Jahrhundert-Trockenheit bedroht Kärntens Landwirtschaft
Im Rahmen einer Pressekonferenz erfolgte ein Lokalaugenschein am Betrieb von Josef Eschenauer in St. Veit. Dort wurde das Ausmaß der Situation deutlich sichtbar. Der Betrieb rechnet auf rund 60 % seiner Flächen mit Ernteausfällen von bis zu 80 %. Für viehhaltende Betriebe verschärft sich dadurch die Situation bei der Futterversorgung zunehmend. Zusätzlich steigt mit der Trockenheit auch der Druck durch den Borkenkäfer auf die bereits geschwächten Wälder. Nach Einschätzung von LK-Präsident Siegfried Huber könne der angekündigte Regen die Situation nur begrenzt entschärfen, da vielerorts bereits erhebliche Schäden entstanden seien. Kärnten weist derzeit ein Niederschlagsdefizit von rund 45 % gegenüber dem langjährigen Durchschnitt auf. Laut GeoSphere Austria fiel im April um 67 % weniger Niederschlag als üblich, regional sogar um bis zu 85 %. Auch die Grundwasserspiegel befinden sich vielerorts auf außergewöhnlich niedrigem Niveau. Vor allem auf den Ackerflächen zeigen sich die Folgen der Trockenheit deutlich. Spät angebaute Wintergetreidearten sowie Sommergerste, Hafer und Sommerweizen bleiben im Wachstum zurück. Pflanzenbaudirektor Dipl.-Ing. Erich Roscher verweist darauf, dass insbesondere auf leichten, durchlässigen Böden bereits seit Wochen gelb verfärbte Bestände zu beobachten seien. Kritisch sei nun vor allem die Phase der Blüte und Einkörnung bei der Gerste. Fehle den Pflanzen in dieser Entwicklungsphase Wasser, drohten deutliche Ertragseinbußen durch Schmachtkornbildung. Aufgrund der angespannten Futtersituation beginnen viele Betriebe bereits jetzt damit, Getreidebestände zu silieren. Anschließend soll vielfach Silomais angebaut werden, um die Futterversorgung abzusichern. Beim Anbau von Mais, Sojabohnen und Ölkürbis warten zahlreiche Betriebe derzeit auf ausreichende Niederschläge und wärmere Temperaturen für sichere Feldaufgänge. Roscher rechnet heuer bereits jetzt, je nach Kultur und Standort, mit Ertragsrückgängen von 20 bis 70 % gegenüber dem Vorjahr.
Grünland
Auch im Grünland wird die Lage zunehmend kritisch. Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Kärntens bestehen aus Wiesen, Weiden und Almen. Die bevorstehende erste Mahd gilt als entscheidende Grundlage für die Winterfutterversorgung. Laut Grünland-Experten Ing. Hans Egger ist in weiten Teilen Kärntens mit Mindererträgen von bis zu 60 % zu rechnen. Viele Betriebe stünden dadurch vor erheblichen Herausforderungen in der Versorgung ihrer Tiere. Vor diesem Hintergrund fordert die Landwirtschaftskammer eine rasche Freigabe von Biodiversitätsflächen zur Weide- und Futternutzung. Rund 9000 ha solcher Flächen werden in Kärnten im Rahmen der EU-Agrarpolitik bewirtschaftet. Derzeit bestehen jedoch teils strenge Nutzungseinschränkungen. Laut Huber brauche es zusätzliche Futterressourcen, um eine weitere Verschärfung der Situation zu verhindern. Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium laufen bereits dazu.
Wasserversorgung
Neben der Futtersituation spitzt sich vielerorts auch die Wasserversorgung auf den Höfen zu. Quellen versiegen, Brunnen führen weniger Wasser und die Versorgung von Mensch und Tier wird zunehmend schwieriger. Immer häufiger unterstützen Feuerwehren Betriebe mit Wassertransporten. Eine Milchkuh benötigt täglich rund 150 l Wasser. Huber verwies in diesem Zusammenhang auf die wichtige Unterstützung durch die Feuerwehren bei der Aufrechterhaltung der Versorgung. Langfristig sieht die Landwirtschaftskammer Handlungsbedarf bei der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen. Angesichts des Klimawandels brauche es Strategien zur Sicherung der Wasserversorgung, um die regionale Lebensmittelproduktion langfristig aufrechterhalten zu können. Ohne Bewässerungsmöglichkeiten werde Landwirtschaft in manchen Regionen Kärntens künftig kaum mehr möglich sein, so Huber.
LK-Futtermittelplattform
abetroffene Betriebe wurde die Online-Futtermittelplattform der LK Kärnten aktiviert. Betriebe mit verfügbaren Futterreserven können dort Angebote einstellen oder Futter suchen. Die Futtermittelplattform findet sich unter www.ktn.lko.at/futtermittel.
Kommentar zur aktuellen Situation: Dr. Erich Roscher, Pflanzenbaudirektor
Die geringen Niederschlagsmengen der letzten Tage bringen noch keine große Entspannung der Situation. Im Grünland haben die Niederschlagsdefizite des heurigen Jahres bereits einen massiven Ausfall des ersten Aufwuchses bewirkt. Bei den Ackerkulturen muss die Situation in den kommenden Tagen neu beurteilt werden. Die aktuellen Niederschlagsmengen sind zwar gering, aber für eine etwaige noch ausstehende Dünge- oder Pflanzenschutzmaßnahme von Vorteil. Ebenso wird in den kommenden Tagen die Frage der Weiterführung oder einem etwaigen Umbruch schwach entwickelter Getreidebestände und Alternativen wie beispielsweise Körnererbse sowie der Feldaufgang bei Mais, Soja, Kürbisse und Sorghumhirse neu zu bewerten sein.