Hofübergabe in der LK Kärnten nach einer „legendären Zeit“
„Ich übernehme ein wohlbestelltes Haus“, würdigte Rebernig die geordnete Hofübergabe seines Vorgängers. Der Beschluss für seine Bestellung war im Vorstand einstimmig gefasst worden. Mikl gab einen Überblick über zentrale Herausforderungen in seiner Ära von der Almfutterflächenfeststellung über HCB bis hin zur Kammerfinanzierung u. a. durch die In-Wert-Setzung von Grundstücken. „Wir haben jeden Euro zweimal umgedreht“, pochte er auf Sparsamkeit. Meilensteine seines Wirkens waren, wie sein Nachfolger Dipl.-Ing. Rebernig und LK-Präsident Siegfried Huber betonten, die Modernisierung der LK, das neue Kammergesetz sowie die Neu- bzw. Umgestaltung des bäuerlichen Bildungshauses Schloss Krastowitz. „Die Parabel von den zwei Wölfen“, die laut einer Indianerlegende um das Herz jedes Einzelnen kämpfen, nannte Mikl als Leitschnur seines Handelns in der Interessenvertretung: Der eine bringe Dunkelheit und Misstrauen, der andere Mut und Hoffnung. Den Kampf um das Herz gewinne jener, der am häufigsten gefüttert werde. Daher sei es ihm, so Mikl, ein Anliegen gewesen, achtsam zu leben und jeden Tag von Neuem zu wählen, welchen Wolf er füttern wolle. Das gelte auch für die Gesellschaft, die es in der Hand habe, ob sie nachhaltige bäuerliche Produktion unterstützen wolle oder Billigprodukten aus dem Ausland den Vorzug gebe, ob Konsumenten zu Schulmilch aus dem Mölltal oder zum Schnitzel aus Brasilien greifen. Mikl verwies auf LK-Initiativen gegen die EU-Renaturierungs- und Entwaldungsverordnung sowie für Herkunftskennzeichnung wie z. B. das mit mehreren Institutionen gemeinsam getragene Projekt „Gut zu wissen“ als Beispiel für erfolgreiche Kooperationen. Als Angehöriger der slowenischen Volksgruppe in Kärnten plädierte er dafür, den Mehrwert zu nutzen, den kulturelle und sprachliche Vielfalt sowie der Blick über Grenzen für die heimische Landwirtschaft brächten.
„Unser Dorf ist heute die Welt“, ermutigte Mikl zu einem Blick über die Grenzen, um sich Anregungen zu holen. Seinen Dank richtete er an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LK, an viele Weggefährten, seinen Vorgänger Dr. Ernest Gröblacher, die ehemaligen und nunmehrigen LK-Präsidenten Walfried Wutscher und Siegfried Huber, seinen Nachfolger Bernhard Rebernig, die Funktionärinnen und Funktionäre, das Land Kärnten, LHStv. Martin Gruber und den Leiter der Abteilung 10, Dr. Gerhard Hoffer. Gruber dankte ihm ebenso wie Landtagspräsident Reinhart Rohr, LK-Präsident Huber, LK-Vizepräsident Roman Linder und LAK-Präsident Harald Sucher für die langjährige, konstruktive Zusammenarbeit im Interesse der Bäuerinnen und Bauern.
Aufgefallen ist ...
„Schutzschild für Bäuerinnen und Bauern“
- Was ist Ihr wichtigstes Ziel als neuer Kammeramtsdirektor der LK Kärnten?
Dass die LK Kärnten ein starker und verlässlicher Partner für die Bauernfamilien darstellt. Mit kantiger Interessenvertretung und dem besten Service für die bäuerlichen Familien in allen Bereichen. Das reicht von Bildung über Beratung bis hin zur Förderabwicklung. So können Bäuerinnen und Bauern ihrer Kernkompetenz, der Produktion von Lebensmitteln, Holz und Energie, bestmöglich nachkommen.
- Worin sehen Sie in den nächsten Jahren die größten Herausforderungen für die Land- und Forstwirtschaft in Kärnten?
Einerseits ist da das schwierige wirtschaftliche Umfeld, in dem die Bauern gezwungen werden, mit der internationalen Agrarindustrie zu konkurrieren. Gleichzeitig nehmen Auflagen und Bürokratie stetig zu. Hinzu kommt eine Gesellschaft, die immer mehr von den Bäuerinnen und Bauern erwartet, aber nicht bereit ist, dafür zu zahlen. Auch die Begehrlichkeiten hinsichtlich des bäuerlichen Eigentums werden ständig größer. Dies alles erzeugt Druck: sowohl in den Brieftaschen der Bauern als auch in der bäuerlichen Seele. Vor allem die psychische Belastung ist oft groß. Man kommt mit der vielen Arbeit am Hof kaum zurande und hat trotzdem das Gefühl, dass man es der Gesellschaft nicht mehr recht machen kann. Das ist unfair, denn die Bäuerinnen und Bauern leisten unglaublich viel für die Gesellschaft.
- Wie kann die LK ihre Mitglieder bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützen?
Angesichts der Herausforderungen sehe ich die Kammer in vier Bereichen gefordert: Erstens müssen wir als Interessenvertretung ein starkes Schutzschild für das bäuerliche Eigentum sein. Denn die einen wollen unsere Flächen für ihre Freizeit nutzen, die anderen wollen sie stilllegen. Die Dritten wiederum wollen höhere Steuern auf unser Eigentum. Da müssen wir voll dagegenhalten. Zweitens muss die LK noch mehr als bisher die starke Stimme für die Bäuerinnen und Bauern in der Öffentlichkeit sein. Wir sind gefordert, medial noch lauter zu werden und den Mehrwert dieser bäuerlichen Landwirtschaft für die Gesellschaft zu kommunizieren. Drittens sind wir die Speerspitze für die Produktion bäuerlicher Lebensmittel. Wir wollen kein Laborfleisch, wir wollen heimische Lebensmittel auf den Tellern haben – transparent von der Kantine bis zum Gasthaus. Und viertens: Wir wollen das beste Service für die Betriebe in allen Bereichen – das heißt Bildung, Beratung und Förderabwicklung. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten hier unglaublich viel und setzen sich täglich für die Bäuerinnen und Bauern ein. Viele sind selber praktizierende Bäuerinnen und Bauern und kennen daher die Probleme aus der Praxis. Trotzdem werden wir heuer noch eine Serviceoffensive starten, um unser Angebot noch besser auf die Herausforderungen der Betriebe abzustimmen.
- Wie sehen Sie die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft in Kärnten?
Die Land- und Forstwirtschaft hält den Schlüssel für viele Herausforderungen der Zukunft in der Hand. Versorgungssicherheit, Energieproduktion, Kulturlandschaftserhalt, Klima- und Artenschutz – das alles gibt es nur mit einer bäuerlichen Land- und Forstwirtschaft, die man auch produzieren lässt. Dazu braucht es gute Rahmenbedingungen sowie gut ausgebildete Betriebsführerinnen und Betriebsführer, die ihre Höfe mit Mut und Sachverstand in die Zukunft führen, sei es in der Produktion, in der Diversifizierung oder im Nebenerwerb. Wichtig ist, dass wir die Herausforderungen aktiv angehen, anpacken und zusammenhalten. Dann hat der Sektor eine gute Zukunft.