120 Jahre Ossiacher Tauern
Am Ossiacher Tauern werden aktuell Noriker und Haflingerhengste aufgezogen. Eine organisierte Aufzucht ist essenziell in der Pferdezucht. Bei der gefährdeten Haustierrasse Noriker wird dabei auf die Farben (Rappe, Brauner, Fuchs, Mohrenkopf, Tiger und Schecke) und auf die Linien (Vulkan, Nero, Diamant, Schaunitz, Elmar) geachtet, um den Züchtern nach erfolgreicher Aufzucht eine breite Auswahl an Vatertieren zur Verfügung stellen zu können und damit die Farben und Linienvielfalt erhalten und den Inzuchtgrad niedrig halten zu können.
Wenn es keine organisierte Aufzucht gäbe, würden Nachkommen von einigen wenigen, zu der Zeit populären Hengsten aufgezogen werden und damit die Gesamtpopulation allmählich genetisch verarmen. Neben der Abstammung der Tiere ist vor allem ihr Exterieur von größter Bedeutung, da sie ja als zukünftige Vatertiere eine große Anzahl an Nachkommen produzieren werden. Alljährlich werden im Herbst Fohlen des Jahrgangs miteinander verglichen und die besten davon werden für die Aufzucht am Ossiacher Tauern angekauft. Von ca. 200 geborenen Hengstfohlen werden 10-(12) am Ossiacher Tauern eingestellt.
Mit der heuer vereinbarten Kooperation zwischen LK und dem Landespferdezuchtverband werden gemeinsam ca. 15 Fohlen eingestallt. Die Tiere werden regelmäßig vermessen (Stockmaß, Bandmaß, Brustumfang und Rohrbeinumfang), um ihre Entwicklung damit zu dokumentieren.
Im Winter werden die Pferde im Bewegungsstall mit Laufhof gehalten. Diese Haltung im Junggesellenverband kommt der Entwicklung der Tiere sehr zugute, da sie ausreichend Bewegung haben, aber vor allem den sozialen Umgang mit Artgenossen lernen, der auch später von großer Bedeutung für die Hengsthaltung ist. Jährlich Anfang Mai werden die Junghengste auf die Weiden ausgetrieben und verbringen die Sommer auf den Weiden, wobei eine Zufütterung stattfindet.
Im Oktober jeden Jahres findet die Jährlingsmusterung statt. Dabei wird streng selektiert und etwa die Hälfte der im Jahr davor eingestellten Tiere werden ausgemustert, scheiden damit aus der Aufzucht aus. Hauptsächliche Gründe für die Ausmusterung sind Fehler im Fundament, in der Körperharmonie oder im fehlenden Wuchs. Die Fohlen der Rassen Noriker und Haflinger das erste Jahr gemeinsam gehalten, ab der Jährlingsmusterung werden Noriker und Haflinger auf Grund unterschiedlicher Futteransprüche getrennt voneinander aufgestallt. Es folgt ein weiterer Weideaustrieb der inzwischen Zweijährigen und im Sommer werden aus den verbliebenen nun Zweieinhalbjährigen Norikern die Kandidaten für die zentrale Hengstkörung in Stadl-Paura im September ausgewählt und vorbereitet. Da die Selektion am Ossiacher Tauern streng ist, werden die meisten der zur Körung vorgestellten Hengste auch gekört.
Die gekörten Hengste werden ins Testhengstbuch eingetragen und auf einer Deckstation aufgestellt. Im Alter von 3,5 Jahren treten sie bei der stationären Hengstleistungsprüfung in Stadl-Paura an. Bei erfolgreicher Absolvierung werden sie in das Haupthengstbuch eingetragen und stehen damit uneingeschränkt der Zucht zur Verfügung.
Die Körung der Haflingerhengste findet immer im Jänner, damit einige Monate nach den Norikern statt, sie absolvieren ihre Hengstleistungsprüfung ebenfalls im Alter von 3,5 Jahren.Betriebsspiegel: Aufzuchthof Ossiacher Tauern
- Lage 960 m Seehöhe
- Betrieb ist an das öffentliche Wegenetz durch eine 10 km lange Straße in Richtung Feldkirchen und durch einen 2,5 km langen Forstweg nach Ossiach angeschlossen.
- Die Betriebsgröße beträgt 204 ha, ca. 10 ha Weideflächen.
- Die Hengstaufzuchtstation hat ca. 10 ha Weideflächen
- Betriebszweige: 119 ha Wald, 78 ha Grünland, 4 ha Wasserflächen und 3 ha Hofstellen und Wege.
- In den Jahren 2003 - 2004 erfolgte die Umstellung auf eine Bewegungsstallhaltung.
Geschichte
Die Gründung des Ossiacher Tauern erfolgte durch das in Ossiach gelegene Benediktinerkloster im Jahre 1513. Im Zuge der Reformen Kaiser Josef II wurde das Benediktinerkloster und damit auch der Ossiacher Tauern eingezogen, dem Religionsfonds eingegliedert und hauptsächlich für die Pferdezucht und Pferdeaufzucht verwendet. Die Tauernkirche wird als St. Thomaskapelle 1250 urkundlich zum ersten Mal genannt. Der zum Teil romanische und zum Teil gotische Baustil sind ein Beweis für den Umbau und die Vergrößerung zur Kirche. Im 16. und 17. Jahrhundert sind noch vier oder fünf Bauernhuben zum Stammsitz erworben worden und somit ist die seinerzeitige Tauernmeierei entstanden. Wenn die Tauernmeierei in erster Linie der Versorgung des Klosters gedient haben mag, so soll schon damals die Pferdezucht eine Rolle gespielt haben, wofür die im 16. Jahrhundert erbauten großen und hohen Stallungen sprechen.
Mit der Aufhebung des Benediktinerklosters 1783 ging die Gutsherrschaft von Ossiach in militärische Verwaltung über. Von dieser Zeit an wurde die Tauernmeierei, der Pferdezucht dienend, als Weidegut und ausgesprochener Nebenbetrieb bewirtschaftet. Das Zuchtziel wurde ausschließlich von Gestütsoffizieren bestimmt. Der damalige Markt verlangte jedoch ein schweres Kaltblutpferd und um dieser Nachfrage zu genügen, haben die Pferdezuchtvereine und Einzelzüchter Zuchthengste schwereren Kalibers angekauft und gehalten. Um den Pferdezüchtern die Aufzucht von Junghengsten zu erleichtern, hat die damalige autonome Landesverwaltung die Tauernmeierei gepachtet. Zum Zwecke der Junghengstenaufzucht im bäuerlichen Besitz. Somit wurde der Hengstfohlenhof Ossiacher Tauern begründet. Es war der erste Junghengstenaufzuchthof dieser Art in Österreich.