisanbau ein hohes Maß an technischer Präzision und Erfahrung.

Der pfluglose Maisanbau zeigt, dass Erosionsschutz nicht auf eine Einzelmaßnahme reduziert werden kann, sondern ein integriertes System erfordert, in dem Begrünungsanbau, schonender Umbruch und präzise Hacktechnik aufeinander abgestimmt sind. Wer diese Elemente konsequent verknüpft, kann den Boden wirksam schützen und stabile Erträge erzielen.

ÖPUL-Maßnahme Erosionsschutz Acker

Der Anbau von Reihenkulturen wie Mais mit erosionsmindernden Maßnahmen wie z.B. der Mulchsaat wird in der ÖPUL-Maßnahme "Erosionsschutz Acker" gefördert: 54 Euro/​ha. Zudem ist auf Flächen mit einer Hang­neigung von über 10% die Anlage von erosionsgefährdeten Kulturen (Mais, Sonnenblume, Kürbis etc.) mit erosionsmindernden Maßnahmen erforderlich, um die volle Flächenbasisförderung zu ­lukrieren.

Veranstaltungstipp: Technik am Acker, 27. März (Freitag), LFI Kärnten. Weitere Details siehe hier.

 

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